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Unterallgäu

28.01.2019

„Dumpfbacken gibt es immer“

Der Fliesenleger Michael Schmiedl hat mit seiner Weigerung, für Ingenieure von Audi und Siemens zu arbeiten, bundesweit Schlagzeilen gemacht. Im Unterallgäu indes scheinen die Handwerker (noch) alle Berufsgruppen zu bedienen.
Bild: Schmiedl

 Bei Ingolstadt will ein Fliesenleger keine Ingenieure mehr von Audi und Siemens bedienen. Wie ist das in unserer Region? Wir haben uns umgehört.

Der Fall hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Ein Handwerker aus der Nähe von Ingolstadt lehnt Kunden ab, wenn sie bei Audi oder Siemens arbeiten. Begründung: Selbst bei kleinstem Zeitverzug und minimalen Maß-Abweichungen müsse man sich bei Ingenieuren von Siemens und Audi stets auf eine Art Dreiklang des Schreckens einstellen: „Verzugsmahnungen vom Anwalt, Mängelrügen und Normgutachten“, schreibt der Fliesenlegermeister auf seiner Webseite. (Mehr dazu lesen Sie hier: Fliesenleger arbeitet nicht für Ingenieure: "Reden nie auf Augenhöhe mit einem"
Kritik von Fliesenleger: Sind Audi-Ingenieure wirklich so arrogant? ) Wie aber sieht die Lage im Unterallgäu aus?

Früher hieß es in Handwerkerkreisen schon mal, Lehrer und Rechtsanwälte sollte man tunlichst meiden, sagt ein Handwerksmeister aus dem Raum Mindelheim, der aber lieber nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte. Zur Ehrenrettung dieser beiden Berufe betont er, dass mit ihren Vertretern heutzutage in aller Regel gut zusammenzuarbeiten sei. Das bestätigt auch Johann Kneipp von Kneipp Haustechnik in Breitenbrunn. Er hat mit Lehrern keine schlechten Erfahrungen gemacht.

Im Unterallgäu ist die Zahlungsmoral insgesamt hoch

Kneipp sagt generell, es gebe in seltenen Fällen Probleme mit einzelnen Kunden. „Sie wollen zum Beispiel Teile, die sie bestellt haben, plötzlich nicht mehr haben.“ Schon häufiger kommt es vor, dass es zu Problemen bei der Wartung komme, sagt der Seniorchef. Mieter zahlten nicht, weil sie insolvent sind. Der Handwerksbetrieb bleibt dann auf seinen Auslagen sitzen. Die Zahlungsmoral sei insgesamt aber sehr hoch.

Manchmal wird ein bereits erteilter Auftrag per E-Mail wieder zurückgezogen mit dem Hinweis, man habe jetzt eine andere Firma betraut. Das größte Ärgernis ist allerdings, wenn Kunden Ware im Internet bestellen, dann aber den Service des Fachbetriebs vor Ort in Anspruch nehmen wollen. Johann Kneipp sagt in solchen Fällen dann schon mal: „Die WC-Anlage könnt ihr schon einbauen. Wenn sie verstopft ist, braucht ihr aber nicht bei uns anzurufen.“

Die Unterallgäuer Handwerker kommen mit Ingenieuren klar

Mit Ingenieuren kommen die befragten heimischen Handwerksbetriebe „schon klar“, wie es einer formuliert. Etwas anstrengend sei es hin und wieder, wenn sich die Herren im Internet irgendetwas zusammengesucht haben und mit diesem Halbwissen dann vor dem Handwerksmeister glänzen, der seinen Beruf schon seit Jahrzehnten ausübt. Jürgen Bleher von Haustechnik Bleher aus Pfaffenhausen sagt, manche Ingenieure würden fünfmal um Ecken denken. „Die sind so geschult“, räumt er ein. Da würden manchmal ohne Anlass die Pferde scheu gemacht.

Ingenieure seien aber eine gute Kundschaft, betont Bleher. Da wird auch nicht jeder Cent zweimal umgedreht. Der Pfaffenhausener Unternehmer sagt, Priorität hätten immer die Stammkunden. Wenn eine Mieterin anruft, weil die Heizung kalt ist und weil sie den Vermieter nicht erreicht hat, winkt auch Bleher schon mal ab.

Die Unterallgäuer Handwerker brauchen teils viel Geduld

Johann Kneipp würde sich wünschen, dass die Leute wieder etwas mehr Gelassenheit übten. „Bei einer Störung der Heizung sind viele sehr ungeduldig.“ Er erinnert sich an einen Montag, da waren 100 Anrufe in seinem Betrieb aufgelaufen, der 25 Mitarbeiter beschäftigt und damit zu den Großen in der Region zählt. Zehn Mann waren unterwegs und haben getan, was sie konnten.

Das genügte manchen aber nicht und sie riefen immer wieder an, was die Sache ja nicht beschleunigt. Ohnehin sei es immer schwieriger, Mitarbeiter für den Notdienst zu gewinnen. „Hier stehen wir in Zukunft vor großen Problemen, vor allem an den Wochenenden“, sagt Kneipp.

Manchmal brauchen seine Mitarbeiter aber auch eine Engelsgeduld. Die ist dann besonders gefragt, wenn Ältere anrufen, die zu Vergesslichkeit neigen. Dann wird alle zehn Minuten dasselbe Problem vorgetragen, sagt Kneipp sinngemäß.

Der Bad Wörishofer Spezialist für Öfen und Fliesen Karl-Heinz Hindelang sagt, im Großen und Ganzen gebe es mit den Kunden wenig Probleme. „Irgendeinen Dumpfbacken gibt es aber immer.“

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