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01.10.2009

Dramatische Erinnerungen

Mindelheim (ah) - Das Programm "Erinnerung", gestaltet von Nadja Platen (Sopran) und Beate Kremer (Klavier) sollte eine Hommage an die musikalische Freundschaft zwischen Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 - 1847) und seinen gleichaltrigen Freund Robert Schumann (1810 - 1856) sein. Ein bewundernswert geschlossenes Programm mit 16 Mendelssohn- und 13 Schumann-Liedern wurde in sinnvollen Liedblöcken aufgeteilt.

Bereits der erste Auftritt der beiden Künstlerinnen strahlte Sicherheit aus und beeindruckte auch äußerlich: Nadja Platen, poetisch gesagt "von Gold umflossen" (blondes langes Haar, goldene Applikationen auf der Bluse, gold schimmernder Seidenrock), eine temperamentvolle Erscheinung, engagiert in kleineren und größeren Opern- und Operettenrollen, gefiel.

"Es brechen im schallenden Reigen die Frühlingsstimmen los…", Mendelssohns "Frühlingslied", die in allen Lagen sicher geführte kräftige Sopranstimme füllte im ersten Liedbeitrag mächtig den Silvestersaal. Ihre ganze Person "war" das Lied: Sie jubilierte ("Die Wonne ist gar zu groß"), seufzte ("Die Knospen schwellen und glühen"), schwelgte in Erinnerung ("Es rührt sie ein alter, ein süßer Traum").

Dagegen wirkte die dunkelhaarige Beate Kremer ruhig und bescheiden. Ihre Begleitung jedoch überzeugte. Sie spielte einfühlsam, musste sie sich aber der (teilweise) hohen Lautstärke der Sängerin anpassen. Ihre kammermusikalische Erfahrung und ihre Praxis als examinierte Liedbegleiterin halfen ihr dabei. Im Gegensatz zu Schumann ist der Begleitsatz bei Mendelssohn höchst anspruchsvoll, da sie einen eigenständigen Part bilden.

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Populärer wurden allerdings Schumanns Lieder, die wie seine pianistischen "Kinderstücke" noch heute zum musizierenden Allgemeingut gehören. Die Melodien sind einprägsam, der Begleitsatz zurückhaltend. Exemplarisch für das gute Zusammenspiel, das "Aufeinanderhören" der beiden Künstler mag "Der Nussbaum" sein.

Der balladenhafte Text von Julius Mosen wird erzählend in der Melodie aufgebaut, wobei die unruhige fiebrige Begleitung durch Beate Kremer genau mit der scheinbar freien Deklamation von Nadja Platen zusammentrifft. Der schnelle Text wird, wie auch in den anderen Liedern, trotz aller Dramatisierung außergewöhnlich deutlich artikuliert und ist immer verständlich. Ein langer, jedoch nicht langweiliger Konzertabend.

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