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Bad Wörishofen

25.01.2020

Die weite Welt ist nah

Stefan Welzel (links) mit Minister Gerd Müller in Bad Wörishofen.
Foto: Bader

Entwicklungshilfeminister Müller schlägt als Gast der CSU Bad Wörishofen den Bogen vom Globalen ins Lokale.

Fast ein Heimspiel hatte Entwicklungsminister Gerd Müller bei seinem Besuch in Bad Wörishofen, Müller ist ja Allgäuer. Durch ein Missverständnis kam der Minister allerdings erst eine Stunde später im Gasthof Adler an. Landratskandidat Rainer Schaal half zusammen mit Gebhart Dischler vom Weltladen mit, diese Wartezeit zu überbrücken. Der Verspätung fiel schließlich auch der vorgesehene Besuch Müllers im Weltladen Bad Wörishofen zum Opfer.

Der Minister machte gleich klar, dass er nicht nur wegen des Kommunalwahlkampfes gekommen war, sondern gab einen Überblick über sein Tätigkeitsfeld im Rahmen der künftigen Aufgaben bei der Zusammenarbeit mit Ländern der Dritten Welt in Zeiten der Globalisierung. Dass die Folgen daraus künftig auch die lokalen Ebenen, auch Bad Wörishofen, treffen werden, wurde bei seinen Aussagen mehr als deutlich. Themen wie die Grundrente, die es in Holland schon seit vielen Jahren gibt, oder die Probleme der alternden Bevölkerung beträfen auch die Kommunen. Wesentliche Themen waren jedoch die Entwicklungen in Afrika oder Indien mit den enormen Bevölkerungszuwächsen. Wenn diese Probleme nicht dort bewältigt würden, bekäme dies auch Europa zu spüren, wie es 2015 zu erleben gewesen sei. Gerd Müller zeigte sich aber auch optimistisch, dass diese Probleme gelöst werden könnten. „Schon mit 300 Milliarden in 30 Jahren könne man Afrika zu hungerfreiem Leben verhelfen, wenn man dies nur umsetzen wolle“, sagt Müller. Zum Vergleich setzte er die Rüstungsausgaben, die um ein Vielfaches höher seien. Auch dass Nigeria, wenn es so weiter wachse, zum Land mit den drittmeisten Bewohnern der Erde aufsteigen werde, fand Beachtung. Dass das Thema Umwelt- und Klimaschutz nicht erst mit Greta Thunberg begonnen habe, sondern bereits in den 90er-Jahren von Umweltminister Klaus Töpfer angestoßen worden sei, stellte der Redner heraus. Immerhin sei der Kohlenstoffdioxid-Ausstoß in Deutschland seit 1990 um 35 Prozent gesenkt worden, obwohl die Wirtschaft zwischenzeitlich um 50 Prozent gewachsen sei.

Über die Möglichkeiten von Sonne, Wasserstoff und Methanol

Doch dieses Thema müsse internationalisiert und auch in den Entwicklungsländern umgesetzt werden, wo derzeit noch eine Vielzahl von Kohlekraftwerken gebaut würden. Sonne, Wasserstoff und Methanol seien Zukunftsmodelle, mit denen man Afrika zu einem grünen Kontinent machen könne. Verbraucher und Industrie forderte er auf, der Ausbeutung der Entwicklungsländer im Textil- oder anderen Bereichen ein Ende zu bereiten. Dazu habe man bereits Vorschriften für die Lieferketten diverser Produkte wie Bananen oder Kaffee auf den Weg gebracht. Auch dies seien Themen, die in den kommunalen Bereich hineinreichten.

In der folgenden Diskussion mahnte Viktoria Lofner-Meir, die beruflich viel mit Entwicklungsländern zu tun hatte, an, dass Projekte wie etwa in Uganda besser mit den Regierungen vernetzt werden müssten, was Müller durchaus bestätigte. Harald Bos, ebenfalls bei den Rotariern engagiert, machte auf das immense Wirken Chinas in den Entwicklungsländern aufmerksam. Dies bestätigte der Referent und seine Antworten trugen nicht gerade zur Beruhigung bei. Nur, wenn Europa gemeinsam handle, könne dem entgegengewirkt werden. Auch Vertreter der Lionsbewegung berichteten von ihren Erfahrungen in den Entwicklungsländern.

Der CSU-Ortsvorsitzende Stefan Welzel betonte zum Schluss, dass die Vernetzung der Welt inzwischen eben auch bis hin in die kommunalen Ebenen hineinreiche und dass diese Herausforderungen angenommen werden müssten. Demokratie und nicht zuletzt auch die Lehre Kneipps könnten so als Exportschlager genutzt werden. (heb)

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