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Kirchenjubiläum

13.06.2017

Die zahlreichen Geschenke des Abtes Isingrim

Die Kirche St. Michael in Unterauerbach ist außen wie innen ein echtes Schmuckstück.
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Die Kirche St. Michael in Unterauerbach ist außen wie innen ein echtes Schmuckstück.
Bild: Manuela Frieß

St. Michael in Unterauerbach wird 850 Jahre alt. Zum Pfarrfest an diesem Wochenende gibt es ein buntes Programm und besondere Kirchenführungen

Von Weitem schon sieht man St. Michael am Ortsrand von Unterauerbach thronen. Hell erhebt sich der Bau über dem Tal des Auerbachs, der dem Ort seinen Namen gibt. Die erste Erwähnung der Kirche und auch der Ortschaft – die zu diesem Zeitpunkt noch „Niderurbach“ genannt wurde – erfolgte 1167. „Der Ottobeurer Abt Isingrim schenkte der Pfarrkirche in diesem Jahr Reliquien, was auf einer Urkunde des Klosters vermerkt wurde“, erzählt Kulturamtsleiter Christian Schedler.

Auch viele andere Kirchen im Unterallgäu bekamen in diesem Jahr Überbleibsel von Märtyrern – über 70 Ortschaften werden beschenkt. Doch ob die Reliquien tatsächlich aus Palästina stammen, wie es im Unterauerbacher Kirchenführer steht, ist fraglich. Im Landkreis-Buch von 1968 heißt es, die Geschenke – unter anderem auch an St. Johannes in Unterkammlach oder St. Stephan in Pfaffenhausen – kommen nicht von einer Wallfahrt ins Heilige Land, sondern von einer Fahrt in die Kölner Lande. Auch Pater Rupert vom Kloster Ottobeu ren stimmt dem zu. „Köln war zu diesem Zeitpunkt quasi das deutsche Rom“, erklärt Christian Schedler, und wegen der Legende um die Heilige Ursula ein sehr ergiebiger Fundort zahlreicher heiliger Gebeine. „Denn als Ursula von den Hunnen bei Köln getötet wurde, war angeblich nicht nur der damalige Papst Cyriacus bei ihr, sondern auch 11000 Jungfrauen“, führt Schedler weiter aus. Genug also für zahlreiche Gebeine oder andere Überreste von später heiliggesprochenen Menschen. Was es jedoch genau ist, was Isingrim 1167 an die Pfarrei verschenkte, ist wohl nicht mehr gänzlich zu klären, nur dass das Behältnis samt Reliquie bei der feierlichen Segnung des neuen Volksaltars im Jahr 2001 in die Mensa, sprich die Altarplatte, eingelassen wurde.

Die Sakramentsnische ist eine Seltenheit

Fest steht außerdem, dass es sich damals noch nicht um das gleiche Gotteshaus wie heute gehandelt hat. Im Kirchenführer von 2006 mutmaßt Michael Singer, dass die Kirche viel kleiner war und nur bis zur heutigen Kanzel reichte. Erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der bestehende Bau daraus. „Und eine Seltenheit von damals ist im Unterauerbach sogar noch erhalten geblieben: die Sakramentsnische.“ Beim Aufgang zur Kanzel ist diese unscheinbare Nische hinter Gittern zu sehen, die im Rückraum mit dem Antlitz Christi bemalt ist und in der früher die Hostien aufbewahrt wurden. „Ein Vorgänger des Tabernakels, der in den meisten Kirchen im Laufe der Zeit zugemauert wurde“, so Kulturamtsleiter Schedler. Oftmals wurde diese Nische einfach zugemauert, wenn die Kirchen umgebaut oder umgestaltet wurden – was bei St. Michael zum Beispiel um 1680 der Fall war. Von den Umgestaltungen zeugt auch noch die blau-grau marmorierte Kanzel, die sich vom Stil und der Farbe her deutlich von den Altären abhebt, die erst ungefähr 40 Jahre später in die Kirche kamen.

Ebenfalls eine Seltenheit sind die sechs Altarmodelle in St. Michael, die an der Wand unter der Empore aufgehängt sind und wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammen.

Wie der Künstler heißt, der sie angefertigt hat, oder warum sie gerade in der Kirche in St. Michael gelandet sind, das ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass sie höchstwahrscheinlich einem Altarbauer zur Veranschaulichung seiner Arbeit dienten, wie es damals zum Beispiel auch bei Möbelschreinern üblich war, Modelle von den späteren Stücken anzufertigen.

Gerne erzählt Christian Schedler Genaueres über die Kirche St. Michael bei den angebotenen Führungen am Sonntag.

Pfarrfest Aus Anlass des 850-jährigen Bestehens der Pfarrei hält der Abt der Benediktinerabtei Ottobeuren, Johannes Schaber, den Festgottesdienst am Sonntag, 18. Juni, um 10 Uhr, gemeinsam mit Pater Geesan Ponthempilly. Im Anschluss findet das Pfarrfest in Wirts Stadel statt. Für das leibliche Wohl wird bestens gesorgt sein und auch Aktionen für den Nachwuchs sind geplant. Christian Schedler führt nach dem Festgottesdienst und um 14 Uhr durch die Filialkirche St. Michael. Zur Einstimmung auf das Pfarrfest gibt es bereits am Samstagabend, 17. Juni, ab 19 Uhr einen Dämmerschoppen. Er findet ebenfalls in Wirts Stadel statt.

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