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Viehweid

03.06.2015

Die Naturschätze gleich vor der Haustür

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7 Bilder

Warum sich ein Spaziergang im Wiedergeltinger Wäldchen immer lohnt. Johann Schilling und Leo Rasch vom LBV lieben dieses Fleckchen Natur ganz besonders

Selbst bei strömendem Regen ist ein Spaziergang im Wiedergeltinger Wäldchen etwas ganz Besonderes. Vor allem dann, wenn man kundig von Johann Schilling und Leo Rasch von der Ortsgruppe Wertachtal des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) begleitet wird. Seit Ende der 1980er Jahre setzt sich diese Ortsgruppe für den Erhalt des Wäldchens ein, das die Wiedergeltinger selbst „Viehweid“ nennen, und kaufte dort nach und nach Grund. 5,5 Hektar des insgesamt 50 Hektar großen Gebietes konnte so schon erworben werden und der LBV zählt jetzt zum größten Einzelbesitzer. Der Ortsverband bemüht sich auch, mit anderen Grundstücksbesitzern einen möglichst großen Biotopverbund zu schaffen, nicht zuletzt auch, um Randeinflüsse zu verringern. „Als End- und Dauerzustand streben wir wieder einen lichten Kiefern-Fichtenwald an. Offene Bereiche in dem Wäldchen sollen wiederhergestellt und erhalten werden, denn nur so können wir die biologische Vielfalt des Gebietes sichern“, erklärt Schilling.

Und wie gerufen, stehen wir bereits vor der ersten Orchidee, einer eher unscheinbaren Art, der Vogel-Nestwurz. Bei genauerem Hinsehen sind die kleinen Orchideenblüten aber gut zu erkennen. Auch ganz besonders große Weinbergschnecken kreuzen immer wieder unseren Weg.

Das Besondere am Wiedergeltinger Wäldchen ist die Bodenbeschaffenheit. Unter einer dünnen Rohhumusschicht hat sich eine bis zu zwei Meter tiefe Almschicht (Fegsand) ausgebildet, die sich am Ende der letzten Eiszeit abgelagert hat. „In meiner Schulzeit in Wiedergeltingen habe ich bereits gelernt, dass hier das Allgäu und die Berglandschaft beginnen“, lacht Schilling.

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„Dieser sehr seltene Untergrund und die Beweidung vermutlich ab dem Mittelalter mit gelegentlicher Streumahd prägen das Wäldchen bis in unsere Zeit“, so Rasch. Doch die beiden Naturliebhaber weisen auch auf die „Sünden“ der jüngsten Vergangenheit hin. Fichten- und Laubwaldmonokulturen stellen ihrer Meinung nach eine Gefährdung für die Tier- und Pflanzenwelt dar. Die Männer sind sehr froh, dass der LBV nun wieder Kiefern und vereinzelt auch Wacholder nachgepflanzt hat und heuer auch kein Sturmschaden zu verzeichnen war. Dass der Naturschutz im Wiedergeltinger Wäldchen viel Arbeit macht, wird schnell klar. Die Flächen müssen regelmäßig entbuscht und gemäht werden. Viel und schwere Handarbeit ist gefragt. Helfer seien immer gerne willkommen. Für die Zukunft wäre auch, zumindest auf Teilflächen, wieder eine Beweidung sinnvoll. „Doch leider konnten wir noch keinen Landwirt oder Schäfer dafür begeistern“, so Schilling.

„Wir haben auch einen Pflegeplan mit genauen Pflegemaßnahmen erstellt, um die Raritäten des Wäldchens zu erhalten“, erklärt Schilling und deutet auf ein Seggenbündel – für den Laien einfach Gras. Die Erklärung erfolgt von Johann Schilling sofort: „Die Seggenpflanzen sind eine Gattung aus der Familie der Sauergrasgewächse und es gibt bis zu 2000 Arten“. Ja, und auch unzählige Schmetterlinge scheinen sich hier sehr wohlzufühlen. Ein wunderschönes, schützenswertes Fleckchen Natur.

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