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Unterallgäu

18.11.2019

Droht in Unterallgäuer Bäckereien eine Müllflut?

Für jedes verkaufte Brot müssen die Bäcker ab dem kommenden Jahr einen Bon ausstellen. Befürchtet wird eine Flut von unnötigen Zetteln, die auch die Umwelt belastet.
Foto: Weizenegger

Plus Bald müssen Bäcker für jeden Einkauf einen Beleg ausstellen - eine Maßnahme, die im Unterallgäu für geteilte Meinungen sorgt. Steigen nun die Preise?

Zwei, drei, vielleicht zehnmal am Tag fällt sie, die Frage nach dem Kassenzettel in einer durchschnittlichen Bäckerei im Unterallgäu. Häufiger nicht. Den Preis im meist niedrigen einstelligen Bereich wollen die wenigsten dokumentiert sehen, und auch werden Brezen oder Quarktaschen eher selten zurückgegeben. Trotzdem hat sich die Frage nach dem Beleg ab dem kommenden Jahr erledigt. Ab dann nämlich bekommt ihn jeder – ob er will oder nicht.

„Belegausgabepflicht“ heißt die Regelung, die nach Wunsch des Bundesfinanzministeriums Tricksereien verhindern soll. Die Steuerbehörden gehen davon aus, dass in Handel und Gastronomie jährlich Milliarden am Fiskus vorbeifließen, weil Umsätze nicht richtig angegeben werden. Die Reform der sogenannten Kassensicherungsverordnung, die bereits seit 2017 vorbereitet wurde, sagt den schwarzen Schafen nun den Kampf an – und sorgt damit für Aufregung in der Branche.

In Unterallgäuer Bäckereien gibt es bald für jeden Einkauf einen Beleg

„Einerseits sollen wir klimafreundlich arbeiten. Andererseits bekommen wir jetzt eine Papierflut der Superlative aufgebürdet“, sagt Anita Ried. Sie ist Prokuristin bei der Bäckerei Ried, die in der Region 15 Filialen betreibt. Sie geht davon aus, dass gerade einmal drei Prozent ihrer Kunden nach dem Einkauf einen Beleg wollen – „und die bekommen ihn natürlich auch. Aber der Rest wirft ihn in den nächsten Mülleimer oder lässt ihn gleich auf der Theke liegen. Das Ganze ist wahnsinnig unnötig.“

Auch die möglichen Kosten sieht Ried mit Sorge. Sie geht davon aus, dass sie künftig an jedem Standort pro Tag eine Thermorolle mehr braucht. Ried kalkuliert pro Rolle mit einem Preis von einem Euro – bei 15 Filialen wären das knapp 5500 Euro Mehrkosten im Jahr. „Und davon wandern 97 Prozent eins zu eins in den Mülleimer“, klagt sie. Den Bäckern und ihren Mitarbeitern werde mit der Maßnahme unterstellt, dass sie das Weglassen der Bons für Diebstahl nutzten. „Und das finde ich nicht in Ordnung.“

Belegpflicht in Bäckereien: Wird die Umwelt unnötig belastet?

Günther Landerer, Obermeister der Bäcker-Innung Memmingen-Mindelheim, sieht die Umstellung wesentlich gelassener. „Um Schwarzeinnahmen zu vermeiden, kann das schon sinnvoll sein.“ Landerer, der eine kleine Bäckerei in Legau betreibt, betont, die schwarzen Schafe in der Branche seien „natürlich Einzelfälle. Aber dann trifft die Bürokratie eben alle. Klar ist das lästig, aber dramatisch auch nicht.“ Trotzdem könne er die Verärgerung gerade in größeren Bäckereien verstehen.

Auch bei der Bäckerei Holzheu aus Dirlewang, die ein zusätzliches Geschäft in Pfaffenhausen betreibt, ist man zwiegespalten. Inhaber Niko Holzheu kritisiert, dass durch das zusätzliche Papier die Umwelt unnötig belastet werde. Auch die Wirksamkeit der Maßnahme stellt er infrage: „Ich glaube nicht, dass das etwas bringt. Wer betrügen will, müsste das ohnehin anders machen.“ Schon jetzt würden in den meisten Kassen sämtliche Daten zu Ein- und Ausgängen auf Chips gespeichert, die das Finanzamt einsehen könne. Trotzdem sieht er keine größeren Probleme auf seinen Betrieb zukommen: „Die Umstellung ist ja schon seit 2017 bekannt. Wir sind darauf vorbereitet.“

Steigen wegen der Belegausgabepflicht in Bäckereien die Preise?

Zurück in die Zukunft heißt es dagegen für die Bäckerei Schmid aus Stetten. Sie betreibt Filialen in Zaisertshofen und Pfaffenhausen und gab bis vor sechs Jahren noch jedem Kunden einen Beleg zum Gebäck. Dann stellte die Bäckerei aber auf das heute übliche System um, nur auf Nachfrage Kassenzettel auszustellen. „Wir haben gemerkt, dass ihn einfach keiner will“, sagt Junior-Chef Christian Schmid. „Die meisten ließen ihn einfach auf der Theke liegen und wir hatten dann den Müll.“ Nach der damaligen Umstellung habe sich „kein Einziger“ beschwert.

Dass Belege in naher Zukunft digital ausgestellt werden, um den Papiermüll zu vermeiden, glaubt Schmid aus technischen Gründen nicht. So sei die Umstellung für ihn und die meisten seiner Kollegen durchaus ärgerlich. „Aber es gibt Themen, über die man sich mehr aufregen kann.“ Ob sich die Veränderung auf die Preise mancher Bäckerei auswirke? „Wer das behauptet, der sucht nach einem Grund, die Preise zu erhöhen“, so Schmid.

Mehr zur Belegausgabepflicht in Bäckereien lesen Sie hier:

Für jede Breze einen Bon: Bäcker warnen vor Kassenzettel-Chaos

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