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20.06.2009

Die Zeit ist ein vergängliches Geschenk

Mindelheim Im Gespräch mit MZ-Mitarbeiterin Eva-Maria Frieder erzählt Wolfgang Vogt, was ihn vor 30 Jahren zur Gründung des Turmuhrenmuseums bewegt und bis heute bei der Stange gehalten hat.

MZ: Was war vor 30 Jahren die Initialzündung für Ihre Beschäftigung mit Turmuhren?

Vogt: Vor mehr als 40 Jahren konnte ich von dem bekannten Allgäuer Turmuhrmacher Hans Kuhn meine erste Turmuhr erwerben. Er hatte sie kurze Zeit vorher im Schloss Neuschwanstein stillgelegt, ausgebaut und durch eine elektrische Anlage ersetzt.

Drei Jahre später baute ich "mein Haus um diese Uhr herum", in dem sie noch heute dank des täglichen Aufziehens durch meine Frau Stefanie oder meine Enkel gewissenhaft die Zeit an einem Ziffernblatt zeigt und die Stunde schlägt.

Die Zeit ist ein vergängliches Geschenk

Aus dem Interesse an einem "vergessenen Kulturgut" entstand eine Sammelleidenschaft, die allerdings bald den häuslichen Rahmen sprengte. Genau zu dieser Zeit wurde die ehemalige Silvesterkirche saniert, die das ideale Ambiente für ein Turmuhrenmuseum bot.

Es war damals eine mutige Entscheidung des Bürgermeisters J. Strohmeyer und des amtierenden Stadtrates, auf Anregung von E. Holzbaur ein zweites städtisches Museum, das von einem Privatmann ehrenamtlich geleitet werden sollte, zu eröffnen.

MZ: Wie haben Sie sich die profunden Kenntnisse angeeignet, die Sie mittlerweile besitzen? Sie werden ja sogar oft als Experte hinzugezogen.

Vogt: Zum einen durch das Studium alter Uhrenliteratur, durch Fachgespräche mit meinem Schwager (Uhrmachermeister) und zum anderen durch interessante Begegnungen mit gleichgesinnten Uhrenfreunden. Das Wesentlichste ist jedoch "learning by doing".

MZ: Wie kommt es, dass Sie nach so vielen Jahren immer noch nicht Lust an der Sache verloren haben?

Vogt: Einerseits hat jede Turmuhr ihre eigene Geschichte oder besondere Technik, andererseits ist keine Führung wie die andere, da zu uns von der Kindergartengruppe über Schulklassen jeden Alters, Vereine bis zu Uhrenspezialisten sogar aus anderen Ländern kommen und die Führung genau auf die jeweiligen Bedürfnisse bzw. Erwartungen abgestimmt wird. Es ist ein Anliegen des Museums, alle Besucher persönlich durch Führungen zu betreuen.

MZ: Wie lange wollen Sie noch weitermachen? Können Sie Ihr Wissen eventuell weitergeben?

Vogt: Das Museum wird von mir so lange weitergeführt, wie es meine Gesundheit erlaubt. Meiner Tochter Veronika, meiner Stellvertreterin, habe ich einen Großteil meines Wissens bereits weitergeben können und ihr Sohn Lukas zeigt auch schon Interesse.

Um die technischen und geschichtlichen Informationen der einzelnen Uhrwerke zu sichern ist ein Museumsführer gerade im Entstehen.

MZ: Lässt sich ungefähr abschätzen, wieviel Geld und Zeit Sie im Lauf der Jahre in Ihre Leidenschaft - Hobby kann man es ja kaum nennen - investiert haben?

Vogt: Die Investition von Zeit und Geld habe ich nie dokumentiert, aber es lässt sich sagen, dass sie gerade noch im für meine Familie tolerierbaren Bereich lag.

MZ: Können Sie sich an einige Anekdoten erinnern, die mit Ihrer Tätigkeit im Bereich Turmuhren zusammenhängen? Was war Ihr schönstes/ oder negativstes Erlebnis?

Vogt: Als ich vor langer Zeit nach Absprache mit einer Pfarrhaushälterin in einem Kirchturm die dortige Uhr besichtigte, konnte ich anschließend die Kirche nicht mehr verlassen, da die Tür verschlossen war. Nach längerem Klopfen öffnete vorsichtig der Pfarrer höchstpersönlich den Eingang. Er vermutete einen Einbrecher, da er über meinen Besuch nicht informiert war. Glücklicherweise klärte sich das Missverständnis schnell auf, weil er mich sofort als "Uhren-Vogt" erkannte.

Lesenswert sind auch die unzähligen Einträge im Gästebuch, wie z. B. ein Amerikaner kurz und bündig zusammenfasste: "Wow!"

MZ: Hat die Beschäftigung mit Uhren Ihr Verhältnis zum Thema "Zeit" verändert?

Vogt: Da auch ich die Zeit nicht festhalten kann, sehe ich "Zeit" als vergängliches Geschenk, das ich jeden Tag bewusst auszufüllen versuche.

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