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Bad Wörishofen

07.10.2019

Ein Diener sein – besonders für Notleidende

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Am Sonntag empfing die Gemeinde Linder und seine Familie bei einem Festgottesdienst.
Bild: Bernhard Ledermann

Martin Linder aus Bad Wörishofen wurde am Samstag zum Diakon geweiht. Ein langer Weg liegt hinter ihm - und eine große Aufgabe vor ihm.

In der Bad Wörishofer Pfarrkirche St. Ulrich stand gestern ein ganz besonderer Erntedankaltar: Zwischen den Früchten, die normalerweise auf dem Altar zum Erntedanksonntag liegen, waren Fotos von Personen und Gruppierungen der Gartenstädter Pfarrei zu sehen. Auch ein Bild von Martin Linder stand auf dem Altar. Linder hatte Grund zu danken. Der 39-jährige Vater von vier Kindern wurde am Samstagvormittag zusammen mit fünf weiteren Weihekandidaten im Augsburger Dom zum Diakon geweiht.

Im Unterschied zu den Priestern der katholischen Kirche, die vor ihrer Priesterweihe ebenfalls zunächst zu Diakonen geweiht werden, dürfen die sogenannten „Ständigen Diakone“ eine Familie haben. Zusammen mit dem neu geweihten Amtsträger der katholischen Kirche feierten gestern seine Familie und seine Heimatpfarrei St. Ulrich einen Dankgottesdienst.

Martin Linder war nach dem fast zweistündigen Weihegottesdienst im Augsburger Dom sichtlich ergriffen. „Die Weiheliturgie hat das Herz berührt“, meinte er nach dem Gottesdienst, an dem auch einige Gläubige aus Bad Wörishofen und Mindelheim teilgenommen hatten. Nachdem Linder und die weiteren Kandidaten vor Weihbischof Anton Losinger ihr Versprechen, sich ganz an Jesus Christus auszurichten, abgelegt hatten, wurden auch die Ehefrauen in die Liturgie einbezogen.

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Auch sie legten ein Versprechen ab. Für Martin Linder erklärte seine Frau Alexandra, dass sie bereit sei, ihren Mann in seinem Dienst zu unterstützen.

Wirtschaftsprüfer, Mediziner, Kriminalpolizist: Die Berufe der Diakone sind vielfältig

Losinger ging in seiner Predigt auf das Amt des Diakons ein. Ein Diakon wende sich besonders den „physisch, psychisch, sozialen oder sonst wie kranken Menschen“ zu. Das Dienen des Diakons sei gerade in Zeiten einer großen Vertrauenskrise ein starkes Zeichen. Dabei zeigte sich der Weihbischof beeindruckt von der beruflichen Kompetenz der inzwischen neu geweihten Diakone, zu denen beispielsweise ein Wirtschaftsprüfer, ein Mediziner oder ein Kriminalpolizist gehören.

Martin Linder ist von Beruf Gemeindereferent. Außerdem gehört er der Leitung der Notfallseelsorge in der Diözese Augsburg an. Nach der eigentlichen Weihe durch die Handauflegung des Weihbischofs legten die Heimatpfarrer den neugeweihten Diakonen ihre Stolen und die sogenannten Dalmatiken, die Gewänder des Diakons, an. Für Martin Linder tat dies Pfarrer Andreas Hartmann. Der Weihbischof überreichte im Anschluss daran das Evangeliar als Zeichen dafür, dass Linder nun auch zur besonderen Verkündigung berufen ist. Zum Abschuss der Weihezeremonie umarmten alle anwesenden Diakone die Neugeweihten. Martin Linder wechselte mit allen ein paar Worte, er wirkte gelöst.

In 30 Jahren gingen sechs Neupriester aus Bad Wörishofen hervor

Viele Jahre lang hatte er sich auf diesen besonderen Gottesdienst, aber auch auf seine Aufgaben als Diakon vorbereitet. Sein Frau Alexandra Linder verglich den Tag der Weihe mit dem Erntedankfest. „Wir sind auch als Familie in die Aufgaben des Diakons hineingewachsen“, sagte sie gestern. Zusammen mit der ganzen Pfarrei sei sie dankbar, dass einer aus unserer Gemeinde den Ruf Gottes gehört und angenommen habe, meinte Alexandra Linder. Pastoralratsvorsitzender Bernhard Ledermann und Pfarrgemeinderatsvorsitzender Joachim Rapp gratulierten dem neu geweihten Diakon. Auch Ledermann verwendete das Bild der Früchte. „Ich weiß, es gab und es gibt viele Beter um geistliche Berufungen in Bad Wörishofen“, sagte er. „Dass diese Gebete gefruchtet haben“, zeige die Tatsache, dass in den vergangenen 30 Jahren sechs Neupriester aus Bad Wörishofer Pfarreien hervorgegangen seien.

Es freue ihn, nun zu einem Diakon sprechen zu dürfen, der besonders Notleidenden zur Seite stehen wolle: „Ich war 15 Jahre als Notarzt tätig“, berichtete Ledermann. Deswegen habe er größten Respekt vor den Notfallseelsorgern, die traumatisierte und trauernde Menschen nicht alleine lassen.

Rapp betonte, dass die Weihe zeige, dass die Pfarrei St. Ulrich lebe. Mit dem Einsatz von Martin Linder als Diakon erhofft sich Rapp auch eine Ausweitung der geistlichen Betreuung in der Pfarrei St. Ulrich und damit auch eine Entlastung für Pfarrer Andreas Hartmann.

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