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Unterallgäu

24.01.2019

Die Wildtiere im Unterallgäu sind in Not

Für Wildtiere ist der Winter alles andere als angenehm. Wegen der vielerorts noch hohen und teils seit Wochen geschlossenen Schneedecke finden Rehe, aber auch Wildschweine, Hasen und Füchse kein Futter mehr.
Bild: Patrick Pleul, dpa

Der Schnee ist für Rehe, Wildschweine und Co. ein Problem: Sie finden kein Futter mehr. Was Unterallgäuer tun können, um zu helfen – und was sie besser lassen.

Von Schneechaos wie in anderen Teilen Bayerns kann im Unterallgäu keine Rede sein. Doch die vielerorts noch hohe und bereits seit Wochen geschlossene Schneedecke, hart gefroren wie Beton, kann auch hier lebensbedrohlich sein – zumindest für die Wildtiere: Sie finden kein Futter mehr. „Es ist Notzeit“, fasst Peter Heckel, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Mindelheim die Lage zusammen. Denn im Winter sind die Tiere einer Doppelbelastung ausgesetzt: Zum einen steht ihnen weniger Futter zur Verfügung, das zudem von schlechterer Qualität ist. So es den Tieren überhaupt noch gelingt, Futter unter dem Schnee hervorzuscharren oder von den Bäumen zu knabbern, liefert es weniger Energie. Gleichzeitig verbrauchen Reh, Wildschwein und Co. bei der – nicht selten erfolglosen – Suche nach Futter jedoch mehr Energie und auch die Wärmeregulation kostet die Tiere Kraft.

Die Wildtiere im Unterallgäu brauchen artgerechtes Futter

Die Untere Jagdbehörde des Landratsamtes Unterallgäu hat die Revierinhaber deshalb bereits dazu aufgerufen, die Futterstellen für das Wild zugänglich zu halten und dort artgerechtes Futter anzubieten. Dazu sind sie laut dem bayerischen Jagdgesetz auch verpflichtet. Am besten kommen laut Peter Heckel Grummet und Silage in die Raufen. Die sind wegen des Schnees derzeit zwar teils nicht so leicht zu erreichen, „aber die Jäger haben ja Geländewagen oder kennen Landwirte, die beim Räumen behilflich sind“, so Heckel.

Sein Revier liegt im Mindelheimer Stadtwald, wo ein Radlader die wichtigsten Wege freigeräumt hat. Um das Futter nicht durch den Schnee schleppen zu müssen, hat er es bereits im Spätherbst in Fässern an den Futterstellen deponiert. Und auch die Tiere haben vorgesorgt: Um die karge Zeit zu überstehen, haben sie sich im Herbst eine dicke Fettschicht angefressen und sich teils einen warmen Winterpelz zugelegt. Bei Rehen ist der Pansen, einer der drei Mägen der Wiederkäuer, im Winter kleiner als im restlichen Jahr. Außerdem versuchen die Wildtiere, Energie zu sparen: Sie fahren die Stoffwechselaktivität zurück, senken die Körpertemperatur und bewegen sich so wenig wie möglich. Diesen Energiesparmodus können sie aber nur aufrechterhalten, wenn sie in ihren Verstecken nicht gestört werden. Heckel appelliert deshalb an Spaziergänger und Sportler, unbedingt auf den Wegen zu bleiben, sich möglichst ruhig zu verhalten und Hunde unbedingt an die Leine zu nehmen, um das Wild nicht unnötig zu beunruhigen oder gar aufzuschrecken. Denn das zehrt am überlebenswichtigen Energievorrat.

Mindelheimer Kreisjägerschaft: "Füttern sollten nur Fachleute"

Wer Mitleid mit den Tieren hat, sollte sich jedoch zurückhalten: Ihre Verdauung ist nicht auf nährstoffreiches Futter ausgelegt, sodass es im schlimmsten Fall mehr schadet, als nutzt. Die Mindelheimer Kreisjägerschaft bittet deshalb darum, das Füttern den Jägern zu überlassen. Denn sie sind Fachleute und wissen, was das Wild jetzt braucht.

Die Tiere gar nicht zu füttern, wie es etwa der Ökologische Jagdverein Bayern fordert, hält Heckel für den falschen Weg. Denn während der Ökologische Jagdverein damit argumentiert, dass durch das menschliche Eingreifen mehr Tiere überleben, dadurch der Bestand steigt und damit die Schäden durch Verbiss stark zunehmen, ist Heckel vom Gegenteil überzeugt: Wild, das sich an den Futterstellen sattfressen konnte, muss nicht die Rinde von den Bäumen knabbern.

Der viele Schnee im Unterallgäu ist eine Verletzungsgefahr für die Tiere

Vom Futter abgesehen birgt der Schnee derzeit aber noch eine andere Gefahr: Er ist harschig, das heißt, dass sich durch den Wechsel von Tauwetter und Frost feste Schneeschichten auf weichen gebildet haben. Bricht ein Reh oder Wildschwein nun mit einem Bein durch eine gefrorene Schicht, gleitet durch die weiche Schicht und sticht in die nächste Harschdecke, steckt es plötzlich bis zum Bauch im Schnee. Und dessen Eiskristalle sind so scharfkantig, dass sich die Tiere erheblich verletzten können. Erst kürzlich hat Peter Heckel die Spur eines Wildschweins entdeckt, dass sich im harten Schnee eine blutige Wunde am Bauch zugezogen hat.

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