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Bedernau

22.11.2019

Die Schloss- und Bauherren von Schloss Bedernau

Ulrike Freifrau von Castell und ihr Mann Franz auf der neu errichteten Zufahrt von Schloss Bedernau.
Bild: Manhalter

Die Familie von Castell musste ein Vermögen in ihr Bedernauer Schloss stecken. Für die Herausforderungen gab es manchmal auch kuriose Lösungen.

Ein potentieller Angreifer wäre unerwarteten Schwierigkeiten gegenübergestanden, so ganz ohne Zugang zum begehrten Objekt. Wohl unverrichteter Dinge hätte der Feind, sich auf dem Rückzug wohl eine andere Strategie überlegend, wieder von dannen ziehen müssen. Nun, wir befinden uns natürlich nicht im Mittelalter, auch nicht in der Frühen Neuzeit. Dennoch stellte sich vor kurzem allen Ernstes die Frage des Betretens von Schloss Bedernau: Die über den Graben führende Brücke wies irreparable Schäden auf, jede Belastungsprobe konnte im Fiasko enden, die Zufahrt war schlichtweg nicht mehr sicher.

Es führte kein Weg daran vorbei, das jahrhundertealte Bauwerk von Grund auf zu sanieren. Für den Hausherrn Franz Freiherr von Castell gab es keine Diskussion: Der Originalzustand musste wieder herzustellen sein. Einzig die Frage, wie während der Bauarbeiten der Zugang zum Schloss gewährleistet werden konnte, trieb sowohl Besitzer als auch Baufirma um.

Schloss Bedernau: Manchmal sind kuriose Lösungen notwendig

Letztendlich verfiel man auf die ebenso kuriose wie einfache Lösung, anhand eines horizontalen Gerüstes, welches sowieso Verwendung fand, den Graben zu überqueren. Dass diese Passage dennoch recht abenteuerlich anmutete, hört man bei der Erzählung von Castells unschwer heraus. Jetzt steht sie also da, die neue alte Brücke: repräsentativ, monumental und gleichzeitig etwas verspielt.

Die Schloss- und Bauherren von Schloss Bedernau

Der Clou am Vorgängerbau war, so der Hausherr, der zusammen mit seinem Cousin Christian Freiherr von Castell den Familienbesitz verwaltet, die Mauertechnik des 17. Jahrhunderts. Die Pfeiler der Balustrade bestanden jeweils aus drei Einzelteilen, die völlig kompatibel waren. Wie aus einem Baukasten konnten die Meister der Barockzeit die verschiedenen Elemente kombinieren und untereinander austauschen. Da sage noch einer, Fortschritt der Technik!

Ein paar Meter weiter zeigt Jan Josko von der Mindelauer Firma Knacker an einem Werkstück, wie die Abdeckung der Balustrade angefertigt wird. Ganz ohne moderne Maschinen geht es natürlich nicht, das wäre zu teuer und zu aufwendig. Dennoch greift Josko zu Hammer und Meißel, als es an die Detailarbeit geht. Schlag für Schlag entstehen jene Schrägen, die später in Form eines Satteldaches die verwitterten Vorgängersteine ersetzten sollen.

2020 soll die Außenrenovierung von Schloss Bedernau abgeschlossen sein

Eine prächtige Brücke soll ihren Abschluss an einem ebenso repräsentativen Tor finden, mag sich die Familie von Castell gedacht haben, als sie sich entschloss diesen verschwundenen Akzent der Zufahrt wieder herzustellen. Tatsächlich stehen bereits die beiden Pfeiler, deren Vorgänger längst zerfallen waren. Die Gitter würden demnächst geliefert, freut sich der Hausherr. In Memmingen habe man diese restaurieren lassen. Wenn nun noch die gut fünfzig Fensterläden erneuert werden, sei die Außenrenovierung abgeschlossen. Dies werde voraussichtlich im Spätherbst 2020 der Fall sein, schätzt von Castell.

Die Planung für das aufwendige und umfangreiche Unternehmen übernahm die Mindelheimer Firma Kern Architekten. Fragt man den freundlichen Hausherrn nach den Kosten für die Wiederherstellungsmaßnahmen, so erfährt man, dass die Schwelle von einer Million Euro überschritten wurde. Zwar können hier auch behördliche Zuschüsse geltend gemacht werden, dennoch stelle die Renovierung dieser Größenordnung für eine Familie eine außergewöhnliche Belastung dar.

Genugtuung über die ausgegebenen Gelder sollte allerdings schon allein der Anblick der zwischenzeitlich wieder freundlichen und hellen Außenmauern geben, welche das Gebäude ringsum umfassen. Wo es möglich war, wurde das ursprüngliche Mauerwerk bewahrt. Und das ist glücklicherweise an sehr vielen Stellen der Fall. Lediglich mit Sandstrahl gesäubert und verputzt spiegelt manche Ziegelbalustrade die Atmosphäre vergangener Jahrhunderte wider. Seit Frühsommer 2018 sind die Handwerker im Einsatz.

Das Schloss Bedernau gehört der Familie von Castell seit 1927

Eigenbesitz der aus der Bayerischen Pfalz stammenden Familie von Castell ist das Schloss mitsamt umgebendem Areal seit 1927. Damals erhielt Ernst von Castell das zuvor schon durch ihn bewirtschaftete ehemalige Lehensgut zugesprochen. In Bedernau ansässig sind die Freiherren allerdings bereits seit 1779. In der Aufklärung war es der Bayerische Kurfürst Karl Theodor, der seine Pfälzer Landsleute mit der Herrschaft belehnte. Der erste dieses Geschlechts, der hier in Mittelschwaben Fuß fasste, war Joseph Sebastian von Castell. Dessen Epitaph findet sich in der nahe gelegenen Kirche in Baumgärtle. Diese war früher die Familienkirche der Familie, weiß von Castell zu berichten. Das danebengelegene heutige Exerzitienhaus diente in jenen Zeiten als Jagdschloss.

Geheimer Staatsrat und Finanzreferendar war er gewesen, der erste Bedernauer Castell. Die Berufe haben sich durch die Zeit wenig gewandelt, gibt einem dann der Hausherr noch mit auf den Weg. Entweder waren die Castell Juristen oder Theologen – oder beides. Hiervon weicht auch die heutige Generation nicht ab. Es ist doch irgendwie schön, dass es in unserer unsteten modernen Zeit noch so etwas wie Traditionen gibt.

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