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28.04.2010

Ein Augenblick veränderte ein ganzes Leben

Der Tag, der für Familie Miskovic alles verändert hat, liegt jetzt fast genau zwei Jahre zurück. Am 11. April 2008 klingelt nachts um halb zwei das Telefon Safije Miskovic aus dem Schlaf. Ihr Sohn, sagt der Beamte am anderen Ende der Leitung, habe einen schweren Unfall gehabt, es sei äußerst fraglich, ob er überleben werde. Doch Daniel, damals 24 Jahr alt, ist zäh.

Er kann wiederbelebt werden und übersteht in den folgenden Monaten zahllose Operationen, bei denen sein Leben mehr als einmal erneut am seidenen Faden hängt. Wenn man ihn heute sieht, blickt man in ein freundlich lächelndes Gesicht. Fotos zeigen, dass es dem von damals nicht unähnlich ist, aber doch anders - so wie sein ganzes Leben und das seiner Familie.

Vor dem Unfall war Daniel Einzelhandelskaufmann und hatte gerade den Staplerführerschein gemacht. In seiner Freizeit bastelte er an seinem Auto, das er sein "Baby" nannte, und war gerne mit Freunden unterwegs. Am 11. April war er mit seiner Freundin in Bad Wörishofen Essen gegangen. Sie zog mit dem Rest der Clique in eine Disco weiter, Daniel wollte lieber heim.

Sein Gedächtnis hat den Unfall komplett ausradiert

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In einer leichten Kurve verlor er auf dem Weg zurück nach Mindelheim die Kontrolle über sein Auto. Warum, kann keiner sagen, am allerwenigsten Daniel selbst. Den Unfall und die Monate zuvor hat sein Gedächtnis ausradiert. Zu schnell, darauf legt seine Mutter großen Wert, sei er laut Polizei jedenfalls nicht gewesen. Trotzdem überschlug sich das Auto und blieb erst wenige Meter vor dem Wertachufer stehen. Ob Daniel aus dem Wagen geschleudert wurde oder selbst noch herauskrabbeln konnte, wissen die Ermittler nicht. Nur dass der Unfall wahrscheinlich zwischen 23 und 24 Uhr passiert ist und Daniel nicht gleich gefunden wurde.

Mit dem Hubschrauber wird er ins Zentralklinikum Augsburg geflogen. "Es war überall Blut", erinnert sich seine Schwester Monika, die gleich nach dem Anruf ihrer Mutter losgefahren war. Noch einmal sagen die Ärzte der Familie, dass Daniel die Nacht wohl nicht überleben wird. Er hat eine Gehirnblutung, die Wirbelsäule ist angebrochen und am Schädel ist kaum ein Knochen heil geblieben. Zudem hat er viel Blut verloren. Doch Daniel kämpft. Er übersteht das monatelange Koma, die Operationen - und die wenig ermunternden Prognosen. Querschnittsgelähmt werde er sein, vermutlich sogar völlig bewegungsunfähig, sagen die Ärzte, und blind dazu.

Seine Mutter weicht in dieser Zeit nicht von seiner Seite. Sie gibt ihren Beruf auf, um für Daniel da zu sein, und kocht in der Krankenhausküche sogar für ihn. "Wenn du als Mutter nicht helfen kannst, das ist grausam", sagt sie. Seine sechs Jahre ältere Schwester ist trotz der eigenen beiden kleinen Kinder ebenfalls so oft es geht im Krankenhaus. "Ich hätte Neurologin werden können, so oft, wie ich mit den Ärzten gesprochen habe", sagt sie. Sie will nicht hinnehmen, dass ihr Bruder einfach nur daliegt, und streichelt ihn schließlich mit einer Feder ins Leben zurück. "Jede Bewegung war eine große Freude", sagt sie.

Teile seines Gehirns sind abgestorben

In der Zwischenzeit sind eineinhalb Jahre vergangen. Als Daniel endlich wieder nach Hause darf, kann er mit Beinschienen, gestützt am Arm seiner Mutter, wieder gehen. Seinen linken Arm kann er bis heute nur anwinkeln, sein Gesichtsfeld ist begrenzt, Teile seines Gehirns sind abgestorben. Abends geht er meist schon um acht ins Bett, weil er starke Tabletten nehmen muss und dann einfach müde ist. Zweimal die Woche bringt ihn seine Mutter zur Ergo- und Physiotherapie. Verglichen mit dem, was die Ärzte prognostiziert hatten, ist das zwar ein enormer Erfolg. "Aber man kann noch mehr aus ihm rausholen", ist Monika überzeugt. "Wir brauchen noch mehr Hilfe." Sie will nicht, dass ihr Bruder irgendwann in ein Pflegeheim muss. Die Mutter wird schließlich auch nicht jünger und sie selbst kann es sich nicht leisten, für seine Betreuung zuhause zu bleiben. Deshalb soll Daniel noch selbstständiger werden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist bereits getan: Seit wenigen Wochen arbeitet er in der Elektroabteilung der Unterallgäuer Werkstätten. Dass er jemals wieder als Einzelhandelskaufmann arbeiten kann, scheint ausgeschlossen.

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