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Bronnen

14.10.2019

Diese Burschen sind alles andere als eine Feiertruppe

Die ehemalige Wirtschaft „Zum Löwen“ wird derzeit zu einer ambulanten Wohngemeinschaft für Demenzkranke umgebaut. Mitglieder der „Bude Bronnen!“ haben freiwillig 200 Arbeitsstunden geleistet. Von links: Anton Götzfried (Vorstandsmitglied des Vereins ambulante Wohngemeinschaft), Michael Leichtle, Jonas Mattes, Lukas Huber, Dominik Götzfried, Fabian Wörishofer, Max Zingerle und Roman Ohneberg (Vorsitzender des Vereins).

Burschen von der Bude Bronnen haben zwei Monate lang ihre Wochenenden für den guten Zweck geopfert. Sie taten das für alte Menschen im Dorf.

Wie das so ist mit Vorurteilen: Sie mögen ein Körnchen Wahrheit enthalten. Aber mit der Wirklichkeit haben sie oft wenig zu tun. Beispiel Bauwagen: Sie genießen landläufig nicht den allerbesten Ruf, weil diese Örtlichkeiten im Verdacht stehen, junge Leute zum Alkoholtrinken zu animieren.

So manche Party ist auch im Bauwagen Bronnen schon gestiegen. Aber es würde den jungen Burschen im Alter von 17 bis 23 Jahren nicht gerecht werden, sie nur als fröhliche Truppe zu beschreiben, die hier fern aller Kontrollen miteinander über die Stränge schlagen.

Als Roman Ohneberg in der Mindelheimer Zeitung davon erzählte, dass er mithilfe des neu gegründeten Vereins „Freunde neuer Wege zum Wohnen wie Zuhause“ aus der alten Gaststätte „Zum Löwen“ in Salgen eine Wohngruppe für Demenzkranke machen will, sammelten die Burschen spontan Geld. 500 Euro haben sie übergeben, um damit einen kleinen Beitrag zu leisten, das Vorhaben ins Laufen zu bekommen. Immerhin auf 1,5 Millionen Euro kommt der Umbau des leer stehenden Gebäudes. Inzwischen haben Roman Ohneberg und seine 17 Mitstreiter im Verein die Finanzierung stehen. Im Oktober oder November 2020 sollen die elf Zimmer bereits fertig und bezugsbereit sein.

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Aus der finanziellen Hilfe für eine handfeste

Die rund 20 Mitglieder der Bude Bronnen haben nicht nur finanziell geholfen. Die Hälfte von ihnen opferte über rund zwei Monate hinweg auch ihre Wochenenden und packte als Bauhelfer an. 200 Stunden haben sie Schutt aus dem Gebäude geschleppt. 150 Kubikmeter Boden waren da zusammengekommen und 50 Kubik Trennwände.

Der Vereinsvorsitzende Roman Ohneberg ist nicht nur sehr dankbar für die selbstlose Hilfe. Er ist auch mächtig stolz auf die jungen Leute, die so hilfsbereit sind. Max Zingerle findet daran nichts Außergewöhnliches. Er ist einer der jungen Helfer. Für ihn und seine Kameraden ist das selbstverständlich, etwas fürs Dorf zu tun. Sie sind auch alle in den Vereinen fest verankert. Ob Feuerwehr, Schützen oder im Sportverein – überall werden fleißige Helfer gebraucht. In Bronnen und Salgen gehört das noch zum guten Ton, für die Allgemeinheit mit anzupacken.

Ein Sozialprojekt, wie es in der Region noch selten anzutreffen ist

In diesem Fall ist es ein Sozialprojekt, wie es in der Region noch sehr selten anzutreffen ist. Demenz ist längst zu einer Volkskrankheit geworden. Auf dem Dorf galt eine Alzheimer- oder Demenzerkrankung lange Zeit als Makel. Zumindest der Umgang mit der Krankheit hat sich inzwischen geändert.

Heute ist allgemein verstanden, dass geistiger Verfall ein Massenphänomen ist. In jedem Dorf gibt es Betroffene. Wie aber hilft man diesen Menschen am besten? Roman Ohneberg hat in der eigenen Familie erlebt, was es bedeutet, einen Demenzkranken zu pflegen. Es war sein Schwiegervater, der zuhause versorgt wurde. Das war ein enormer Kraftakt. Vielen Familien geht das ebenso, sie brauchen möglichst wohnortnahe Hilfe.

Ohneberg hat sich beim Roten Kreuz in Mindelheim fachlichen Rat besorgt. Markus Riker, der bis zu seinem Ruhestand viele Jahre Sozialgerontologe war, war von der Idee einer solchen Wohngruppe für Demenzkranke sofort begeistert. Oder Raimund Steber, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aus Memmingen, der auch im Verein mitarbeitet. Das ganze Projekt ist gemeinnützig anerkannt. Es muss sich tragen, aber keinen Profit abwerfen.

Eine besondere Rolle kommt auch Ehrenamtlichen zu. Ab Januar 2020 soll es in Salgen eine Demenzbegleiterschulung geben, die über zehn Abende geht. Diese Ehrenamtlichen werden mit acht Euro pro Stunde vergütet.

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