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Vortrag

11.11.2017

Die Wurzeln der Gartenstadt

Aus dem Jahr 1951 stammt die Aufnahme von „Hofmanns Gartensiedlung“, die besonders schön den 1. Bauabschnitt der Siedlungsgenossenschaft zeigt.

Michael Scharpf ermöglicht seltene Einblicke in die Geschichte. Das Weihejubiläum zum 50-jährigen Bestehen der Pfarrei St. Ulrich als würdiger Ausklang des Jubiläumsjahres

Es ist schon erstaunlich, auf welch große Resonanz die historischen Vorträge von Michael Scharpf treffen. Selbst bei der Wiederholung des reich bebilderten Referates über den Flugplatz und die Entstehung der Gartenstadt im Pfarrzentrum von St. Ulrich war der Saal wieder proppenvoll. Anlass für die Wiederholung war das Weihejubiläum zum 50-jährigen Bestehen der Pfarrei, womit das Jubiläumsjahr einen würdigen Ausklang fand.

Michael Scharpf versteht es aber auch ausgezeichnet, seine ohnehin sehenswerten Bilder, die man ja sonst nur selten zu Gesicht bekommt, darzubieten und außerdem hochinteressant zu kommentieren. So waren diesmal einige Male Zwischenrufe zu hören wie „Das war ja ich“ oder „Das ist der Sowieso, den erkenne ich.“ So fanden sich heute fast 60-jährige Männer als Ministranten bei der Einweihung des Bahle-Flugplatzes wieder oder andere auf einem Klassenfoto aus dem Jahre 1958 mit Lehrer Heinrich Brandner. Auch nach dem Vortrag musste Michael Scharpf noch viele Fragen beantworten.

Er spannte den Bogen von den Anfängen der Segelflieger im Jahre 1934 und des 1936 östlich des Kurorts eingerichteten Militärflugplatzes, der zunächst als Ausbildungsstätte für Piloten diente. 1937 erhielt er sogar einen eigenen Bahnanschluss. Mit Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 wurde der Schulungsbetrieb stark ausgeweitet, im weiteren Kriegsverlauf waren Jagdgeschwader hier stationiert.

Offiziell deklariert war das Gelände als „Landwirtschaftliche Reichsgutverwaltung“. Eine Luftaufnahme aus dem Jahre 1940 hätte für den Piloten wohl schlimme Folgen haben können, wenn er dabei erwischt worden wäre, erläuterte Scharpf. Nicht auszudenken, welche Folgen es für die Kneippstadt gehabt hätte, wenn die Tarnung des militärischen Flugplatzes früher als 1944 aufgeflogen wäre. Viele Bilder aus der Flugplatzzeit verdankte Michael Scharpf Karl Englmair, die ihm dieser zur Verfügung gestellt hatte und der wohl einer der wenigen war, die damals schon fotografierten. Interessant und für viele wohl auch neu zu erfahren war, wo genau die Flugzeuge damals starteten und landeten, nämlich wesentlich südlicher als der heutige Bahleflugplatz. So wurde verständlich, warum die stattliche Jaudestanne auf einem Hügelgrab aus der Hallstattzeit an der heutigen Brucknerstraße damals im Wege war.

Scharpf berichtete dann, wie in den ehemaligen Baracken Flüchtlinge und Kriegsopfer untergebracht wurden und dort lange unter schlechten Bedingungen leben mussten. Nach Gründung der Siedlungsgenossenschaft unter Hans Hofmann im Jahre 1947 begannen ab Frühjahr 1950 die ersten Bautätigkeiten auf dem Gelände an der Waldstraße und der Alpenstraße. Sowohl Luftbilder aus dieser ersten Zeit, als auch solche von der mühsamen Bautätigkeit Anfang der 50er-Jahre veranschaulichten die sprunghafte Fortentwicklung der „Siedlung“.

Spannend, wenn Michael Scharpf mithilfe von Überblendungen das „Damals“ und „Heute“ gegenüber stellte. Der Vortrag zeigte dann das schnelle Wachstum des neuen Ortsteiles mit der Entstehung der benötigten Infrastruktur mit Poststelle, Sparkasse oder diversen Betrieben auf. Wohl nur wenige erinnerten sich noch an das Lebensmittelgeschäft von Erna Berchtold in einer alten Mannschaftsbaracke an der Brauerstraße.

Noch weniger bekannt war offensichtlich, dass es an der Ecke Breitenbergstraße/Zugspitzstraße einst einen „Konsum-Lebensmittelladen“ gab, wo heute ein Urologe seine Praxis betreibt. Schließlich berichtete Scharpf über die Entstehung der Pfarrei St. Ulrich unter Pfarrer Antanas Bunga mit dem Bau von Pfarrhaus, Kirche und Pfarrzentrum, ohne dessen Saal der viel beachtete Vortrag wohl nicht stattgefunden hätte.

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