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Salgen

08.05.2020

Ehemaliger Bürgermeister Johann Egger hat endlich auch mal Zeit für sich

Zwölf Jahre lang war Johann Egger Bürgermeister in Salgen. Nun hinterlässt er seinen Schreibtisch seinem Nachfolger Roland Hämmerle.
Bild: Johann Stoll

Plus Salgens Bürgermeister Johann Egger hat nach 30 Jahren ehrenamtlichen Engagements aufgehört. Warum er das getan hat und was ihn an der Kommunalpolitik gestört hat.

30 Jahre war Johann Egger ehrenamtlich für Salgen im Einsatz: als Gemeinderat und die vergangenen zwölf Jahre als Bürgermeister und Vorsitzender der Verwaltungsgemeinschaft Pfaffenhausen. Ende April räumte er seinen Schreibtisch im Rathaus. Eingepackt hat er auch eine kleine Engelsfigur, die ihm Freunde zum Amtsantritt geschenkt hatten. Die Entscheidung aufzuhören, hat Egger schon vor langer Zeit getroffen, obwohl er nach wie vor für seine Gemeinde und die Menschen brennt.

Was hat den 65-jährigen Bio-Landwirt zu seiner Entscheidung bewogen? Egger hat seinen Nebenberuf immer mit großer Leidenschaft ausgeübt. Während der Gemeinderat immer jünger wird, sagt Egger, „lässt bei mir die Leistungsfähigkeit immer mehr nach“. Das dürfe man nicht unterschätzen.

Ganz oder gar nicht heißt es bei Hans Egger

Hans Egger ist jemand, der eine Aufgabe mit ganzer Kraft übernimmt – oder sie eben bleiben lässt. Und er war immer ein Bürgermeister, der über den Tellerrand hinausgeschaut und langfristige Entwicklungen im Auge behalten hat. Die Landjugend hat früh sein Interesse für gesellschaftspolitische Themen geweckt. Im Arbeitskreis Agrar und Soziales arbeitete Egger viele Jahre auf Diözesanebene mit.

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1976 schon hat Egger ein Seminar über die Grenzen des Wachstums besucht. Dabei kam er auch mit dem Clube of Rome in Kontakt, der sich für mehr Umwelt- und Naturschutz aussprach. Ein Buch hat ihn besonders geprägt: „Das Land ist hell und weit“. Es stammt von dem evangelischen Pfarrer Ralf Kötter, der bei Egger die Begeisterung fürs Ehrenamt geweckt hat.

Nach der Sitzung gingen die Salgener Gemeinderäte in die Wirtschaft

Im Dorf war ihm immer die Gemeinschaft wichtig. Die Sitzungen für den Gemeinderat wurden immer so gelegt, dass im Anschluss eine der Wirtschaften noch offen hatte. So tauschten sich die Gemeinderäte noch informell aus und pflegten die guten Kontakte. In Salgen spielt für die Gemeinschaft auch die katholische Kirche eine große Rolle. Über sie entsteht Gemeinschaft. Im Gemeinderat war ihm dieser Zusammenhalt ein besonderes Anliegen. Vieles sei unkonventionell angepackt worden. Das sei nur gegangen, weil man Vertrauen zueinander hat. Wäre das anders gewesen, „hätte ich mit Sicherheit nach sechs Jahren als Bürgermeister aufgehört“, sagt Egger.

Froh ist er, dass etwas für den sozialen Wohnungsbau in der Gemeinde Salgen getan werden konnte. In Bronnen stehen zwei Wohneinheiten für Ärmere bereit, in Salgen ein Haus. Ein Mehrgenerationenhaus wäre ein Wunsch für Salgen. Denn dass es auf den Dörfern zunehmend an Treffpunkten fehlt, macht Egger zu schaffen. Die Einsamkeit von Menschen ist in seinen Augen ein ebenso großes Problem wie die Coronakrise.

Auf diese Hobbys freut sich Hans Egger schon besonders

In all den Jahren ist so manches zu kurz gekommen. Egger betreibt mit seiner Familie einen Biohof. Da ist auch ohne Bürgermeisteramt immer viel zu tun. Fürs Schwimmen, fürs Radeln und Wandern sei da oft zu wenig Zeit geblieben. Darauf freut er sich jetzt ganz besonders.

Nur zu einem hat Hans Egger nie Zugang gefunden: zur Musik. Er findet, er könne nicht singen, im Unterschied zu seiner Frau. Und um ein Musikinstrument zu erlernen, habe ihm die Zeit gefehlt.

Seiner Gemeinde will er auch weiterhin verbunden bleiben. In der Kirchenverwaltung macht er ehrenamtlich weiter. Und ein Projekt ist ihm ein Herzensanliegen. In der Verwaltungsgemeinschaft Pfaffenhausen, zu der Salgen gehört, soll ein Kümmerer dafür sorgen, dass die Menschen zusammenfinden und so das Leben noch lebenswerter machen. Hier würde Egger gerne mithelfen.

Eines will er am Ende des Gesprächs aber noch loswerden. Er war leidenschaftlich gerne für seine Gemeinde unterwegs. Nur eines hat ihn an der Kommunalpolitik gestört: die Selbstdarsteller, die es leider auch dort gibt. „Das hatte ich gestrichen dick.“

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