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Westernach

02.03.2018

Die Kirche ist wieder am und auf dem Weg

Hubert Förg und Magdalena Preisinger lauschen Jutta Maiers (links) biblischer Erzählung von Batseba.
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Hubert Förg und Magdalena Preisinger lauschen Jutta Maiers (links) biblischer Erzählung von Batseba.
Bild: Sandra Baumberger

Pfarrgemeindereferentin Jutta Maier macht mit ihrem Schäferwagen in Westernach Station – und freut sich, dort mit ihrem Projekt eine Idee angestoßen zu haben.

Westernach wirkt wie ausgestorben an diesem Nachmittag. Kein Wunder bei der Kälte. Umso mehr fällt der Schäferwagen auf, der in Sichtweite der Kirche auf einem Hof am Straßenrand steht. Aus dem Ofenrohr raucht es heimelig und ein Schild an der Türklinke ermutigt dazu, doch einfach reinzukommen.

Regina Häfele und ihre vierjährige Enkelin Mira sind der Aufforderung gefolgt. Schon weil Mira den Wagen so süß findet und neugierig war, was drinnen geboten ist. Jetzt sitzt sie mit der Oma und ihrer Puppe Emma auf der Holzbank, begutachtet die Kuscheltiere, die in der Wagenecke vor ihr aufgereiht sind, und plaudert mit Jutta Maier.

Die Pfarrgemeindereferentin zieht nach einer kurzen Winterpause wieder mit dem Schäferwagen durch das Dekanat Mindelheim, um die Kirche zu den Menschen zu bringen und für sie da zu sein. In Westernach hat sie mit ihrer „Kirche am Weg“ (wir berichteten) gewissermaßen ein Heimspiel: Fünf Jahre hat sie in der Pfarreiengemeinschaft Nassenbeuren, zu der auch Westernach gehört, gearbeitet und dort Weggefährten wie Hubert Förg gefunden, der die drei Treppen zum Wagen hinaufstapft und mit einem gut gelaunten Grinsen die Tür aufmacht: „Ich bin auch schon wieder da“, verkündet er. „Gestern war’s so gemütlich, dass ich gedacht hab, da komm ich gleich wieder.“ Und gemütlich ist es tatsächlich. In ihrem kleinen Ofen hat Jutta Maier ein fröhlich loderndes Feuer angeschürt, das Wind und Kälte draußen vergessen lässt. Trotzdem freut sie sich schon darauf, wenn es wieder wärmer ist und sie die Tür offen lassen oder – noch besser – sich draußen aufhalten kann. „Die Treppe und die geschlossene Tür sind eine Hemmschwelle“, hat sie festgestellt und dafür durchaus Verständnis: „Ich würd auch nicht bei irgendeinem Verein einfach so zur Tür reingehen.“

Die Kirche ist wieder am und auf dem Weg

Ein Raum, der für Vieles Platz lässt

Wenn die Leute sie dagegen draußen sehen, kommt man leichter ins Gespräch – und zwar über Gott und die Welt. Am Vortag waren die Pfarrgemeinderatswahlen ein Thema im Schäferwagen und die Frage, warum sich nicht nur in der Kirche, sondern auch in den Vereinen immer weniger ehrenamtlich engagieren wollen. „Ich stelle eigentlich nur einen Raum zur Verfügung“, sagt Jutta Maier. Und dieser Raum lässt Platz für alles, was die Besucher bewegt, auch für ganz Alltägliches. Es darf geratscht werden, aber, darauf legt Jutta Maier großen Wert, auf keinen Fall getratscht.

Von Oktober, als Bischof Konrad Zdarsa dem Schäferwagen ganz offiziell den kirchlichen Segen gegeben hat, bis kurz vor Weihnachten hat sie in sieben Orten Station gemacht. Länger als 30 Minuten war sie dabei nie allein. Besonders begehrt war der Schäferwagen auf dem Mindelheimer Weihnachtsmarkt, wo ihn viele im übertragenen, aber auch im Wortsinn als Wärmestube nutzten: Kinder warteten dort, bis ihre Eltern den Rundgang über den Markt beendet hatten, eine Mutter stillte ihr Baby, zwei Stadtstreicher ließen sich mit ihren Bierflaschen auf den Bänken nieder – und hörten sich zusammen mit ein paar Adventisten die Bibelgeschichte an, die Jutta Maier an diesem Tag erzählte.

Magdalena Preisinger hat da eine Idee

In Westernach entscheidet sie sich nach kurzem Überlegen für die Geschichte von Batseba, der Mutter von König Salomo, aus dem Alten Testament. Doch ehe sie ihren grauen Erzählhut aufsetzt, kommt Magdalena Preisinger in den Wagen. Auch sie war am Vortag schon da und von der Gesprächsrunde so begeistert, dass über Nacht eine Idee in ihr gereift ist: Sie könnte sich vorstellen, einmal im Monat im Bauernhof ihres Mannes einen Ort der Begegnung einzurichten. „Mein Gott, die Kinder sind groß, ich hab Zeit, warum nicht? Man könnt’s versuchen. Gerade im Winter, wo man sich nicht so häufig trifft.“ Noch ist das Ganze nur ein Gedanke, doch das ist es, was sich Jutta Maier erhofft hat: Dass sie mit ihrem Besuch Projekte vor Ort anregt, die ihren Grundgedanken einer lebendigen Kirche weitertragen.

Vielleicht wird sie auch das am Abend in das Notizheft schreiben, das auf dem kleinen Schrank neben der Tür bereitliegt. Jutta Maier notiert sich dort nach jedem Tag im Schäferwagen, was die Leute bewegt, was ihnen fehlt. Schließlich versteht sie sich selbst bei dieser Tour als Lernende und will ihre Erfahrungen später auswerten. Außerdem will sie künftig jedes erste Wochenende im Monat an der Maria-Schnee-Kapelle in Nassenbeuren Station zu machen. „Ich bin gespannt, wie einsam das wird“, sagt sie gut gelaunt. Schließlich hat sie mit Orten, die wie ausgestorben wirken, ja schon Erfahrung.

Termin Von Freitag, 2. März, bis Sonntag, 4. März, macht Jutta Maier in Nassenbeuren Station. Am Freitag ist sie ab 14 Uhr in der Schützenstraße 3 anzutreffen, um 15 Uhr erzählt sie dort Geschichten vom Leben. Am Samstag und Sonntag steht der Schäferwagen von 14 bis 18 Uhr an der Maria-Schnee-Kapelle. Am Samstag gibt es die „Geschichten vom Leben“ um 15 und 17 Uhr sowie um 17.30 Uhr ein Abendgebet.

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