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Geschützter Vogel schaut im Unterallgäu vorbei

22.07.2017

Die Notlandung bei Ettringen

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3 Bilder
Diesen Gänsegeier in Aktion hat Jörg Schollenbruch in der Adlerwarte Pfänder oberhalb von Bregenz fotografiert.
Bild: Schollenbruch

Wie zwei Falkner einen ausgehungerten Gänsegeier gerettet haben. Heute soll es nach Innsbruck gehen

Er gehört zu den mächtigsten Vögeln Europas überhaupt und ist streng geschützt. Bei Ettringen ist vergangenen Montag auf einer Wiese ein völlig erschöpfter Gänsegeier entdeckt worden. Die herbeigerufenen Falkner Martin Auer und Jürgen Lutzenberger aus Egelhofen haben sich des Tieres angenommen. Am heutigen Samstag soll der Vogel wieder zurück in den Alpenraum, wo es vermutlich herkommt.

Bis zu 500 Kilometer weit können Gänsegeier fliegen, wenn die Windverhältnisse ideal sind. Normalerweise kommen sie eher selten ins Unterland. In der Bergwelt fühlt sich der Vogel zuhause. Eine Frau hatte das mächtige Tier auf einer Wiese bei Ettringen entdeckt, das eine Spannweite von 2,50 bis 2,60 Metern hat. Der Geier war offenbar total erschöpft und ausgehungert. Die Frau verständigte einen Jäger, der wiederum die Vogelexperten informierte.

Innereien als Appetitmacher

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Martin Auer sagt, dieser Gänsegeier dürfte zwischen zwei und drei Jahre alt sein, weil er eine noch braune Halskrause besitzt. Später wird sie weiß. Mit sechs, sieben Jahren sind Geier ausgewachsen. Auer und Lutzenberger gelang es, das Tier einzufangen. Mit Innereien vom Reh, mit Rinderherz und Leber päppelten sie das Tier die Woche über auf bei sich daheim auf. Offenbar hat der Vogel zuletzt kaum Aas gefunden, von dem er sich ernähren konnte. Es war höchste Zeit, dass der Vogel etwas zu fressen bekam. Allein hätte er nicht mehr abheben können, so entkräftet war er bereits, erzählt Martin Auer.

Inzwischen geht es dem Gänsegeier wieder so gut, dass er transportfähig ist. Nach Rücksprache mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt und der Polizei werden Auer und Lutzenberger das Tier am heutigen Samstag mit einem Privatauto nach Innsbruck fahren. Am dortigen Alpen-Zoo gibt es Fachleute für Geier, die sich bereiterklärt haben, sich um das Tier zu kümmern. Dort soll es eingehend untersucht werden. Dann geht die Reise weiter nach Italien. Bei Udine gibt es eine Geierauswilderungsstation in den Tarnischen Alpen, einem Gebiet unweit der slowenischen Grenze. Dort könnte der Ettringer Gänsegeier wieder abheben.

Die Fahrtkosten für die Rettungsaktion übernimmt übrigens ein Verband von Falknern.

Gänsegeier ernähren sich in Europa fast ausschließlich von Aas größerer Nutztiere. In Europa sollen nach einer Zählung aus dem Jahr 2004 noch rund 24 000 Brutpaare leben. Der Großteil von 22 500 Tieren lebt in Spanien. Sie sind sehr gesellig und brüten meist in Kolonien, die mehr als 100 Brutpaare umfassen können. Besonders fasziniert ihr Flug. Ähnlich wie beim Steinadler werden die Flügel leicht nach oben gehalten. Die Tiere wirken auch im Flug sehr groß.

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