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Weihnachten im Unterallgäu

27.12.2017

Ein Geschenk, das man persönlich nehmen sollte

Kinder zeigten in der Pfarrkirche St. Justina in Bad Wörishofen ein Krippenspiel.
Bild: Markus Heinrich

Sechs Pfarrer aus der Region haben sich Gedanken gemacht, was Weihnachten bedeutet.

 Selten sind die Kirchen so voll wie an Weihnachten. Denn für die Gläubigen stehen nicht die Geschenke im Vordergrund, sondern das eine Geschenk Gottes, die Geburt seines Sohnes Jesu Christi.

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Mindelheims Stadtpfarrer Andreas Straub verlas in seiner Predigt am Heiligen Abend ein ungewöhnliches Mietgesuch: „Suche Wohnung mit möglichst vielen Räumen. Der Ehrlichkeit halber möchte ich Sie aber gleich warnen: Ich bin kein einfacher Mieter. Und wenn Sie sich auf mich einlassen, dann werden Sie mit mir Ihre Wunder erleben.“ Der Wohnungssuchende sei Gott selbst, der einen Platz in unserem Leben suche. „Lassen wir ihn bei uns einziehen, auch wenn er manchmal ein unbequemer Mieter, auch wenn er uns Einiges zumutet“, forderte Straub die Gläubigen auf. „Dann werden auch wir unsere Wunder mit ihm erleben – nicht nur zur Weihnachtszeit.“

Das Christkind Herr sein lassen

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Sein evangelischer Kollege Claus Förster aus Türkheim rief die Gläubigen ebenfalls dazu auf, das Christkind Herr sein zu lassen in ihrem Leben. Er bezog sich in seiner Predigt auf das Bibelwort „Uns ist ein Kind geboren“. Am wichtigsten sei dabei das Wort „uns“. „Weihnachten wird es erst richtig, wenn wir dieses Geschenk Gottes nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern annehmen und es persönlich nehmen. Wenn wir entdecken: Das ist für uns. Für mich.“ Im Hinblick auf unsere Ohnmacht angesichts der vielen Kriege, der Hungersnöte, der Naturkatastrophen und des Terrors sagte er: „In alle unsere Dunkelheiten will Gottes Licht hineinstrahlen. Gott will hineinkommen, wo wir hoffnungslos sind angesichts von Not und Leid. Wo wir gebunden sind, gefangen in unserem selbstsüchtigen Verhalten. Wo wir gern anders wären.“ Gott wolle uns frei machen von Ängsten und Not. „Das bedeutet Weihnachten. Dass wir eine bleibende Freude in uns haben, die unabhängig von Äußerlichkeiten ist, weil für uns der Heiland geboren ist.“

Mit Blick auf das Christkind sprach sein Mindelheimer Kollege Claudius Wolf von Kindern als Zeichen der Hoffnung und der Zukunft. Der Anblick eines Neugeborenen berühre im Innersten. „Ich staune über das, was sich mir zeigt: Über die kleinen Ärmchen, den großen Kopf, das erste Lallen und darüber, dass Gott so zu mir kommt“, so Wolf. Er ermunterte die Gläubigen, auch im Alltag zu staunen, offen zu sein, sich berühren und anrühren zu lassen, „als Mensch menschlich zu sein“.

Zu Jesus aufbrechen

Pfarrer Andreas Hartmann aus Bad Wörishofen hat sich die Frage gestellt: „Wo ist mein Platz in der Krippe?“ Wo stehe ich und wie stehe ich zu Jesus Christus? Stehe ich bei den Hirten, die sich jeden Tag um ihre Herde sorgen oder bin ich eher bei den Heiligen Drei Königen, die Jesus anbeten? Vielleicht bin ich gerade auch ein Esel und stehe mir selbst im Weg? Jeder von uns hat seinen Platz in der Weihnachtsgeschichte 2017.“ Eine zweite Frage gab er an die Gläubigen weiter: „Möchte ich auf meinem Platz stehenbleiben oder wie die Hirten und die Heiligen Drei Könige zu Jesus Christus aufbrechen?“

Pfarrer Richard Dick aus Tussenhausen verglich Weihnachten mit einer Walnuss: Die Schale entspreche den Geschenken, dem „Drumherum“, der Kern sei das Christkind in der Krippe. Es sage: „Komm in meine Arme, ganz gleich, wer du bist. Dieses Angebot Gottes, das ist der Kern von Weihnachten“, so Dick. Manchmal sei Weihnachten auch eine „harte Nuss“, weil man durch die harte Schale nur mühsam zum Kern vordringe.

Pater James aus Breitenbrunn zitierte ein indisches Sprichwort: „Gott hat zu Weihnachten die ganze Welt erschüttert, nicht mit einer Bombe, sondern mit einem Kind.“ Die Gläubigen seien eingeladen, ihre Unsicherheit, Depression, Existenzsorgen und Zweifel am Sinn ihres Lebens hinter sich zu lassen und die Freude des göttlichen Kindes in ihrem Leben neu zu entdecken.

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