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Bad Wörishofen

08.12.2020

Die Mayrs ebneten Kneipp in Wörishofen einen wichtigen Weg

Das heutige große Geschäftshaus an der Hauptstraße von Bad Wörishofen hat eine lange Tradition. Sie ist verbunden mit einer der am weitesten verzweigten Familien Bad Wörishofens.
Bild: Helmut Bader

Plus MZ-Serie: Kaum eine Bad Wörishofer Stammfamilie ist so weitverzweigt wie die Mayrs. Ein großer Grundbesitz schaffte Möglichkeiten für Investoren. Dabei ging es auch um das Kneippianum.

Wenn über die Geschichte von Wörishofen berichtet wird, dann steht meist die Zeit um und nach Pfarrer Sebastian Kneipp im Mittelpunkt. Im Dorf Wörishofen davor waren es jedoch alteingesessene Bauerngeschlechter, die in dieser Zeit das Leben hier maßgeblich gestalteten und deren Nachfahren noch heute hier zu finden sind. Namen wie Scharpf, Vögele, Trommer, Filser oder Linder, sind deshalb in der heutigen Bevölkerung noch besonders häufig vertreten. Festgehalten sind diese Geschlechter nicht zuletzt auch in den noch heute zuweilen verwendeten Hausnamen ihrer früheren Höfe. Geberlebauer, der Pfleger, Meierbauer, Adamerbauer, Gallenbauer, Doldenhauser oder Mangamicheler sind älteren Kneippstädtern schon noch Begriffe, die sie kennen. Einige dieser „Stammgeschlechter“ wollen wir in einer Serie hier vorstellen. Heute geht es zu den Mayrs.

Bad Wörishofen Auch dort, wo heute das große Geschäftshaus an der Ecke Hauptstraße/Ludwig-Geromiller-Straße steht, befand sich in früheren Jahren ein stattlicher Bauernhof. Dieser Bad Wörishofer Hof allerdings wurde als landwirtschaftliches Anwesen bereits um 1910 von Josef Mayr aufgelöst, wie dessen Enkelin Martina Weigl zu berichten weiß. Sie ist 84 Jahre alt, ebenfalls eine geborene Mayr, wohnt in dem zentral gelegenen Haus und kennt sich mit der weit zurückreichenden Familiengeschichte der Mayrs bestens aus.

Diese Familie hat zwar ihre Wurzeln in Hartenthal, hinterließ aber auch in der Kneippstadt deutliche Spuren. Martina Weigl bewahrt im Übrigen auch viele weitere Schätze aus der Wörishofer Historie auf, die nicht verloren gehen sollten.

Die Hausnamen der Familie an der Hauptstraße waren in früheren Jahren „Mehlmayr“ oder zuvor „Jägermetzger“. Das Vorgänger-Anwesen dürfte laut Martina Weigl zu den ältesten in Wörishofen gehört haben. Nachdem ihr Großvater Josef Mayr nach der Aufgabe des Anwesens weitgehend vom Zins leben konnte und dessen Sohn Werner noch zu jung war, um das Gehöft zu übernehmen, verdingte sich dieser mit etwa 16 Jahren bei der verwandten Familie Dillian in Schöneschach als Knecht. Doch nach einigen Jahren zog es ihn nach Garmisch, wo er seine spätere Frau Anna kennenlernte. Frisch verheiratet, kehrte Mayr im Jahre 1923 wieder nach Wörishofen zurück. Er gründete das landwirtschaftliche Lagerhaus von Werner Mayr, das vielen Wörishofern sicher noch in Erinnerung ist. Aus dieser Zeit – auch der Inflation – besitzt Martina Weigl heute noch ein Kostenbüchlein. Darin steht zu lesen, dass etwa zwei einfache Waschgarnituren damals stattliche 600.000 Reichsmark gekostet haben.

Martina Weigl kennt nicht nur die Geschichte ihres Anwesens an der Hauptstraße, sondern weiß auch vieles aus der Kneippstädter Historie zu berichten.
Bild: Helmut Bader

Bis in die späteren 1960-er-Jahre betrieb Mayr dieses Lagerhaus. Danach brach er den gesamten Bestand ab. Es folgte der Neubau zum großen Geschäftshaus, in dem 30 Jahre lang das Feneberg-Geschäft sein Domizil hatte. An das Lagerhaus erinnert übrigens noch ein von Hans Gutschwager gestaltetes Fresko an der Außenfassade des heutigen Eiscafés Lido. Gutschwager selbst, so wusste Martina Weigl zu erzählen, wohnte sogar kurze Zeit bei ihnen selbst, als er sich in Wörishofen auf vielen Gemälden an Häusern verewigte. Über diese Verbindung hat die Mindelheimer Zeitung bereits berichtet.

Doch die Familiengeschichte der Mayrs reicht noch viel weiter zurück und schlägt eine Brücke nach Hartenthal. Dies beweist, wie das Dorf Wörishofen auch in früheren Zeiten bereits mit seinen damaligen Nachbardörfern oder -weilern verbandelt war. Der im Jahre 1805 geborene und 1875 gestorbene Franz Mayr bewirtschaftete mit seiner erste Frau Euphemia Klee den Hof in Vorder-Hartenthal mit der damaligen Hausnummer 124. Deshalb wohl finden sich bei den weiteren Vorfahren in der Ahnentafel die Namen Klee und noch weiter zurück auch Dobler oder Filser. Auch zu dem abgegangenen Weiler Hinter-Hartenthal bestanden ebenfalls Beziehungen.

So sah der damalige Bauernhof der Mayrs im Jahre 1926 aus. Die Familiengeschichte reicht allerdings weitaus länger zurück.
Bild: Helmut Bader

Franz Mayr war es auch, der an Pfarrer Kneipp ein 1938 abgebrochenes Austragshaus auf dem Gelände zwischen Kneippianum und Kinderasyl übergab. Dies ermöglichte Kneipp den Bau seiner beiden Stiftungen auf diesem Gelände. Ebenfalls gehörte die Kneippianum-Dependance „Haus Franziskus“ (heute das Glass-Gebäude im Kurpark) zum Familienbesitz.

In zweiter Ehe war Mayr mit Maria Birk aus Wörishofen (damalige Hausnummer 17 und Bäckerei) verheiratet. Beide Ehen waren kinderreich, in diesem Fall insgesamt 12 Kinder, von denen aber nur sieben überlebten.

Begonnen hat die lange Geschichte einst in Hartenthal

Die Hartenthaler Familie besaß offensichtlich einen großen Besitz an Grundstücken, vor allen in der Wörishofer Eichwaldgegend. Der 1845 geborene Johann Evangelist Mayr, Sohn von Franz Mayr, baute dort die Pension Eichwald mit der bekannten Luft- und Badeanstalt. Zum Besitz gehörten aber auch die Grundstücke, auf denen später das „Sanitas“ stand, heute Hotel Fontenay, die daneben liegende „Villa Antonia“ und auch das Gelände, wo sich jetzt das Hotel Marienbad befindet. Auch einige von Mayrs Geschwister schufen Verbindungen nach Wörishofen und der Umgebung. So heiratete Pauline in eine Familie Klaus ebenso nach Schöneschach, wie Aloisia in die Dillian-Familie. Für einen weiteren Bruder wurde das Wörishofer Anwesen Nr. 14, die heutige Hauptstraße 37 (Bestelmayr) gekauft. Der weitere Bruder Josef war es schließlich, der sich an der Wörishofer Hauptstraße niederließ und dort den Grundstock zum heutigen Anwesen legte. Wie Martina Weigl zu berichten wusste, reichten die Grundstücke der Hauptstraße damals fast immer auch gleich hinunter bis zum Bach und damit zur heutigen Kneippstraße.

Das Fresko von Hans Gutschwager erinnert an die Wurzeln der Familie Mayr.

In der Hartenthaler Heimat der Familie wohnte einst auch Maria Mayr, die durch ihre Heilungsgeschichte mit Pfarrer Kneipp eine besondere Berühmtheit erlangte. Im Kneippfilm „Der Wasserdoktor“ spielt diese Geschichte ja eine wesentliche Rolle.

Martina Weigl selbst durfte übrigens zusammen mit Liesl Steiner und Annelies Mayer in dem Film mitwirken. Zur Familie Mayr in Hartenthal musste Pfarrer Kneipp ein enges Verhältnis gehabt haben. Vorfahrin Victoria Mayr war noch bei Kneipp selbst in die Schule gegangen.

Dies wusste deren Tochter Aloisia, verheiratete Schüll, einstmals in der MZ schon zu berichten. Sie erzählte dort auch die Geschichte der am Kindbettfieber erkrankten und zur Familie verwandten Maria Mayr, die wohl im Nachbarhof zu Hause war und in den Film einging.

Als auf den Hartenthaler Hof die Schülls einheirateten, verlor sich dort zwar der Name Mayr. Diese aber wissen sehr wohl, wer dort ihre Vorfahren waren.

Lesen Sie auch die bislang erschienen Teile der MZ-Serie:


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