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03.11.2017

Die neue Gülleverordnung stinkt den Bauern gewaltig

Großer Andrang herrschte bei einer Info-Veranstaltung des Maschinenringes Mindelheim im Saal des Gasthauses „Stern“ in Rammingen. Mehr als 300 Landwirte waren gekommen, um Details zur neuen Düngeverordnung zu erfahren.
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Großer Andrang herrschte bei einer Info-Veranstaltung des Maschinenringes Mindelheim im Saal des Gasthauses „Stern“ in Rammingen. Mehr als 300 Landwirte waren gekommen, um Details zur neuen Düngeverordnung zu erfahren.

Landwirtschaft EU-Regelung zur Düngerausbringung schmeckt den Betroffenen gar nicht

Rammingen In viehreichen Regionen zeigen die Nitratwerte im Grundwasser deutlich nach oben. Verbraucher klagen über „maßlose Überdüngung“ durch die Landwirtschaft und befürchten schwerwiegende, gesundheitliche Schäden. Diese Ängste riefen Brüssel auf den Plan. Von der zuständigen EU-Kommission wurde die Bundesregierung aufgefordert, die Düngeverordnung deutlich zu verschärfen.

Bei den Landwirten stößt die nun im Juni 2017 in Kraft getretene neue Düngeverordnung nicht gerade auf Gegenliebe. Im Gegenteil: Sie wehren sich mit Vehemenz gegen die strengeren Vorschriften. „Wir brauchen keine Verschärfung der Düngeverordnung (DüV), die angewandten Methoden guter, landwirtschaftlicher Praxis haben sich bewährt“, argumentieren sie.

Wie sehr das sensible Thema „Ausbringen von Gülle“ die Tierhalter, Ackerbauern und Betreiber von Biogasanlagen auf den Nägeln brennt, wurde bei einer Informations-Veranstaltung deutlich, zu der der Maschinenring Mindelheim (MR) sowie die Vereine landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen (VLF) und Meister (VLM) ins Ramminger Gasthaus Stern eingeladen hatten. Der Andrang war so groß, dass bei der Bestuhlung ständig nachgebessert werden musste. Bei mehr als 300 Vertretern der „grünen Branche“ drohte der Saal aus allen Nähten zu platzen.

„Da wir in einer biogasaktiven Region leben, fehlt uns jegliches Verständnis dafür, dass wir nur 170 Kilogramm Stickstoff je Hektar und Jahr ausbringen dürfen und dabei auch alle organischen Düngemittel, wie auch Biogasgärreste und Kompost einbeziehen müssen“, klagte MR-Vorsitzender Alfons Kerler. Kritik wurde auch an einer „überzogenen Dokumentationspflicht“ und neuen Obergrenzen geübt. Besonders die geänderten Sperrfristen sind den Landwirten ein Dorn im Auge. Danach dürfen alle Düngemittel mit wesentlichem Gehalt an Stickstoff und Phosphat auf Ackerland nach der Ernte bis zum 31. Januar ausgebracht werden. Auf Grünland ist eine Düngung vom 29. November bis 28. Februar nicht erlaubt. Das Verbot gilt zudem auch für wassergesättigte, gefrorene und schneebedeckte Böden.

Um ein Abschwemmen von Nährstoffen in die Gewässer zu vermeiden, ist entlang der Düngung bei Flächen, die weniger als zehn Prozent Neigung aufweisen, zudem ein Abstand von vier Metern einzuhalten. Dass die neue Düngeverordnung, die Josef Peis und Mathias Eberle vom Mindelheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Detail erläuterten, mehr bürokratischen Aufwand mit sich bringt, befürchtet auch Behördenchef Ludwig Merk. „Stickstoff als Reparaturwerkzeug hat ausgedient“, gab sich Direktor Merk überzeugt. Was er damit sagen wollte. „Fehler beim Anbau von Pflanzen lassen sich künftig durch erhöhte Stickstoffdüngung nicht mehr ausgleichen.“

Dies sah auch Michael Hohensteiger vom Maschinenring Bad Aibling so. Der Referent wartete mit einem ganzen Strauß an Lösungsmöglichkeiten auf, mit denen sich, wie er sagt, mit der neuen Düngeregelung leben lässt. So riet Hohensteiger den Landwirten unter anderem zu einer genauen Überprüfung ihrer Nährstoffbilanz und auch zu phosphorreduzierter Fütterung.

Der von MR-Geschäftsführer Reinhold Bäßler moderierten Veranstaltung schlossen sich rege Diskussionen an, bei denen Landwirte aus dem gesamten Unterallgäu ihrem Ärger über die neue Düngeverordnung Luft machten.

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