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Soziales in Mindelheim

08.12.2015

Die unverzichtbaren Helfer

Peter Horn füllt die Regale im Tafelladen auf. Doch es wird immer schwieriger, allen Wünschen nach Hilfe auch nachzukommen. Derzeit kann die Mindelheimer Tafel keine neuen Kunden aufnehmen.
Bild: Stoll

121 Erwachsene und 48 Kinder sind auf die Mindelheimer Tafel angewiesen. Warum mehr derzeit auch nicht möglich sind.

Jeden Donnerstag dasselbe Bild: Im Schnitt 70 bis 80 Erwachsene und 20 bis 30 Kinder schauen von 14 Uhr an in der Bürgermeister-Krach-Straße in einem Seitentrakt des Seniorenheims St. Georg vorbei. Dabei haben sie leere Taschen. Der kleine Verkaufsraum der Mindelheimer Tafel hat geöffnet und gibt Lebensmittel an Bedürftige ab.

1,50 Euro zahlt jeder pauschal, der sich hier mit Essen für die nächsten Tage eindeckt, sagt Peter Horn, der sich seit mehr als zehn Jahren um die Tafel kümmert. In den Genuss kommt nur, wer einen Grundsicherungsbescheid vorlegen kann, also auf Hartz-IV-Niveau leben muss. 121 Erwachsene und 48 Kinder besitzen derzeit einen solchen Berechtigungsausweis.

Manche Frauen haben weniger als 500 Euro im Monat

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Ein Drittel von ihnen sind Rentner, und da wieder vor allem Frauen. Nicht wenige, sagt Horn, haben nicht mehr als 450 bis 500 Euro im Monat zur Verfügung. Da ist die Tafel eine ganz wichtige Anlaufstelle, um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen.

Deutschland ist ein Land großer Widersprüche. Während der Großteil im Überfluss lebt und sich keinerlei Gedanken darüber machen muss, ob der Kühlschrank gefüllt ist, haben andere oft kaum das Nötigste zum Leben. Ein Fünftel aller Lebensmittel landet erst gar nicht auf dem Teller, sondern in der Mülltonne. Diese Widersprüche waren es, die vor gut 20 Jahren zur ersten Tafel in Deutschland geführt haben. Der Verschwendung von Lebensmitteln sollte Einhalt geboten und zugleich Bedürftigen geholfen werden. In Mindelheim fiel die Idee aus Berlin vor gut zehn Jahren auf ähnlich fruchtbaren Boden.

Im Landkreis war es der Caritasverband Memmingen-Unterallgäu, der sich Ende 2004 entschloss, eine Tafel in Mindelheim einzurichten. Eine weitere Tafel gibt es in Bad Wörishofen. Die Vorarbeiten hatte Ursula Dollinger übernommen. Heute sind es in Mindelheim insgesamt 56 Helferinnen und Helfer im Einsatz. 30 von ihnen übrigens tun das von der ersten Stunde an und viele sind rüstige Rentner, die etwas Sinnvolles tun wollen.

Dieser Tage wurden die Helfer mit der silbernen Ehrennadel des Caritas-Verbandes ausgezeichnet. Der Feier wohnten Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer und Bürgermeister Stephan Winter bei. Die Helfer sammeln die gespendet Waren im Transporter ein, andere sortieren und wieder andere geben die Lebensmittel aus. Zusätzlich kümmern sie sich um den Caritaskleiderladen „Klamotte“, den es auch schon seit mehr als zehn Jahren gibt. Dort darf übrigens jeder einkaufen und kann günstig gebrauchte Bekleidung erwerben.

Zunehmend tut sich die Tafel aber schwer, genügend Lebensmittel zu erhalten, obwohl der Bedarf eher noch gestiegen ist. So mancher Supermarkt oder Discounter gibt Lebensmittel zum halben Preis ab, wenn sich das Mindesthaltbarkeitsdatum nähert. Für vier Wochen hilft zurzeit eine Aktion im V-Markt und im Feneberg in Mindelheim. Kunden werden gebeten, eine Packung mehr zu kaufen und diese dann der Tafel zu spenden.

Wer alles spendet

Weniger Probleme gibt es bei Obst und Joghurt. Diese leicht verderblichen Waren erhält die Tafel in ausreichender Menge. Die Molkerei Ehrmann in Oberschönegg sowie die Karwendelwerke in Buchloe zeigen sich hier besonders großzügig, sagt Horn. Aber auch das Dominikus-Ringeisenwerk in Ursberg sowie die Biohöfe Egger in Salgen und Scharnagel in Siebnach greifen der Tafel mit regelmäßigen Lebensmittelspenden unter die Arme.

Horn erwähnt auch die Familie Benedicter aus Mindelheim, die immer wieder haltbare Lebensmittel spendet, und die Familie Häfele aus Westernach. Letztere bringt immer wieder mal frischen Joghurt und frische Milch vorbei. Auch heimische Metzgereien wie Natterer und Pointner unterstützen die Tafel mit Spenden. Einmal im Jahr beschenkt das Rewe-Zentrallager in Eitting die Mindelheimer Tafel mit einer Lebensmittellieferung. Die Spedition Fink hat den Transport kostenlos übernommen. Über weitere Spenden freuen sich die freiwilligen Helfer immer.

Trotz all dieser Unterstützer ist es der Mindelheimer Tafel derzeit nicht möglich, noch mehr als die bisher versorgten Menschen zu bedienen. „Wir können keine Kunden mehr aufnehmen“, bedauert Peter Horn. Das richtet sich insbesondere an die Adresse der Flüchtlinge. Im Interesse des sozialen Friedens dürften nicht die bisher schon auf die Tafel angewiesen Menschen leiden.

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