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Geschichte

01.10.2014

Ein 223 Jahre altes Rätsel

Kein Kunstwerk – oder doch? Der Grenzstein bei Stockheim.
Bild: Scharpf

Der Verschönerungsverein Bad Wörishofen verhilft einem altem Grenzstein zu neuem Glanz

Manch einer mag schon an ein abstraktes Kunstwerk gedacht haben: Auf einer Weide zwischen Stockheim und Frankenhofen steht ein verwitterter Stein, über dem sich zwei stählerne Bögen erheben. Tatsächlich aber handelt es sich um das neueste Projekt des Verschönerungsvereins Bad Wörishofen: Der hat den historischen Grenzstein, der bereits 223 Jahre auf dem Buckel hat, behutsam restaurieren lassen.

Auf Anregung des Zweiten Vorsitzenden Eugen Fenster hatte sich der Verein bereits seit sieben Jahren immer wieder mit dem schiefen und arg ramponierten Grenzstein befasst, der auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkte. Doch glücklicherweise schauten die Mitglieder des Verschönerungsvereins Bad Wörishofen noch einmal genauer hin – und wurden auf die äußerst kunstvoll eingearbeiteten Wappen und Initialen auf beiden Seiten des historischen Grenzsteins aufmerksam. Die hätten zunächst Rätsel aufgegeben, sagt Michael Scharpf, der Vorsitzende des Verschönerungsvereins. Doch Vereinsmitglied August Filser brachte schließlich Licht ins Dunkel: Der Stein diente dem Reichskloster Irsee seit 1791 dazu, sein weitläufiges Territorium abzugrenzen. Vier dieser Steine sind bis heute erhalten geblieben und markieren – wie der zwischen Stockheim und Frankenhofen – heute noch die Jagdgrenze.

Der Stein wurde aus Rotmarmor gefertigt und zeigt auf der Südseite einen auf den Hinterbeinen stehenden Löwen, das Wappentier des Klosterstifters Heinrich Markgraf zu Ronsberg. Darunter sind die Initialen „RSTY“ zu sehen. Sie stehen für „Reichsstift Yrsee“. Auf der Nordseite erkennt man das deutlich besser erhaltene und kunstvoll eingemeißelte Wappen der Kurpfalz Bayern. Die Initialen „CPB“ stehen folglich für „Churpfalz Baiern“, „RHM“ für „Reichsherrschaft Mindelheim“.

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Als der Verschönerungsverein den Wert des Steins erkannte, hätte er ihn eigentlich gerne durch eine fachgerecht angefertigte Kopie ersetzen und das Original – geschützt vor Witterungs- und Umwelteinflüssen – ins Kneippmuseum überführen wollen. Nach Gesprächen mit dem Kreisheimatpfleger und dem Landesdenkmalamt habe sich dieser Plan jedoch zerschlagen, so Scharpf.

Unschlüssig, wie man weiter vorgehen sollte, verging die Zeit – bis das Jungvieh auf der Weide den ohnehin schiefen Stein vollends umwarf und den Verein zum Handeln zwang. Der führte – wie Scharpf betont – sehr konstruktive Gespräche mit dem Grundstückseigentümer, barg den massiven Marmorblock und beauftragte Steinmetz Albert Ledermann, ihn schonend zu reinigen und die Initialen nachzuzeichnen.

In Eigenregie entwarfen und fertigten die Mitglieder des Vereins zudem die beiden stählernen Bögen, die den Stein nicht nur optisch hervorheben, sondern vor allem vor dem Weidevieh schützen. Zu guter Letzt fertigten sie eine Informationstafel an, damit das Wissen um den geschichtlichen Hintergrund nicht verloren geht. (mz, baus)

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