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MZ-Feriengeschichten

01.09.2020

Die schönste Erinnerung an die Ferien: Erbseneintopf

So ähnlich könnte das damals bei unserem Kollegen Axel Schmidt ausgesehen haben. Allerdings scheint der Erbseneintopf bei ihm größere Begeisterung ausgelöst zu haben, als bei dem Jungen auf diesem Bild.

Plus Es gibt für einen Zehnjährigen nichts Größeres als einen Flugtag bei der Bundeswehr? Doch: den Erbseneintopf! Unser Redakteur berichtet über seine "Ferien daheim".

In meiner Kindheit war die Bundeswehr noch deutlich präsenter als heute. In Memmingerberg landeten noch Kampfjets, auf der Schwabenwiese in Mindelheim präsentierte das Heer stolz seine Panzer und unsere Grundschule in Tussenhausen war sogar einmal Übernachtungslager für Soldaten im Rahmen eines Nato-Manövers. Wir Kinder waren fasziniert von den schweren Geräten, den Tarn-Uniformen und Waffen. So gab es für mich als Zehnjährigen kaum etwas Aufregenderes als den Besuch beim „Tag der offenen Tür“ einer Bundeswehr-Kaserne. Nicht irgendeiner Kaserne, sondern des Luftwaffenstützpunktes in Penzing. Mit dem Opa.

Opa nahm unseren Autor im Sommer mit nach Penzing

Mein Opa war ein geborener Mechaniker, konnte alles selbst reparieren und pflegte seinen Ford Capri jahrzehntelang bis zu seinem Tod, als ob die Formulierung „scheckheftgepflegt“ eigens dafür erfunden worden wäre. Mein Opa also war ein Technik-Fan. Als solcher nahm er mich also eines Sommers mit nach Penzing. Es könnte 1988 gewesen sein, möglicherweise auch in den Pfingstferien, genau weiß ich es nicht mehr.

Was ich jedoch weiß: Wir waren nicht die einzigen Besucher. Der Ford Capri stand auf dem Parkplatz unter zigtausenden Autos, die im Lauf des Tages wohl Zehntausende Menschen an den Stützpunkt brachten. Und für die war einiges geboten: Eine Flugschau, bei der die Luftwaffe zeigte, was sie hatte – damals durfte man das noch. Rammstein lag noch in der Zukunft. Auch auf dem Boden waren zahlreiche Flugzeuge ausgestellt, ein amerikanisches Modell nannte mein Opa „Warzenschwein“. Dazu noch der legendäre Starfighter und natürlich die bauchige Transall.

Für Opa und Enkel gab es Erbseneintopf - allerdings ohne Löffel

Irgendwann wurde man allerdings auch hungrig und konnte sich in einem der Hangars von der Verpflegungsmaschinerie (Stichwort: Gulaschkanone) der Bundeswehr überzeugen lassen. Wir standen also an und bekamen jeder eine gut gefüllte Schale mit Erbseneintopf. Nachdem wir einen Platz an einem Biertisch ergattern konnten, stellten wir fest, dass wir die Löffel vergessen hatten.

So stellte ich mich also noch einmal brav in die Schlange der Hungrigen – und bekam von dem beeindruckend uniformierten Soldaten an der Ausgabe prompt noch eine Schale Erbseneintopf. „Ich möchte aber nur einen Löffel für mich und meinen Opa“, habe ich noch schüchtern versucht zu sagen. Der Soldat hat offenbar nur „und meinen Opa“ verstanden – und mir sogleich eine zweite Schale in die Hand gedrückt. Samt Löffel. Soll ja keiner sagen, dass man bei der Bundeswehr hungern müsste.

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