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Wiedergeltingen

31.07.2020

Droht ein Betretungsverbot in der Wiedergeltinger Kiesgrube?

Müllfrevel am Wiedergeltinger Idyll: Immer öfter lassen feierwütige Jugendliche ihren Unrat nach Gebrauch am Baggersee zurück. Auch mit illegalen Feuerstellen hat die Gemeinde auf diesem Areal zu kämpfen.
Bild: Sammlung Fischer

Plus Um der Vermüllungs- und Feierwut in der Wiedergeltinger Kiesgrube Herr zu werden, hat der Gemeinderat ein Maßnahmepaket verabschiedet. Ist es umgesetzt, liegt es am Verhalten aller, ob ein komplettes Zutrittsverbot abgewendet werden kann.

Noch in der letzten Sitzung vor der Sommerpause hatte das Wiedergeltinger Gremium eine Entscheidung bezüglich der Problemsituation rund um das Wiedergeltinger Kiesgrubengelände zu treffen. Wie bereits in der Mindelheimer Zeitung berichtet, nehmen dort auf dem Areal, das sich zu Teilen auch über Amberger Flur erstreckt, die Fälle von Vandalismus und Vermüllung durch Partywütige überhand.

Mit dem Beginn der Sommerferien wird die Kiesgrube in Wiedergeltingen noch beliebter

Der Zeitpunkt, um Maßnahmen gegen diese Zerstörungswut zu ergreifen, ist dabei wohl gut gewählt. Denn mit dem Beginn der Sommerferien dürfte sich dort, an der durchaus als Idyll zu bezeichnenden Kiesgrube, erneut die Jugend und junge Erwachsene treffen, um die freie Zeit miteinander zu verbringen. Aber leider auch, um illegal Feuer zu machen, Müll und Unrat zurückzulassen und bisweilen mutwillig Schilder abzureißen oder Bänke zu verschmieren.

Damit dürfte sich das Gremium wohl erneut in seinem Beschluss bestätigt fühlen, diesem zunehmenden Vorfällen etwas entgegenzusetzen. In einem Arbeitskreis dazu, der sich vor dieser Sitzung Mitte Juni dieses Jahres getroffen hatte - und zu dem unter anderem Thomas Meier als Leiter der PI Bad Wörishofen, Reiner Posmik vom Ordnungsamt, die beiden Bürgermeister aus Wiedergeltingen und Rammingen zusammengekommen waren - hatte man bereits etliche Maßnahmen ins Auge gefasst, über deren Umsetzung dann im Gremium diskutiert werden sollte.

Droht ein Betretungsverbot in der Wiedergeltinger Kiesgrube?

Dabei sollte sich zeigen, dass ein Vollzug des sogenannten Hausrechts - und damit die völlige Sperrung des Geländes für nicht zutrittsbefugte Personen - so ohne weiteres nicht durchzusetzen sei, wie Norbert Führer erläuterte. Denn, so der Bürgermeister, sei das Areal allein aus Sicht des Landratsamtes „zum Zwecke der Erholung in der freien Natur und zur Ausübung des Gemeingebrauchs“ für die Bevölkerung zugänglich zu halten.

Das regelt das sogenannte Bayerische Wassergesetz. Ein Badeverbot, ausgesprochen durch die Gemeinde Wiedergeltingen, müsste deshalb von Amts wegen erst einmal genehmigt werden. Dort hatte man sich über diese Überlegung auch nicht besonders erfreut gezeigt, berichtete Norbert Führer, wäre dies doch das erste verhängte Badeverbot durch eine Gemeinde innerhalb des Unterallgäus.

Was also nun tun mit dem Stückchen Naherholung zwischen Wiedergeltingen und Amberg? Eine Schließung des Geländes erwirken? Oder es doch zunächst mit gemäßigten Maßnahmen versuchen, um den Bürgern weiterhin das Baden und Verweilen dort zu ermöglichen, den Aufenthalt für Störenfriede und Vandalen jedoch so unattraktiv wie möglich zu machen?

Diskussionsbedarf gab es unter den Räten dazu reichlich, wie sich im Anschluss zeigen sollte. Sprachen sich die beiden FWW-Fraktionskollegen Ludwig Schweinberger („mir fällt zu den Zuständen nur Frechheit ein!“) und Maximilian Huber („wer sich nicht benimmt, muss eben büßen!“) für eine „harte Linie“ und damit für ein komplettes Betretungsverbot für Unbefugte aus, zeigten Jürgen Auerhammer ( CSU), Brigitte Roth (Bürgerverein) oder Bernd Stapfner (CSU) Sympathien für gezielte Maßnahmen, die den Aufenthalt dort für Feierwütige erschweren sollen.

Wie das aussehen könnte, brachte Gemeinderat Maximilian Kienle (Bürgerliste) ins Gespräch, der eine Aufböschung des Ufers mittels Kiesaufschüttungen vorschlug. Knapp 25 Grad Neigung sollen so verhindern, dass sich Feierlustige dort niederlassen und schlimmstenfalls Müll und Feuerstellen zurücklassen können. Ins Gespräch kam zudem ein Alkohol- und Feierverbot vor Ort, zumindest im Rahmen einer festgesetzten Zeitspanne.

Dass man mit dieser Aufböschung allerdings auch brave Bürger vergraulen würde, gab Jürgen Auerhammer zu bedenken. Zudem könnte es zu gefährlichen Situationen kommen, wenn sich dadurch vertriebene Jugendliche auf die umliegenden großen Kieswälle zurückzögen. Bernd Stapfner verwies auf die Nachbargemeinde Buchloe, die ebenfalls durch ein unattraktiv gestaltetes Ufer gute Erfahrungen gemacht habe. Ein Alkoholverbot sehe er allerdings kritisch, denn „wie soll das umgesetzt werden?“.

Einen pragmatischen Vorschlag hatte Ludwig Schweinberger im Gepäck, der nach wie vor keinen Hehl daraus machte, dass er keine Sympathien für den „Feierpöbel“ hegt und deshalb einem Betretungsverbot offen gegenübersteht. „Der Fischerverein hat ja Zutritt“, sagte er. „Wer baden will, soll dort eben Mitglied werden!“

Appell an die Vernunft der Besucher der Kiesgrube in Wiedergeltingen

Dass man die Jugendlichen selbst ins Boot holen könnte, regte Alois Karl (CSU) an. Schließlich bedeute eine Schließung des Geländes vor allem fehlender Freizeitraum für sie, folgerte er. Eine Art Selbstkontrolle, die es ermögliche, dass sich die jungen Leute gegenseitig auf Fehlverhalten hinweisen, könnte eine Arealsperrung unnötig machen.

Letztlich einigte sich das Gremium darauf, zunächst durch abgemilderte Sanktionen auf die Vernunft der Kiesgruben-Besucher zu bauen. Mit 7:5 Stimmen wurde festgesetzt, mittels Kieswällen die Uferböschung zu nivellieren; ebenfalls festgesetzt wurde ein Alkoholverbot vor Ort. Feiern soll erlaubt bleiben, jedoch „in gesitteter Form“ und unter Reinhaltung der Umgebung. Der schärfsten Sanktion, nämlich komplettes Betretungs- und Badeverbot, erteilte das Gremium eine Absage. Dafür stimmten nur 5 von 7 Ratsmitgliedern.

Ein klares Zeichen sei nun vonseiten des Gremiums gesetzt worden, dem Vandalismus und der Vermüllung durch Dritte massiv etwas entgegenzusetzen, zeigten sich die Räte im Anschluss überzeugt. Dennoch bleibe das Areal und damit das Verhalten der Gäste dort unter Beobachtung. Bei Verstößen gegen diverse Auflagen könnte immer noch die Polizei, das Ordnungsamt und das Landratsamt ins Boot geholt werden, hieß es. Und das könnte am Ende dann doch ein Betretungsverbot nach sich ziehen.

Lesen Sie dau auch: Vandalismus und Müllfrevel statt Idylle

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