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Sommer

09.08.2015

Diese Fische schwimmen mit Ihnen im Badesee

Diesen Hecht hat Georg Kostasch vom Fischereiverein Mindelheim in einem Badesee gefangen.
Bild: Georg Kostasch

In den heimischen Baggerseen leben Fische, die über einen Meter groß werden können. Was tummelt sich genau in unseren Gewässern?

Dieser rekordverdächtig heiße Sommer treibt die Menschen in Scharen in die heimischen Baggerseen. Das kühle Nass beschert willkommene Abkühlung. Wer aber tummelt sich außer den Menschen in diesen Gewässern? So mancher Badefreund dürfte überrascht sein von der Größe einzelner Mitschwimmer. Gefahren für den Menschen gehen von den Fischen aber nicht aus, auch wenn ein paar Räuber darunter sind.

Kaum einer dürfte sich besser auskennen, welche Fischarten in den stehenden Gewässern im Unterallgäu heimisch sind als Manfred Putz. Schon als junger Verwaltungsbeamter hatte er Anfang der 60er Jahre mit der Fischerei zu tun. Im Landratsamt war er für Bereiche Jagd, Forst und Fischerei zuständig. Seinen Beruf machte er auch zu seinem Hobby.

Seit 45 Jahren ist Putz ehrenamtlicher Geschäftsführer der Fischereigenossenschaft. Beim Fischereiverein Mindelheim gehört er zur Vorstandschaft. Zusätzlich ist Manfred Putz Rechtsberater der Genossenschaft und seit 2001 Kreisobmann beim Fischereiverband Schwaben.

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Diese Fische tummeln sich in Badeseen der Region

Putz ist sich sicher, dass so mancher Schwimmer voller Schrecken aus dem Wasser steigen würde, wüsste er, mit wem er das Element teilt. Im vergangenen Herbst hatte Georg Kostasch vom Fischereiverein Mindelheim einen kapitalen Hecht aus der kleinen Nordsee im Norden von Mindelheim gezogen. Der Baggersee gehört dem Fischereiverein. Bei Badenden ist das Gewässer besonders beliebt. Es war viel Anglerglück dabei, einen so erfahrenen Raubfisch zu fangen, der sich als Einzelgänger gut behauptet hat. Über einen Meter lang dürfte das Exemplar gewesen sein, schätzt Putz. Ein Fotodokument zeigt, wie groß das Maul des Fisches war.

Übersicht: Mit diesen Tieren teilen Sie sich den Badesee

Der Verein hat darüber hinaus die 3,2 Hektar große Südsee gepachtet. Fischrecht hat er an der Westernach bei Westernach und Köngetried, an der Mindel bei Heinzenhof und im Mindelheimer Stadtgebiet bis hinauf nach Gernstall. Baggerseen in Kirchheim, Mörgen sowie ein Weiher in Oberrieden gehören zum Fischereiverein.

Fische in Baggerseen sind für Menschen ungefährlich

Den Badenden droht von den Fischen keinerlei Gefahr, betont Putz. Er hält sogar die Geschichte von der zubeißenden Schnappschildkröte in einem See bei Irsee im Ostallgäu für Anglerlatein, das über Wochen die Medien beschäftigt hatte. Der Hecht jagt alles, was ihm fressbar erscheint. Da ist er wenig wählerisch. Frösche, Mäuse, Ratten oder auch Vogelarten stehen neben anderen Fischen auf dem Speiseplan. Menschen gehören definitiv nicht dazu.

Das gilt auch für einen noch größeren Bewohner in so manchem Baggersee im Unterallgäu. Der Wels oder Waller kann bis zu 1.50 Meter lang werden. Vereinzelt ist er bewusst eingesetzt worden, sagt Putz. Zum Beispiel an den Kaiserweihern bei Maörgen. Nicht selten aber gelangt der Wels auf natürlichem Weg in die Seen, obwohl diese keinen natürlichen Wasserzulauf haben. Das besorgen dann Flugkünstler wie der Eisvogel. Er verspeist gerne kleine Fische. Die lagert er zum Teil in seinem Schnabel zwischen. Vereinzelt fällt da dann einer im Nachbarsee wieder unbeschadet heraus - und schon ist der Waller im nächsten Baggersee zuhause.

Am liebsten hätten die Fischer, die sich vor allem als Naturschützer sehen, diesen Fisch wieder los. Dieser Nachträuber ist derart gefräßig unterwegs, dass er die übrigen Fischarten massiv dezimiert. Der Waller ist übrigens im Kommen. Der Klimawandel gefällt dem Fisch. Je wärmer, desto größer wird er. Im spanischen Fluss Ebro werden Waller schon zwei Meter lang.

Fischer setzen sich für Erhalt der Arten ein

In kleineren Weihern in der Region gibt es noch einen größeren Bewohner. Es ist der Graskarpfen, der ursprünglich aus Asien stammt. Bis zu einem Meter groß wird dieser Fisch. Alle anderen Fische in den heimischen Baggerseen und Bächen im Unterallgäu sind eher kleinere Speisefische. Putz nennt den friedliebenden Karpfen, die Schleie, den sehr exzellenten Zander, Äschen, die Regenbogenforelle, das Rotauge, Lauben oder in sehr kaltem Wasser auch den Saibling.

Gerade in den Fließgewässern halten sich manche Fischarten nur noch, weil Fischer hier mithelfen. Schwebstoffe, die über Äcker in die Bäche und Flüsse gelangen, setzen sich als Sedimente ab. Fast alle Fische brauchen zum Laichen aber Kiesboden.

Und so handeln die 201 Mitglieder des Fischereivereins Mindelheim selbst. Kleine Fische im Wert von 16.000 Euro setzen die Fischer Jahr für Jahr aus. Darunter sind 1370 Kilogramm Karpfen, 200 Kilo Rotaugen, 1100 Kilogramm Regenbogenforellen und 70 Stück Zander. Letztere sind besonders teuer.

Relativ neu ist auch Brutboxenprogramm. Da werden Fischeier in Kästen ausgebraucht, durch die das Flusswaser fließt. Mit dieser Aufzucht hoffen die Fischer, dass möglichst viele Fische angesiedelt werden können.

Nebenbei pflegen die Vereinsmitglieder noch die Uferbereiche, mähen die Gräser und schneiden die Hölzer. Und viel zu oft müssen sie noch den Müll von feierndem Partypublikum wegräumen. Und dann ist da noch der Einsatz für die Kinder. Beim Montagsfischen werden Zehnjährige jeweils zwei Stunden lang an die Natur herangeführt. Da lernen die Kinder ganz viel über die sensible und schützenswerten heimischen Gewässer.

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