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Natur

17.03.2015

Die Wildkatze pirscht sich an

Gerhard Wolf kontrolliert mit einer Lupe, ob an dem Lockstock Haare hängengeblieben sind, die per Genanalyse einer Wildkatze zugeordnet werden können.
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Gerhard Wolf kontrolliert mit einer Lupe, ob an dem Lockstock Haare hängengeblieben sind, die per Genanalyse einer Wildkatze zugeordnet werden können.

Bei Tussenhausen streift sie durch den Wald – und vielleicht auch in Mindelheim

Der Holzpfosten ist absolut unspektakulär: sägerau, beschriftet mit „BN-Y 33“, ragt er 40 Zentimeter aus dem Boden, irgendwo im Mindelheimer Stadtwald zwischen Autobahn, Bahngleisen und St. Anna. Das Auffälligste ist der durchdringende Baldriangeruch, den er verströmt. Doch wenn auch nur ein einziges Haar an ihm hängt, hat er das Zeug zur Sensation. Zumindest dann, wenn es das richtige ist, nämlich das einer Europäischen Wildkatze. Sie war in Bayern längst ausgestorben, wurde 1984 vom Bund Naturschutz (BN) im Spessart wieder ausgewildert und ist nun auch im Unterallgäu angekommen.

Das beweisen Haarbüschel, die gleich an vier verschiedenen Stellen im Angelberger Forst bei Tussenhausen gefunden wurden – an eben solchen unspektakulären Stöcken, die dank ihres Baldrian-Parfüms für die Wildkatze unwiderstehlich sind. Die Stöcke wurden im vergangenen Frühjahr aufgestellt, nachdem 2013 im benachbarten Naturpark Westliche Wälder auf diese Weise eine Wildkatze nachgewiesen wurde. Die spannende Frage ist nun, ob sie auch durch den nur wenige Kilometer entfernten Mindelheimer Stadtwald pirscht. „Es wäre durchaus möglich“, meint Gerhard Wolf nach einem Blick auf die Karte. „Sie könnte zumindest hier durchgelaufen sein.“ Allzu große Hoffnungen macht er sich zwar nicht, aber man weiß ja nie.

Der 64-jährige aus Katzenhirn hat den Stock mit der Nummer „BN-Y 33“ und drei weitere vor einer Woche in den Boden des Mindelheimer Stadtwalds geschlagen und von oben bis unten sorgfältig mit Baldrian besprüht. Er ist einer der Ehrenamtlichen, die sich für das Gemeinschaftsprojekt von BN, den Bayerischen Staatsforsten und der Bayerischen Forstverwaltung im ganzen Freistaat auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, wo die extrem scheuen und hierzulande auch seltenen Katzen leben.

Wolf holt eine Lupe aus seinem grünen Rucksack, kniet sich auf den noch feuchten Boden und untersucht den Lockstock genau. Er hat ihn extra etwas eingekerbt, damit die Haare besser hängen bleiben, sollte sich eine Wildkatze daran reiben. Doch bisher scheint keine dagewesen zu sein: Kein einziges Haar oder auch nur der Geruch von Urin weisen darauf hin.

Gerhard Wolf nimmt’s gelassen. „Ich bin Realist“, sagt er. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr, sehr gering. Aber wenn ich mal was finden würde – das wäre wie eine Belohnung.“ Bis in den Sommer hinein wird er die vier Stöcke in seinem „Revier“ regelmäßig kontrollieren. Im Gepäck die Lupe, eine Pinzette, um etwaige Haare in kleine verschließbare Plastiktüte gleiten zu lassen, einen Bunsenbrenner, um die Stöcke abzuflammen und so zu reinigen und eine Sprühflasche mit Baldrian, damit sie im Laufe der Zeit nicht an Attraktivität verlieren.

Würde Gerhard Wolf fündig, würde das nicht nur ihn selbst freuen, sondern auch die Förster, die damit den Beweis hätten, den Wald möglichst naturnah bewirtschaftet zu haben. Weitere Ergebnisse des Projekts werden im Laufe des Sommers erwartet.

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