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Gemeinderat

23.03.2019

„Die Kirchenmauer ist das wahre Denkmal“

„Das sollte man jetzt nicht weiter aufbauschen“Aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammt die Kirchhofsmauer, die bei Abbrucharbeiten jetzt freigelegt wurde. Ob die Sanierung Auswirkungen auf die Planung zur Sanierung des Waaghauses haben wird, ist derzeit noch unklar.
Bild: Alf Geiger

Die Kirchhofsmauer und der Fund einer uralten Feuerstelle sind Wasser auf die Mühlen der Waaghaus-Gegner. Bürgermeister Kähler warnt vor „voreiligen Schnellschüssen“

Kaum hatte Türkheims Bürgermeister Christian Kähler die vier vorherigen Tagesordnungspunkte abgearbeitet und die Frage „Hat noch jemand was zum Punkt Sonstiges?“ gestellt, da schnellte auch schon der Arm von FW-Fraktionschef Otto Rinninger in die Höhe: „Aus gegebenem Anlass“ wies Rinniger auf die jüngsten Funde an der Kirchhofmauer und die Berichterstattung in der Mindelheimer Zeitung hin und wollte wissen, welche Auswirkungen das alles jetzt auf die laufenden Planungen zur Sanierung des historioschen Waaghauses habe.

Immerhin, sprang ihm dann auch sein Fraktionskollege Franz Haugg bei, sei durch die Abbrucharbeiten an der Kirchhofsmauer erstmals der Blick auf die historisch bedeutende Mauer möglich – und bei diesem Mauerwerk handle es sich schließlich um „eines der ältesten Bauwerke Türkheims“, hat Haugg sich schlau gemacht. Er habe sich bei Historiker Dr. Alois Epple, einem der Herausgeber der Türkheimer Heimatblätter, erkundigt und erfahren, dass die Mauer wohl aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammen könnte. Sogar bis ins Jahr 850 könnten erste Ansätze zurück reichen, hat Haugg recherchiert.

Daher könne man jetzt wohl kaum einfach so mit den Planungen und Arbeiten zur Sanierung des Waaghauses weitermachen, denn aus Sicht der Freien Wähler würde der geplante Anbau eines Veranstaltungssaales zu nahe an die historisch bedeutende Kirchhofmauer heran reichen und so den Blick und Zugang auf dieses einmalige Bauwerk aus der Türkheimer Geschichte verstellen.

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Aus Sicht der FW sei der Abbruch der alten Gebäudeteile an der Kirchenmauer sowieso viel zu spät erfolgt: „Das hätte man schon vor einem Jahr oder früher machen müssen“, sagte Haugg. Dann hätte man damals schon erkennen können, dass die uralte Kirchenmauer historisch noch viel wertvoller sei als das Waaghaus, das etwa 400 Jahre alt ist.

Jetzt sei eine „neue Situation“ entstanden, der sich die Gemeinde stellen müsse und die Planung für das Waaghaus noch einmal unter die Lupe nehmen müsse, so Haugg und Rinninger: „Wir müssen eine bessere Lösung finden“, so Haugg, der auch erklärte warum: „Die Kirchhofmauer ist das wahre Denkmal, nicht das Waaghaus“. Da Haugg und Otto Rinninger schon immer erklärte Gegner einer Sanierung des baufälligen Waaghauses waren (und sind), war es wohl auch für Bürgermeister Christian Kähler keine Überraschung, dass die Freien Wähler dieses Thema nun aufgreifen würden.

Auch er sehe durchaus „eine neue Situation“, doch noch sei es viel zu früh, gleich die gesamte Waaghaus-Planung über den Haufen zu werfen. Kähler warnte eindringlich vor „voreiligen Schnellschüssen“ und sicherte den Gemeinderäten zu, dass die anstehenden Planungsschritte „sukzessive und langsam überarbeitet werden“.

Natürlich sei die Frage „Was passiert, wenn...“ durchaus berechtigt, doch zunächst gelte es doch, die Gutachten der Statiker und Archäologen abzuwarten, ehe gleich die bereits beschlossene Sanierung des Waaghauses samt Anbau des Veranstaltungssaales infrage zu stellen: „Das alles sollte man jetzt nicht weiter aufbauschen“, flehte Kähler geradezu.

Was es mit der uralten Feuerstelle auf sich habe, die bei Grabungen an der Kirchhofsmauer entdeckt worden war (MZ berichtete), konnte Marktbaumeister Christian Schinnagel (noch) nicht sagen: Da sei wohl „nichts weltbewegendes“ entdeckt worden, lediglich eine Verfärbung deute darauf hin, dass es sich hier um eine Feuerstelle handle. „Die Archäologen waren vor Ort“, so Schinnagel, jetzt werde alles freigelegt, dokumentiert – und dann wohl auch abgetragen.

Über mögliche Kosten für die Gemeinde als Zuschuss zur Sanierung der Kirchhofmauer sei noch keine zuverlässige Aussage möglich. „Der Umfang ist noch völlig unklar“, so Schinnagel, der auch Wert auf die Festtellung legte, dass der Waaghaus-Anbau keineswegs näher als drei Meter an die Kirchhofmauer heranreichen werde, wie FW-Gemeinderat Franz Haugg das geschildert hatte.

Auch für die Gemeindekasse käme eine teure Sanierung der Kirchenmauer angesichts der in den nächsten Jahren geplanten Investitionen von gut 30 Millionen Euro denkbar ungelegen. Allein die Waaghaus-Sanierung kostet insgesamt rund 1,9 Millionen Euro, wovon Türkheim gut 700 000 Euro aus eigener Kasse beisteuern soll.

Die Kirchhofsmauer in Türkheim fällt in die Bauherrschaft der örtlichen Kirchenstiftung, betonte auch Nicolas Schnall vom zuständigen Bischöflichen Ordinariat des Bistums Augsburg.

Für die Sanierung der Mauer müssten zunächst die Kosten ermittelt werden, darauf könne dann eine Finanzierung aufgebaut werden. Kirchhofmauern werden in der Regel zu 60 Prozent von der Diözese bezuschusst, so Schnall auf Anfrage der Mindelheimer Zeitung.

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