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Bad Wörishofen

26.10.2020

Die letzten Zeitzeugen von Flucht und Vertreibung

In eigens angefertigten neuen Vitrinen werden verschiedene Trachten der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Buchloer Heimatmuseum präsentiert. Links im Bild: Heimatvereinsvorsitzender Herbert Wintersohl.
Bild: Karin Hehl

Plus Geschichte wird neu aufgearbeitet. Dabei spielt die Sudetendeutsche Landsmannschaft aus Bad Wörishofen eine entscheidende Rolle.

Ein Zusammenschluss hat nun zur Folge, dass die Geschichte der Sudetendeutschen in neuer Form erlebbar wird. Nachdem sich die Vereinsgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft Buchloe aufgelöst und mit der Gruppe in Bad Wörishofen vereint hatte, kam ein Teil des Vereinsvermögens dem Buchloer Heimatmuseum zugute. Dies war der finanzielle Grundstein für die Neugestaltung der Sudeten-Räume.

In maßgefertigten Vitrinen sind nun die detailverliebten Trachten zu bestaunen: das Böhmerwälder Gewand ebenso, wie eines aus der Gegend um Wischau oder bei Schönhengst. Auch Uniformen sind zu sehen oder die fein bestickten Goldhauben der Frauen. Dritter Vorsitzender, Ulrich Müller, hatte dazu eigens Trachten-Sachverständige zu Rate gezogen. „Nun können wir den Trachten einen Rahmen geben, der ihnen gebührt“, sagt Herbert Wintersohl. „Wir haben die Coronakrise im Sommer genutzt und damit begonnen, die Geschichte zur Flucht und Vertreibung im Heimatmuseum neu aufzuarbeiten“, betont der Buchloer Heimatvereinsvorsitzende.

Die zahlreichen Trachten der Sudentendeutschen haben einen eigenen Raum erhalten

So haben die zahlreichen Trachten der Sudetendeutschen Landsmannschaft einen eigenen Raum erhalten. „Wir haben einen großen Bestand an Trachten, wissen aber eigentlich kaum mehr etwas davon“, berichtet Wintersohl. Ursprünglich hätten die prächtigen Gewänder im Sudetenland nur eine untergeordnete Bedeutung gehabt. „Interessant wurden die Trachten erst nach der Vertreibung, um der Heimat Ausdruck zu verleihen“, meint der Vorsitzende.

Doch dies ist erst der Anfang der Umgestaltung. „Wir sind auch sehr stolz auf die vielen anderen Dinge, die in den Schränken und Vitrinen der Sudetendeutschen Stube gezeigt werden“ – gäben diese doch viele persönliche Einblicke in das Leben der Vertriebenen preis. Die Präsentation allerdings, die soll künftig moderner daherkommen. So sei etwa daran gedacht, die persönlichen Erlebnisse von Zeitzeugen an einem eigenen Lesepult, begleitet durch Bilder, zu präsentieren. Mit der Aufzeichnung der Zeitzeugen-Berichte ist derzeit Herbert Sedlmair, Zweiter Vorsitzender des Heimatvereins, befasst. Möglicherweise, greift Wintersohl etwas vor, gibt es zu dem Thema sogar ein weiteres Exemplar aus der Reihe „Buchloer historische Hefte“. „Es ist die letzte Gelegenheit, Zeitzeugen zu befragen und deren Geschichten zusammenzutragen“, weiß der Vorsitzende: „Keine ‚leichte Kost’, aber die letzte Gelegenheit, diese Erinnerungen an eine schreckliche Zeit für die Zukunft zu erhalten.“

Es gibt etwas, das selbst das Museum noch nicht hat - und nun dringend sucht

Letztlich sei die Geschichte von Flucht und Vertreibung „etwas ganz Besonders für Buchloe“. Dabei liege es dem Heimatverein fern, anzuklagen, betont Wintersohl: „Wir schaffen hier einen Ort für die Erinnerung und können nur vielleicht ein bisschen mahnen.“ Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in Buchloe ab 1946 rund 1800 Menschen überwiegend aus dem Sudetenland eine neue Heimat.

Schon 1948 wurden in Buchloe „Sudetendeutsche Kulturtage“ veranstaltet. Auch in Bad Wörishofen hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft eine lange Tradition. Den Verein gibt es hier schon seit über 70 Jahren.

Bis sich Besucher des Museums selbst ein Bild der Sudetendeutschen Geschichte machen können, wird es allerdings noch etwas dauern. Denn aufgrund der Corona-Pandemie hat das Museum derzeit geschlossen. Doch diese Zeit möchte der Vorstand weiter nutzen. So ist der Verein aktuell auf der Suche nach einem originalen Flucht-Koffer.

Darin befand sich einst alles, was die Familien noch besaßen – außen mit dem Namen der Familie, ihrer Adresse und nicht selten mit der Waggon-Nummer beschriftet. In den Erinnerungen an die Vertreibung fehlt dieser Koffer nie, nur im Buchloer Heimatmuseum gibt es noch keinen. „Vielleicht hat noch jemand einen solchen Koffer und würde ihn dem Museum zur Verfügung stellen. Gerne auch als Dauerleihgabe“, wünscht sich Herbert Wintersohl. Erreichbar ist er unter der Telefonnummer 08241/919187. (mit m.he)

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