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Mindelheim

22.05.2019

Die Lügenmär über stehlende Flüchtlinge in Mindelheim

Ladendiebstähle sind ein alltägliches Vergehen. Doch wer dabei erwischt wird, bekommt eine Anzeige und muss dafür gerade stehen – ganz egal woher er kommt.
Bild: Furthmaier

Plus Polizei und Staatsanwaltschaft dementieren Gerüchte, bei Ausländern würden Diebstähle nicht konsequent verfolgt. „Das ist die komplette Unwahrheit“.

Dieses Gerücht taucht in schöner Regelmäßigkeit und mit ebensolcher Hartnäckigkeit auf. Nur die Details variieren leicht. Mal heißt es, in einem großen Verbrauchermarkt in Mindelheim komme es immer wieder zu Diebstählen, die dann aber nicht weiter verfolgt werden. Dann wieder ist es ein Geschäft in der Innenstadt, das betroffen sei. Immer dann wenn Flüchtlinge die Täter sind, werde weder vom Markt selbst noch von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft Memmingen etwas unternommen. Diese Diebstähle werden quasi geduldet, so die Behauptung.

Der V-Markt versichert: Jedem Diebstahl wird nachgegangen

Mindelheims Polizeichef Gerhard Zielbauer schüttelt den Kopf und sagt dazu: „Das ist die komplette Unwahrheit“. An dem Gerücht sei absolut nichts dran. Der V-Markt spricht von „hanebüchenem Unsinn“. Und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen, Thomas Hörmann, „alle werden gleich behandelt“. Vom V-Markt hieß es, jedem Ladendiebstahl werde nachgegangen. Wenn sich ein Ladendieb – egal welchen Geschlechts oder welcher Herkunft – mit einem amtlichen Ausweis oder Pass ausweisen kann und einen Wohnsitz in Deutschland nachweisen kann, geht die Anzeige schriftlich zur Polizei.

Die Polizei muss in solchen Fällen nicht vor Ort sein. Das erspart den Beamten eine Anfahrt und sie können sich wichtigen anderen Aufgaben zuwenden. Die Diebstahlsanzeige wird dann auf der Polizeiwache abgewickelt. Dazu zählt die Vernehmung und die Strafantrag an die Staatsanwaltschaft.

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Staatsanwalt Hörmann sagt: Wenn jemand nicht vorbestraft ist und der Wert des gestohlenen Gegenstandes unter 100 Euro liegt, kann ein Verfahren gegen Geldauflage nach Paragraph 153 A STPO (Strafprozessordnung). eingestellt werden. Die Geldstrafe geht dann an eine gemeinnützige Einrichtung. Meist gar nicht verfolgt werde ein Ersttäter, wenn er etwas mitgehen lässt, das unter zehn Euro wert ist.

Ausländer werden nicht anders behandelt wie jeder andere auch

Wer das zweite Mal erwischt wird, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Beim dritten Mal erfolgt Anklage, sagt Hörmann. Wenn Täter allerdings erkennbar geplant vorgegangen sind, etwa wenn sie Etiketten von Kleidungsstücken entfernt haben, kann auch sofort ein Strafbefehl erteilt werden. Dass bei Flüchtlingen und Ausländern nicht vorgegangen werde, „stimmt einfach nicht“, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Memmingen.

Sind Ladendiebe schon öfter in Erscheinung getreten, beantragt die Polizei auch schon mal eine Hausdurchsuchung, die dann auch vorgenommen wird. Die Diebstahlszahlen sind laut Polizeichef Zielbauer seit vielen Jahren kaum verändert. Der Zuzug von Flüchtlingen hat nach seiner Aussage im Raum Mindelheim nicht zu einer spürbaren Zunahme bei den Diebstählen geführt. Allerdings sei bei diesen Delikten von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Nicht jeder Langfinger fliegt auf und wird von einem Detektiv auf frischer Tat ertappt.

Im Inspektionsbereich der Polizei Mindelheim, der von Kirchheim, Erkheim bis nach Oberegg und Mindelheim reicht, waren im vergangenen Jahr 2018 genau 31 Diebstähle von geringwertigen Sachen registriert worden. Gemeint ist ein Schaden von jeweils weniger als 30 Euro. 30 Täter wurden ermittelt, ein Täter blieb unbekannt. Drei der Täter waren Ausländer.

Ladendiebstähle bei „geringwertigen Sachen“ von über 30 Euro gab es im vergangenen Jahr im Raum Mindelheim in 22 Fällen. Davon konnten 18 Täter ermittelt werden. Vier waren unbekannt, zwei waren Ausländer. Kein einziger Ladendiebstahl wurde mit Hilfe einer Waffe begangen.

Im laufenden Jahr wurden fünf Ladendiebstähle bei der Polizei aktenkundig, bei denen die Beute weniger als 30 Euro wert war. Einer der Überführten war Ausländer. In ebenfalls fünf Fällen war die Beute mehr als 30 Euro wert. Darunter waren drei Ausländer.

In den meisten Fällen erstatten Ladendetektive Anzeige, wenn Kunden beim Verlassen des Kassenbereichs nicht bezahlt haben. Die Waren werden meist in der Kleidung oder im Kinderwagen versteckt. Hin und wieder werden Packungen aufgerissen. Der Erste Polizeihauptkommissar spricht von „vielfältigen Maschen“.

Die Polizei nimmt die Anzeigen auf und leitet sie an die Staatsanwaltschaft weiter. Wiederholungstäter sollten bedenken, warnt Zielbauer, dass solche Taten auch im Führungszeugnis eingetragen werden. Das kann bei der späteren Arbeitsplatzsuche zu erheblichen Problemen führen, wenn ein Zeugnis verlangt wird.

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