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Mindelheim

11.11.2019

Die Kämpfer der Bürgergemeinschaft sind leise geworden

Michael Gerle

Was die Bürgergemeinschaft in 30 Jahren in Mindelheim erreicht hat und wie es weitergehen soll.

Wenn im Mindelheimer Stadtrat fast alle derselben Meinung sind, dann ist es Zeit für eine neue politische Gruppierung. Vor 30 Jahren war das der Fall. Es war die Geburtsstunde der Bürgergemeinschaft (BG). Erster Vorsitzender wurde Joachim Weck, der zwischenzeitlich verstorben ist.

Entzündet hatte sich der Meinungsstreit am Altenheim. Während die große Mehrheit im Stadtrat überzeugt davon war, dass ein Neubau eines Altenheims draußen auf der grünen Wiese keine gute Idee ist, weil die alten Menschen am Leben in der Altstadt teilhaben sollten, sah das eine kleine Gruppe Andersdenkender völlig anders.

Helmut Lutzenberger blieb viele Jahre lang politisch unbequem

Der Krach damals war so heftig, dass die CSU einen der ihren verlor: Dr. Helmut Lutzenberger war Gründungsmitglied der Bürgergemeinschaft und über viele Jahre hinweg Motor der Gruppierung. Ihn schloss die CSU aus ihren Reihen aus. Lutzenberger blieb über mehrere Legislaturperioden hinweg ein unbequemer politischer Gegner.

Dann überwarf er sich mit den eigenen Leuten. Vor zwei Jahren war es in Mindelheim zu einem Bürgerentscheid um die Zukunft der Lautenwirtswiese gekommen. Während Lutzenberger vehement für den Erhalt der Wiese kämpfte, sahen das die meisten Stadtratskollegen aus der BG anders. Die Folge: Helmut Lutzenberger verließ die BG. Und auch Ehefrau Hannelore Lutzenberger verspürte danach keine große Lust mehr und beendete kurze Zeit später ihre Stadtratsarbeit.

Neue Mitglieder zu gewinnen, fällt der Mindelheimer Gruppierung schwer

Seit 2002 steht Michael Gerle der BG vor, der es weniger mit scharfer Rhetorik hält. Und auch seine zwei Stadtratskollegen Christel Lidel und Manfred Schuster setzen mehr auf kollegialen Ausgleich. Gerle sagt aber auch selbstkritisch, dass sie bei manchen Themen zu wenig reagierten. Es gab sogar schon Momente, wo er sich die Frage stellte, ob es die Bürgergemeinschaft noch braucht, die heute 25 Mitglieder zählt. Denn auch die BG tut sich schwer, junge Mitglieder zu gewinnen. Spätestens seit Bürgermeister Stephan Winter die SPD und die Freien Wähler mit Vizebürgermeisterposten belohnt hat, sieht Gerle die Notwendigkeit einer Opposition im Stadtrat für dringend geboten. Neben den Grünen und dem ÖDP-Vertreter sind die drei Stadträte der BG nicht eingebunden. Ermutigt sieht sich der 68-Jährige auch durch Zuspruch aus der Bevölkerung, wenngleich so mancher sich scheut, sich zur BG zu bekennen. „Manche haben die Sorge, es sich mit den großen Gruppierungen zu verderben“, sagt Gerle.

Größter Erfolg der BG war übrigens der Erhalt der Obstbaumwiese. Der sollte nach dem Willen der großen Mehrheit im Stadtrat mit einem Supermarkt bebaut werden. Die BG unter Helmut Lutzenberger hatte das zu verhindern gewusst und bei einem Bürgerentscheid die Mehrheit der Mindelheimer Bevölkerung hinter sich geschart. Heute, sagt Gerle, seien die meisten Stadträte ganz froh, dass es so gekommen ist.

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