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Brauchtum im Unterallgäu

29.12.2017

Die selbstlosen Helfer auf dem Dorf

Ursula und Max Henle (rechts) mit MZ-Redaktionsleiter Johann Stoll und den Heiligen Drei Königen.
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Ursula und Max Henle (rechts) mit MZ-Redaktionsleiter Johann Stoll und den Heiligen Drei Königen.
Bild: Ulla Gutmann

Eigentlich ging es in Dirlewang ums Christbaumloben. Daraus wurde eine Entdeckungsreise in die Heimat.

 Es hätte böse enden können. Holunderlikör, Aquavit, Williamsschnaps, Weihnachtslikör, Pflaumenschnaps und als Dreingabe bei Josef Kößler einen sensationell milden Marillenschnaps aus Vorarlberg. Allein die Prozentangaben auf den Flaschen von 16 bis 41 wären geeignet, einem schon vor dem ersten Schlückchen den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Dabei war noch kein einziger Christbaum in Dirlewang gelobt.

Das mit dem Alkohol haben wir dann aber ganz schnell bleiben lassen. Man kann einen wunderschönen, ach was, den allerschönsten Christbaum auf Erden, auch bei einer Tasse Kaffee loben, wobei die Weihnachtsplätzchen und die schmackhafte Torte bei Christa Walter die üblichen Probleme von Festtagen verschärfen. Aber man kann eben nicht alles haben: Nüchtern bleiben, nicht zunehmen und dann noch schwäbisches Brauchtum pflegen wollen.

Ein großer Freund von Krippen

Die selbstlosen Helfer auf dem Dorf

Im Haus von Ursula und Max Henle ist der Christbaum nicht einmal die Hauptsache, so schön ihn die Hausherrin auch in stimmigem Rot geschmückt hat. Dabei macht ihn das Jesuskindlein direkt daneben zu einem ganz besonderen Exemplar. Max Henle, der bis zu seinem Ruhestand als Lehrer in der Mindelheimer Förderschule gearbeitet hat, ist ein großer Freund von Krippen. Am liebsten sind ihm jene aus der Barockzeit in ihrer ganzen Pracht. Besonders ans Herz gewachsen sind ihm aber auch Miniaturkrippen, die er auf Augenhöhe an der Wand befestigt hat. Sie stammen aus Oberammergau. „Im Alpen- und Voralpenland war Kultur lange Zeit religiöse Volkskunst“, weiß Henle. Diese Kunst interessiert ihn, die pflegt er.

Dazu zählen auch die Votivgaben, die eine Wand im Esszimmer schmücken. Für jedes Leiden wurde eine kleine Tafel angefertigt. Da ist dann mal ein Fuß, ein Arm oder ein Herz abgebildet, je nachdem, wo es gezwickt hat. In einem Wallfahrtsort wie in Altötting wurde über die Täfelchen höherer Beistand erfleht.

Beide sind vielfältig engagiert

Ursula und Max Henle sind gläubige Menschen, die sich für ihre Kirche und die Menschen persönlich einsetzen. Er ist Kirchenpfleger, seit 28 Jahren Gemeinderat und Dritter Bürgermeister. Seine Frau engagiert sich als Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Dekanatsratsvorsitzende, und das schon seit Jahrzehnten. Adventsnachmittage, Seniorentreffs oder Maiandachten organisiert sie, wie sie überhaupt versucht, Menschen zusammenzubringen. Das war ihr auch im Berufsleben in einem Wörishofer Sanatorium immer gut gelungen. Im Februar 2018 allerdings will Ursula Henle ihre Ämter abgeben. Noch werden auch in Dirlewang Kandidaten gesucht, die bereit sind, im Pfarrgemeinderat mitzuarbeiten.

Max Henle ist im Heimatverein stark engagiert. Bis in den Herbst 2018 hinein wartet noch viel Arbeit auf ihn und seine Mitstreiter. Das Museum wird umgebaut. Es ist ein Kreis von handwerklich geschickten Dirlewangern, die den Umbau für Gotteslohn stemmen.

Die Not nicht vergessen

Auch Josef Kößler gehört zu diesem Kreis der Fleißigen, die das Dorfleben in Gang halten. Kößler hat bis zu seinem Ruhestand in einem Verpackungsbetrieb gearbeitet. Seine Frau Veronika war Zahnarzthelferin. Josef Kößler spielt in der Musikkapelle Trompete. Der Christmette hat er mit einer Bläsergruppe besonderen Glanz verliehen.

Für ihn ist das alles selbstverständlich, auch, dass er Schwächeren hilft. Seit ein paar Jahren zieht er mit seiner Fotokamera los und stellt die Bilder aus der Heimat zu Kalendern zusammen. Das eingenommene Geld spendet er. Diesmal geht es an die Mission nach Indien von Pater Eli, der in Dirlewang Ortspfarrer ist. Die andere Hälfte bekommt das Leserhilfswerk unserer Zeitung, die Kartei der Not, weil „wir wollen, dass auch die Not in unserer Region nicht vergessen wird“, sagt Veronika Kößler.

Die Familie gehört dazu

Auch bei Christa und Alfred Walter schlägt das Herz für ihre schwäbische Heimat. 40 Jahre lang war Alfred Vorsitzender des Heimatvereins. Nebenbei kümmert sich der frühere Konrektor der Dirlewanger Schule um die Maristenkrippe in Mindelheim. Sein früherer Lehrer Egon Stähler hat bei ihm die Begeisterung für Krippen geweckt. Auch bei Walters finden sich Figuren aus dem Ammertal.

An Weihnachten herrscht ein reges Kommen und Gehen. Henles haben fünf Enkelkinder, und die haben alle bei Oma und Opa mit ihren Eltern vorbeigeschaut. Sie wohnen alle nicht weit weg. Bei Kößlers sind es vier Enkel. Und auch bei Familie Walter geht die Familie über alles. An Heiligabend waren sie bei ihrer Tochter und ihrer Familie in Mindelheim. Nur eines spüren sie an Weihnachten ganz besonders. Ihre Tochter lebt mit Familie in Norwegen. Die Enkelkinder sehen sie deshalb nur zwei-, dreimal im Jahr. Christa und Alfred Walter macht das ein bisschen traurig.

Christbaumloben In Teilen Süddeutschlands besuchen sich bis Heilig Drei König Freunde und Nachbarn, um deren Christbaum zu loben. Darauf wird angestoßen. Die MZ hat eine kleine Runde in Dirlewang gedreht.

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