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Landwirtschaft

14.10.2013

Die Lage bei den Milchbauern hat sich entspannt

Die Milch dieser Kuh ist ersten Molkereien 40 Cent pro Liter wert. Damit erfüllen sie zwar eine langjährige Forderung des BDM, doch die Kosten sind dem Verband zufolge damit noch immer nicht gedeckt.
Bild: Jörg Schollenbruch

Die Lage bei den Milchbauern hat sich entspannt. Erste Molkereien zahlen 40 Cent je Liter. Doch die Bauern wollen aber weiter für höhere Preise kämpfen.

Die Lage der Milchbauern hat sich gebessert, aber wirklich gut ist sie noch nicht. Diesen Eindruck vermittelten Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter BDM auf ihrer Jahresversammlung im Gasthaus Zur Sonne in Mittelrieden. Erste Molkereien hätten für den Oktober zwar einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter angekündigt und erfüllen damit die langjährige Forderung des BDM. Aber selbst damit könnten die Betriebe nach seinen Berechnungen nur 82 Prozent der Kosten abdecken. „50 Cent“ steht inzwischen als Mindestpreis auf den Plakaten des Verbandes.

Steigende Kosten bei stagnierenden Einnahmen

Auf Dauer könnten die Betriebe keine steigenden Kosten bei stagnierenden Einnahmen durchhalten. Das sagte der Vorsitzende des BDM, Romuald Schaber. 2009 war die Lage allerdings noch weit dramatischer. Damals hatte der Niedrigpreis von 25 Cent je Liter den Milchstreik ausgelöst, der maßgeblich vom BDM initiiert worden war. Tonnenweise war Milch auf Felder gekippt worden.

Dieser Kampfgeist von damals hat im Landkreis eine verschworene Gemeinschaft entstehen lassen. Wie groß der Zusammenhalt ist, zeigte sich bei den Wahlen für das Kreisteam. Die Vorschlagsliste wurde komplett bestätigt (siehe Kasten). Josef Frey aus Tiefenried begründete seinen Einsatz damit, dass es dem BDM gelungen sei, die Lage der Milchbauern in die Öffentlichkeit zu tragen. „Jetzt werden wir wahrgenommen, jetzt nimmt man uns ernst.“

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„Hang zum Widerstand“

Jürgen Guggenmoos aus Irsingen sprach von seinem „Hang zum Widerstand“ und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Wenn er den Bauernverband ein bisschen ärgern könne, gehe es ihm besser, gab er zum Besten und erntete unter den rund 100 anwesenden Milchbauern tosenden Beifall.

Dass man nicht nur zuschauen könne, wie die Entwicklung über einen hinweggehe, unterstrich Markus Schwer aus Osterlauchdorf. Deshalb mache er weiter. Neu dabei ist Thomas Mendler aus Legau. Er bewirtschaftet mit seinen Eltern einen Betrieb mit 42 Kühen. „Man muss der Politik zeigen, dass die Milchbauern vertreten werden.“ Er wolle einen Beitrag leisten, dass junge Familien in der Landwirtschaft eine Zukunft haben. Und er kämpfe für eine Landwirtschaft, die sich mehr um den Naturschutz kümmere. „Nicht dass es später heißt. Was haben die damals getan?“

"Den Markt aus den Augen verloren"

Immer noch mehr zu produzieren, um schlechte Erträge aufzufangen, hält der BDM für den falschen Weg. Der bisherige Vorsitzende Manfred Gromer aus Greuth (bei Illerbeuren) verglich die Lage von Bäckern und Milchbauern. Während der Bäcker nur so viele Semmeln produziere, wie er zum guten Preis verkaufen kann, „versuchen wir uns durch Mehrproduktion abzusichern.“ Der Bäcker habe in zwanzig Jahren den Erlös um das Vier- bis Fünffache gesteigert und sei damit viel erfolgreicher als die Bauern. Gromer schließt daraus: „Wir haben den Markt aus den Augen verloren.“

Kurz ging Gromer auf die Rindertuberkulose Tbc und die Folgen für die Bauern ein. Einige hätten zunächst von den Behörden keine Hilfe erfahren. Tiere seien auf Verdacht getötet worden. Der Umgang habe sich aber inzwischen zum Besseren gewendet.

Schaber warb in seinem Vortrag nachdrücklich für mehr Preisstabilität für Agrarprodukte. Um diese Riesensprünge nach oben und vor allem nach unten zu vermeiden, müssten die Bauern ihre Kräfte bündeln. Eine Regulierung des Marktes sei notwendig. EU-Kommissar Dacian Ciolos habe eine Marktbeobachtungsstelle ins Spiel gebracht, was der BDM begrüßt. Schaber sieht darin eine Chance für die Bauern, Gewinnmargen durchzusetzen.

Betriebe mit 9000 Kühen in den USA

Wohin die Reise in der Landwirtschaft gehen könnte, zeigte ein zweiter Vortrag an dem Abend auf. Johannes Pfaller berichtete von seiner Reise nach Wisconsin, dem Milchviehstaat der USA. Dort hat er Betriebe mit 2000 Kühen gesehen, einmal sogar mit 9000. Betriebe unter 500 Kühen seien wirtschaftlich nicht mehr zu betreiben.

Pfaller hat vor allem die Grundeinstellung der amerikanischen Bauern gefallen. Neue Erkenntnisse der Wissenschaft würden sofort umgesetzt. So zeigte er Ställe, die zwar rundum geschlossen sind, durch ein raffiniertes Belüftungssystem aber immer mit Frischluft versorgt werden. Der Raubbau an der Natur werde der amerikanischen Landwirtschaft aber Grenzen setzen. Der immense Wasserverbrauch durch die Rinderhaltung senke den Grundwasserspiegel. „Amerika wird am Wasser scheitern“, sagte Pfaller.

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