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20.07.2010

Ein "Gefühl wie an Weihnachten"

Mindelheim Der Besucher, der in diesen Tagen die Ausstellungshalle der Mindelheimer Museen betritt, hält vor Staunen erst einmal den Atem an. Fast ergreift ihn eine Art von Ehrfurcht vor dieser Schatzhöhle voller Kostbarkeiten, die sich da zu einem formvollendeten Raumkunstwerk fügen. Hat der Besucher den Raum in seiner Gesamtwirkung erst einmal erfasst, wendet er sich den einzelnen Objekten zu - und macht dabei eine wunderbare Entdeckung nach der anderen.

Egal, ob es sich um eine tiefrot glasierte, perfekt geformte Schale von Thomas Bohle handelt, um eine raffinierte textile Grafik von Eva Leix-Renk, eine großformatige Naturfotografie von Wilfried Edelmann, eine Tuschezeichnung von Epple selbst oder irgendein beliebiges anderes Stück, das ästhetische Vergnügen ist garantiert.

Die Ausstellung "Franz Epple & Freunde" ist ein vorgezogenes Abschiedsgeschenk des Kulturamts Mindelheim an seinen langjährigen Mitarbeiter Franz Epple, der im Februar 2011 in Altersteilzeit geht.

Im Lauf seines Lebens hat Epple nicht nur Kunst, sondern auch Freunde gesammelt. In beiden Fällen hat er keine Kompromisse geschlossen, denn das Beste ist ihm gerade gut genug. Die Künstler, die er zum weit gefächerten Netzwerk seiner Freunde zählt, gehören - so Kulturamtsleiter Christian Schedler - zur "Crème de la Crème" der angewandten Kunst Süddeutschlands. Die Mindelheimer Museen und ihr Publikum profitieren davon. Die sehr gut besuchte Vernissage kombinierte das Kulturamt kurzerhand mit einer Initiative der "Arbeitsgemeinschaft Unterallgäuer Museen", die heuer das Projekt "Sommerabende in den Museen" aus der Taufe gehoben hat.

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Unterhaltsamer Dialog über Kunst und Raumgestaltung

Dazu spielten Stephan Pregler sowie Jürgen und Jonathan Michels Jazziges auf Gitarre, Piano und Schlagzeug. Die Besucher hatten bis in den Abend hinein Gelegenheit zum Plaudern und Musikhören. Leider gingen genau an diesem Abend Regengüsse nieder, sodass sich das Ganze im Haus abspielen musste.

Zur Freude der Besucher wurde ihnen als Einführung in die Ausstellung nicht die obligate Rede serviert, sondern Epple und Schedler führten einen höchst unterhaltsamen Dialog über Kunst im Allgemeinen und im Besonderen. Schedler gab die Stichworte, Epple antwortete. Die beiden kennen sich seit vielen Jahren. So verschieden sie auch sind, es war hohe gegenseitige Wertschätzung zu spüren und ein übereinstimmendes Kunstverständnis.

Der Kunsthistoriker Schedler räumte ein, Franz Epple habe ihn, den Mittelalterexperten, erst an die moderne abstrakte Kunst herangeführt. "Zutiefst dankbar" sei er ihm für diese "hinreißend schöne" Ausstellung. Er fühle sich "wie an Weihnachten, bevor das Christkind kommt."

Die Halle voller Kostbarkeiten zeige nicht nur, dass Epple "ein Freund barocker Fülle" sei, sondern beweise auch sein untrügliches Gespür für die gekonnte, harmonische Gestaltung von Raum. Mit "todsicherem Blick" erkenne er, wo ein Objekt am besten zur Geltung komme.

Auf die Frage, wie lange er denn in Lotus und Zen-Meditation verharren müsse, bis ihn die Inspiration überkomme, antwortete Epple: "Das lass' ich ganz bleiben. I hock mi na, hör Blues-Rock und konzentrier' mi aufs Wesentliche. Ob's dann geht oder net, des merk i schnell. Komposition, Material, Fertigwerden: Das ist das ganze Geheimnis."

Epple betonte, ohne sichere handwerkliche Grundlage gebe es keine Kunst: "Kunst ist keine Spielerei. Bedingungslose Ernsthaftigkeit, Disziplin und Gestaltungswille sind unerlässlich, sonst verliert man den Boden unter den Füßen."

Dauer der Ausstellung bis 12. September. Öffnungszeigen täglich außer Montag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr.

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