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Konzert

29.04.2015

Die ganze Welt sei Klang

Überzeugte am Piano und mit seiner Sprache: André Krellmann.
Bild: tisch

André Krellmann spielt Musik von Federico Mompou

Ein inspirierender Abend war das im Silvestersaal: Zugunsten des Vereins „Fichtenhaus“ hatte das Kulturamt Mindelheim André Krellmann eingeladen, den spanischen Komponisten Federico Mompou vorzustellen.

Krellmann erwies sich nicht nur als überaus sensibler Pianist, sondern auch als geradezu virtuoser Redner. Seine Stimme und Sprache sind so geschliffen wie seine Texte – kein Wort ist dabei zu viel und jeder Satz von Belang. Die Welt ist Klang, sagte er. Was aber, wenn kein Ohr zugegen, das ihn hört? Es sind Fragen wie diese, die neugierig auf jeden weiteren Satz, auf jeden weiteren Ton machen. Bunt wie ein Kaleidoskop entfaltet sich seine Gedankenwelt und führt wie die Musik Mompous immer wieder zu ihrem Kern zurück: der innere Klang.

Bei dem 1893 in Barcelona geborenen Mompou ist es ein ganz bestimmter Ton: Als Sohn eines Glockengießers ist er fasziniert vom Klang der Glocken, jenes erdverbundene und doch erhaben klingende Läuten einer Glocke in rauschenden Höhen. Rauschend ist auch seine Musik, mal flirrend, immer sich einprägend und einhergehend mit flüchtigen Bildern.

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Flüchtig, ja, fragil sind die Gedankenbilder in Mompous Hauptwerk, der „Musica Callada“, die 1974 vollendet war. Krellmann spielte alle 28 Stücke daraus und seine beiden Textpassagen fügten sich nahtlos ein, als wären sie hinzukomponiert, als ergänzten sie das „Fehlende“ in Mompous Komposition.

Das zweite große Thema der Lesung befasste sich mit dem Begriff des Fragmentarischen, das nicht einfach mit „bruchstückhaft“ oder „unvollendet“ umschrieben werden könne. Es ist wie in guter Literatur, in guten Filmen die Kunst, nie über die „selbstredenden“ Punkte hinaus zu erzählen, stattdessen die Andeutung zum Absoluten zu machen.

Zu begreifen, das gehauchte Tongebilde am Ende als etwas Komplettes erscheinen, darin liegt womöglich Mompous Geheimnis, das sich dem Zuhörer Stück für Stück während des Konzertes erschloss.

Mompou sei ein bescheidener Musiker gewesen, zu bescheiden, um zu großem Ruhm zu gelangen. Ein wenig meint man, dies seiner Musik anzuhören, die sich den Luxus gönnt, allein für sich zu sein – eindrucksvoll, ohne triumphale Geste.

Seine Musik schreit nicht, sie wehklagt nicht, sie hebt nicht die Gemeinschaft der Zuhörerschaft, nicht das Große hervor. Sie ist verstohlen und doch immer klar und greifbar. Sie erzählt Bildergeschichten, ohne sich aufzudrängen, vielmehr überlässt sie es dem Zuhörer, die Geschichten selbst zu vollenden und den inneren Klang zu finden.

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