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Ritterspiele

14.06.2017

Donnernde Hufe und klirrende Krüge

Die Landsknechte und Marketenderinnen des Fähnleins Schertlin haben sich in Türkheim bereits häuslich eingerichtet. Hauptmann Sebastian, alias Christian Mildner (rechts) und sein Adjudant Peter Reiner (links) inspizieren das Feldlager mit großer Küche.
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Die Landsknechte und Marketenderinnen des Fähnleins Schertlin haben sich in Türkheim bereits häuslich eingerichtet. Hauptmann Sebastian, alias Christian Mildner (rechts) und sein Adjudant Peter Reiner (links) inspizieren das Feldlager mit großer Küche.

Von Donnerstag bis Sonntag hält das Mittelalter im Türkheimer Schlossgarten Einzug

Die Sau ist schon geschlachtet, die das Fähnlein Schertlin aus Mindelheim beim Mittelaltermarkt über offenem Feuer am Spieß braten will. Ein Landsknecht, der seine Braut am kommenden Samstag zum Traualtar führen will, hat sie den 50 Recken und Marketenderinnen gespendet. Die sind gerade dabei im Schlosspark ihr Lager aufzuschlagen, um sich für vier Tage häuslich einzurichten.

„Wir wollen den Besuchern des historischen Marktes zeigen, wie man um anno 1515 in einem Feldlager mit großer Küche gelebt und gefeiert hat“, informiert Hauptmann Sebastian, alias Christian Mildner im Vorfeld des Ritter-Spektakels. Dabei setzt sich auch die Trommler-und Pfeifergruppe des Fähnleins mit Renaissance-Musik auf der Show-Bühne groß in Szene.

Immer wieder rühmt der Hauptmann die „märchenhafte Kulisse“ des Türkheimer Schlossparks, in dem wie er sagte „ die vielen tausend Besucher sich in einer anderen Welt wiederfinden, wo Musiker, Gaukler, Artisten, Edelleute, Händler und allerlei lustiges Volk das Rad der Geschichte zurückdrehen“. Auch von einigen Eskapaden seines „Mini-Heeres“ weiß der „Schertlin-Frontmann“ zu berichten.

„Es kam schon mal vor, so erzählt er, dass der eine oder andere Landsknecht mal einen über den Durst getrunken hat, am anderen Tag auf einem Strohballen erwachte und sich wunderte, warum ihm das Kreuz so weh tat“. Auch angebandelt wurde mitunter im Feldlager und es entstand so manche Beziehung, die bis heute gehalten hat.

Und scherzhaft fügt der Hauptmann hinzu: „Während die Störche auf dem Palast des Schlosses mit den Schnäbeln klappern, klappern wir mit den Bierkrügen.“ Und was Hauptmann Sebastian besonders freut: Dass sich viele Besucher für Waffen und Ausrüstung der Landsknechte interessieren und auch mal den Fehdehandschuh werfen wollen. Die meisten Leute seien erstaunt, so Christian Mildner, wie schwer so ein Brustpanzer ist. Von ihm erfahren Schaulustige auch, was es mit dem Begriff „Gassenhauer“ auf sich hat. „Mit einem Bi-Händer, einem Zweihandschwert, haben die Landsknechte früher Gassen in die gegnerischen Linien geschlagen“, weiß er. Wie Hauptmann Sebastian, hofft auch sein Adjutant Peter Reiner auf gutes Wetter bei dem Türkheimer Historienspektakel. „Wir sind auch schon im Regen versunken und mussten uns Heizöfen besorgen, weil wir vor Kälte zitterten“, erinnert er sich.

Mit einem „Zehn-Meter-Schießstand“ für Erwachsene und einer Schießburg für Kinder sind auch die Armbrust-Schützen des Fähnleins Rechberg seit vielen Jahren auf dem Mittelaltermarkt in der Wertachgemeinde vertreten. So macht sich Vorfreude auf Lagerleben, auf Krautnudeln und Landknechtsuppe auch bei Jürgen Greisel breit. „Wir haben viel Spaß am mittelalterlichen Treiben und nutzen die Zeit zwischen den Frundsbergfesten in Mindelheim, um landauf, landab bei historischen Veranstaltungen für unseren Schießsport zu werben“, begründet der Gildemeister die Teilnahme seiner Truppe. Auf dessen Eigenarten eingehend, macht er deutlich: „Mit einem Gewehr kann man auf jedem Jahrmarkt schießen, aber mit einer Armbrust auf Scheiben zu zielen, ist schon was Besonderes.“ Und worauf der „oberste Schütze“ noch aufmerksam macht: „Verkantungen beim Zielen, wie bei einem Gewehr möglich, verzeiht die Armbrust nicht.“

Erstmals kämpfen sie in diesem Jahr in einer Arena vor dem Ludwigstor auf prächtig herausgeputzten Turnierpferden im donnernden Galopp um Ruhm und Ehre. Im Schlosspark lassen sich derweil historisch gewandete Handwerker bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Schmiede schmieden in feuriger Glut Stahl für Schwerter und Marketenderinnen, wie auch fliegende Händler aus aller Welt preisen ihre Waren an. Edelleute sind unterwegs und Ritter üben sich im Waffengang, während majestätische Greifvögel der Schlossfalknerei über ihnen ihre Kreise ziehen. Sehen lassen sich auch Elfen, Feen, gute Hexen, Zauberer und bärtige Bösewichte. Das Programm ist ganz auf Familien zugeschnitten. Kinder können mit einem historischen Riesenrad fahren, tapfere Ritter mimen, einer Märchenerzählerin lauschen, sich im Axtwurf üben oder mit Pfeil und Bogen schießen. Besonders stimmungsvoll wird es, wenn nach Einbruch der Dämmerung Kerzen, Laternen und Öllampen die Stände der Händler in ein warmes Licht tauchen. Bis tief in die Nacht wird gefeiert, musiziert, gesungen, getafelt und getrunken.

Wer die Ritter auf ihrer Reise in die Vergangenheit begleiten will, hat dazu am Donnerstag, 15. Juni, von 10 bis 24 Uhr, am Freitag, 16. Juni, von 15 bis 24 Uhr, sowie am Samstag, 17. Juni, von 10 bis 24 Uhr und noch am Sonntag, 18. Juni, von 10 bis 20 Uhr Gelegenheit.

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