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Gestenreicher Vortrag: Alois Epple im Gasthaus Bäurle.

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Der Scherenschnitt von Josef Madlener zeigt die Sieben Schwaben mit ihrer berühmten Lanze. Über den Charakter der Lanzenträger referierte Alois Epple bei einem Hoigarta in Türkheim.

Historie
19.04.2011

Die Wahrheit über den Schwabenspieß

Von Maria Schmid

Bei einem Hoigarta beleuchtet Alois Epple die historische Ebene der Sieben Schwaben, die für Türkheim sinngebend sind

Türkheim Sieben an einem Spieß – so kämpften „Die Sieben Schwaben“ gegen ein wahres Hasen-Ungeheuer. Oder waren es nicht nur sechs Schwaben und ein Allgäuer? Das jedenfalls fragte Dr. Alois Epple beim „Hoigarta“ im Gasthaus Bäurle in Türkheim. Denn der Allgäuer sei ja eigentlich kein Schwabe, er sei halt ein echter Allgäuer.

Und was an diesen Hasenkämpfern das Besondere war, ihre ganz eigene charakterliche Geschichte ausmachte, das hatte Ludwig Aurbacher, 1784 in Türkheim geboren, in akribischer Kleinarbeit herausgefunden. Dafür studierte er wohl die älteste Version dieser Mär von 1545, aus dem Meisterlied von Hans Sachs (1494-1576). Epple schilderte in amüsanter Weise die jeweiligen Eigentümlichkeiten. Die Sieben Schwaben hießen bei Ludwig Bechstein und den Brüdern Grimm unterschiedlich. Der Seehas (Jackli) kam vom Bodensee, sei unter anderem ein Erzlügner und Windbeutel gewesen. Der Nestelschwab (Marli) aus Hechingen sei so dumm gewesen, das man ihm nichts erklären musste, er hätte es sowieso nicht verstanden.

Der Blitzschwab (Jergli) aus dem Raum Meitingen sei ein bisschen verschlagen, ein großer Säufer und streitsüchtig gewesen. Beim Bier habe er am liebsten Lieder aus „Des Knaben Wunderhorn“ gesungen. Und fluchen habe er können wie ein Rohrspatz. Der Spiegelschwab (Michal) habe einige autobiografische Züge von Aurbacher gehabt.

Alois Epple meinte allerdings, er sei das Gegenteil von dem gewesen, was den Spiegelschwab ausgemacht habe. Dem Knöpfleschwab (Hans) aus dem Ries sage man nach, er hatte zwei Mägen, aber kein Herz. Seine Gewohnheit: er konnte am Tag fünfmal Suppe und zweimal Knöpfle essen. Der Gelbfüßler (Veitli) aus Bopfingen könne sehr schnell laufen – wegen seiner gelben Stiefel mit Sporen. Am besten jedoch konnte er einfach nur davonlaufen. Und der Allgäuer, der Herr Schulz, sei ein gottesfürchtiger Mensch. Er eignete sich als Einziger für den Kampf. So kam es, dass er an der Spitze der Sieben in den Kampf ziehen musste. Er war es auch, der beim Waffenschmied in Augsburg beim Anblick des Spießes ganz entrüstet sagte: „Bygott! Send des au Spieß? So oaner wär mer grad reacht zume Zahnstihrer. For mi ischt e Spieß von siebe Mannslengen noh net lang gnueg.“ Und der Blitzschwab rief aus: „Hotz Blitz! Du hoscht Reacht und i merk doin Maining: Wie älle siebe for oin, so for älle siebe noh oin Spieß.“

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