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Mindelheim

11.01.2019

Die verwunschenen Orte des Sven Fennema

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4 Bilder
Auf seinen Reisen – vor allem durch Italien – sucht und findet Sven Fennema Orte wie diese verfallene Villa. Mit der Kamera dokumentiert er ihre morbide Schönheit.
Bild: Sven Fennema

Im Mindelheimer Salon sind Fotos zu sehen, die Vergehen und Verfall von ihrer schönsten Seite zeigen.

Mit einem Paukenschlag, möchte man sagen, beginnt das neue Jahr im Kunstverein Mindelheim, denn der Vorsitzenden Christel Klemenjak ist es gelungen, den international renommierten Fotografen Sven Fennema für einen Monat nach Mindelheim zu holen. Fennema fotografiert seit zehn Jahren. Nachdem er sich mit seinem ersten Bildband „Tales of Yesterday“ (2014) im Selbstverlag einen Wunsch erfüllt hat, nahm seine Karriere Fahrt auf. Es entdeckte ihn nicht nur der Verlag Frederking & Thaler für weitere großformatige Bildbände („Nostalgia“ 2015, „Neuland“, 2017 und „Melancholia“, 2018), sondern auch die Galerie Lumas, die auf Fotokunst spezialisiert ist.

Seinen IT-Beruf reduzierte Fennema allmählich, inzwischen ist er nur als Fotograf unterwegs, seine Kunstwerke haben sich durchgesetzt auf dem dichten Kunstmarkt. Worin also besteht das Geheimnis des 37-Jährigen?

Licht als zentrales Thema

Wenn man den Salon betritt und einmal in die Runde blickt, dann glaubt man sich für einen Augenblick in eine Fantasiewelt getaucht, beinahe zu märchenhaft die Farben und Raumansichten, die von Efeu umschlungenen Ruinen einer Kirche oder filigran zerbröckelnde Steinfiguren. Dann tritt man näher und erkennt bröckelnden Putz an Mauern, zerrissene Vorhänge, abblätternde Farbe, dennoch wohnt allen Räumen eine ungeheure Leuchtkraft inne. „Das Licht ist ein zentrales Thema“, erklärt Fennema, der sich gleich bei seiner ersten Italienreise in das Land verliebt hat, auch, weil dort das Licht eben ein ganz besonderes sei. Da seine andere große Liebe der Architektur gehört, der Symmetrie, dem Strukturierten, den Linien und Formen, widmet er sich in seiner Arbeit bevorzugt Häusern. Aber nicht irgendwelchen, sondern jenen, die verlassen wurden, die, teilweise vergessen, mit der Natur verwachsen, die verfallen oder – ein geradezu magisches Element in seinen Arbeiten – im Verfall begriffen sind. So märchenhaft die Bilder auf den ersten Blick also scheinen, so drastisch fangen sie gleichzeitig diesen Prozess des Vergehens ein.

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Der Titel „Melancholia“ ist in Mindelheimer Programm

„Melancholia – Zauber vergessener Welten“ heißt sein aktuelles Buch und auch seine Ausstellung. Es sind Welten im Spannungsfeld aus strahlendem Licht und vergehender Schönheit. Fennema konstruiert nicht, er bastelt keine Szenen, arbeitet nicht mit künstlichem Licht, sondern dokumentiert, was er vorfindet. Er ist Entdecker und geduldiger Beobachter, wartend auf das perfekte Licht. Oft muss er einen Ort mehrmals aufsuchen, weil dieser Augenblick sich nicht eingestellt hat. Nie überschreitet Fennema dabei als Fotograf die Grenze der verwunschenen Einsamkeit, lediglich kurz berührt er seine Raumobjekte und das mit großem Respekt, alles Geheimnisvolle bleibt bestehen, als leuchte es nur für ihn und seine Kamera einmal auf.

Damit sind seine Bilder intime Einblicke in Orte, aus denen noch das Leben haucht, aber nicht mehr zugegen ist. Jedes Foto markiert diese Grenze, streckt lebendig-lustvoll eine Hand dem Betrachter entgegen und sagt doch gleichzeitig: Ich bin nicht mehr – und zieht uns alle in dieses melancholisch-bitter-schöne Dazwischen.

Bilder und Musik im Salon in Mindelheim

Die Ausstellung ist bis 30. Januar immer dienstags und mittwochs von 17 bis 19 Uhr und zusätzlich sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Am 13. und 20. Januar finden außerdem Konzerte mit Janine Unglert und Lena Lobenhofer (Harfe und Querflöte) statt, am 30. Januar wird Sven Fennema ebenfalls noch einmal zugegen sein.

Hier geht es zum Bericht über die erste Ausstellung von Sven Fennema in Mindelheim: Aus der Zeit gefallen: Fotos wie Gemälde

Mehr über die Veranstaltungen des Kunstvereins finden Sie hier.

Zur Homepage des Künstlers geht es hier.

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