Der Pfarrhof in Unteregg

27.05.2016

Ein Geschenk für alle

Die Kirche hat den Pfarrhof in Unteregg zur großen Freude von Bürgermeisterin Marlene Preißinger der Gemeinde überlassen. Die will das 1780 errichtete Haus sanieren und unter anderem einen Sitzungssaal für den Gemeinderat und die Vereine im Ort einrichten.
Bild: Baumberger

Die Kirche hat der Gemeinde Unteregg den ehemaligen Pfarrhof überlassen. Die hat dafür schon Pläne

Für Bürgermeisterin Marlene Preißinger war es Liebe auf den zweiten Blick: Vor einigen Jahren noch sah sie in dem ehemaligen Pfarrhof neben der Kirche in Unteregg wenig mehr als „eine alte Hütte“. Heute spricht sie voller Begeisterung von dem 1780 erbauten Haus und ist Gott froh, dass die Kirche es der Gemeinde nun einfach überlassen hat. Einzige Bedingung: Auch künftig soll die Kirche darin einen Platz haben.

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Das dürfte nun wirklich kein Problem sein: In den beiden Stockwerken stehen schließlich jeweils sechs Zimmer zur Verfügung und ohnehin ist es eigentlich kein Zustand, dass sich der Unteregger Pfarrgemeinderat bislang im Dirlewanger Pfarrhof oder im Wohnzimmer des Vorsitzenden treffen muss. Im Obergeschoss sind deshalb zwei Räume für kirchliche Zwecke reserviert.

Auch der Gemeinderat verfügt bislang über keinen eigenen Sitzungssaal – was sich ändern könnte, wenn im Pfarrhof die bisherige Wand zwischen Küche und Stube weicht. Der so entstehende rund 50 Quadratmeter große Saal soll dann auch mit Beamer und Leinwand ausgestattet werden und allen Vereinen der Gemeinde etwa für Vorträge zur Verfügung stehen. Essen und Getränke sollen jedoch nicht angeboten werden, denn, das betont Preißinger ausdrücklich: „Das soll keine Konkurrenz zur Wirtschaft werden.“

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Stattdessen sollen der Pfarrhof, das Gasthaus Adler und die Kirche eine Einheit bilden und zwar eine, die das Dorf lebendig hält. Vor ihrem geistigen Auge sieht die Bürgermeisterin bereits den Weihnachtsmarkt des Schützenvereins in dem idyllischen Garten vor dem Pfarrhof und der zugehörigen ehemaligen Sonntags- und Berufsschule und Ausstellungen in dessen breitem, hellem Flur.

In einem Zimmer im Erdgeschoss würde Marlene Preißinger außerdem gerne ein Büro für ihren etwaigen Nachfolger einrichten. Die quirlige Bürgermeisterin denkt zwar derzeit keineswegs ans Aufhören, aber wenn es einmal so weit ist, will sie ihm ein Büro übergeben können. Schließlich ist es nicht jedermanns Sache, wie sie selbst von zuhause aus zu arbeiten, und ein eigenes Trauzimmer würde auch nicht schaden, denn: „So klein sind wir auch nicht.“ Zusammen mit Oberegg und Warmisried bringt es die Gemeinde immerhin auf rund 1400 Einwohner.

Das bisherige Bad würde dann zum Ablageraum, der ehemalige Stall, in dem einmal die Kuh und das Pferd des Pfarrers standen, zur behindertengerechten Toilette, die auch Kirchgänger während der Gottesdienste nutzen könnten und der Abgang zum Keller eine kleine Teeküche.

Im Obergeschoss sehen die Pläne einen Raum für „Kunst und Kultur“ vor, denkbar wäre auch eine Bücherei, ein weiteres Zimmer soll der Jugend zur Verfügung stehen und eines den älteren Semestern. „Der Pfarrhof ist für die Gemeinde“, sagt Preißinger. Sie verknüpft mit der neuen Nutzung des Pfarrhofs die Hoffnung, dass „der Ort nicht einschläft, sondern sich weiterentwickelt“.

Im nächsten Jahr soll die Sanierung beginnen – und zwar so, „dass man’s auch bezahlen kann“. Laut einem Gutachter sei die Bausubstanz sehr gut. Es gibt zwei originale Fenster, die wie die Zimmertüren erhalten werden sollen. Lediglich der denkmalgeschützte Dachstuhl drückt nach außen, soll durch die Sanierung aber vor einer weiteren Verformung geschützt werden. Eine erste Kostenschätzung geht von 500000 Euro aus, die die Gemeinde jedoch nicht allein tragen muss. In ein Förderprogramm des Amts für ländliche Entwicklung wurde das Projekt bereits aufgenommen und in den nächsten Wochen will Marlene Preißinger weitere Fördertöpfe anzapfen – damit aus der „alten Hütte“ schon bald wieder ein richtiges Schmuckstück wird. (baus)

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