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Soziales

01.02.2018

Ein Haus für die letzten Tage

So soll das neue Hospiz in Kempten aussehen. Auch Schwerstkranke aus dem Unterallgäu können dort ab 2019 versorgt werden.
Bild: Lienert

In Kempten soll ein Gästehaus für Schwerstkranke auch aus dem Unterallgäu entstehen. Warum Landkreis und Stadt Memmingen das Projekt bisher nicht unterstützen

Manche sind kaum eingezogen, schon müssen sie wieder gehen. Andere haben noch wenige Wochen vor sich. Es ist der allerletzte irdische Weg, den diese Menschen beschreiten. In Kempten steht eine rührige Allianz aus Politik, Hospizverein und Freunden des Allgäu Hospizes kurz davor, mit dem Bau eines 6,9 Millionen Euro teuren neuen stationären Hospizes für 16 Gästezimmer zu beginnen. Schwerkranke, die keine Hoffnung mehr auf Heilung haben, sollen hier bestmöglich versorgt werden. Während alle Allgäuer Gebietskörperschaften sich an dem Projekt beteiligen, kamen aus dem Unterallgäu und aus der Stadt Memmingen Absagen, sagt der Geschäftsführer des Allgäu Hospiz, Alexander Schwägerl. Begründung: In Illertissen war 2015 ein stationäres Hospiz mit acht Plätzen errichtet worden. Dafür seien auch keine Zuschüsse aus Memmingen und dem Unterallgäu geflossen.

Das alte Haus mit acht Zimmern wird demnächst abgerissen. Das bayerische Sozialministerium hat als Einzugsgebiet für dieses stationäre Hospiz auch das Unterallgäu und die Stadt Memmingen umrissen. 2,3 Plätze sollen rechnerisch für das Unterallgäu vorbehalten werden, 0,7 für Memmingen.

Der Kreis soll 118000 Euro beisteuern

Memmingen war gebeten worden, das Projekt mit 90 000 Euro zu unterstützen, das Unterallgäu mit 118 000 Euro. Kreisgremien und der Memminger Stadtrat sind mit dem Thema bisher nicht befasst. Die Absage will Landrat Hans-Joachim Weirather nicht als letztes Wort verstanden wissen. Im Unterallgäu seien der St. Elisabeth Hospizverein Memmingen-Unterallgäu und die Pallium gGmbH sehr aktiv. „Ziel ist es, die Palliativversorgung in Kliniken und Pflegeheimen sowie die ambulante, häusliche Betreuung auszubauen“, betont der Landrat.

Das Angebot des Vereins umfasst zum Beispiel auch ein Hospizzimmer im Seniorenzentrum St. Georg, die ambulante Hospizbegleitung, einen Palliativberatungsdienst und vieles mehr. Da rund 90 Prozent der Palliativfälle zu Hause im Kreis der Familie sowie in den Kliniken und Seniorenheimen betreut werden, liegt in diesen Bereichen der Schwerpunkt der hospizlich-palliativen Arbeit. Weirather: „Mit diesem Angebot sind wir in der Region sehr gut aufgestellt“.

Der Vorsitzende des Hospizvereins, Dr. Manfred Nuscheler, sagt, rechnerisch sei die Region mit stationären Plätzen gut versorgt. Es gebe Einrichtungen in Illertissen, Wangen, Lindau, Biberach, Ulm und Augsburg. Rund 200 Menschen pro Jahr werden von Pallium zuhause betreut. Für wenige extrem komplexe Krankheitsfälle seien stationäre Hospize notwendig.

Die Anfrage kam erst spät

Der Landrat moniert, dass die Allgäu Hospiz gGmbH eine Beteiligung des Landkreises Unterallgäu und der Stadt Memmingen erst erfragt habe, als bereits fertige Bau- und Förderkonzepte vorlagen. Stadt und Landkreis seien im Vorfeld nicht beteiligt worden und hätten somit keinerlei Möglichkeiten gehabt, auf die Planungen Einfluss zu nehmen. „Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Ebenso seien der Landkreis und die Stadt Memmingen im Hinblick auf die Förderung des Freistaates Bayern nie gefragt worden, ob unsere Region dem Bedarf anderer Hospize im Umland zugerechnet werden soll. „Das verschlechtert unsere eigene Position erheblich, falls wir einen eigenen Förderantrag stellen wollten“, erklärt der Landrat. Zwischenzeitlich gab es im Unterallgäu auch die Idee, vielleicht ein eigenes stationäres Hospiz zu errichten. Das wurde nach Gesprächen mit Vertretern der Kreiskliniken Unterallgäu, des Klinikums Memmingen und des St. Elisabeth Hospizvereins wieder verworfen. Für je 60 000 Einwohner sieht das Ministerium einen stationären Hospizplatz vor. Das wären für das Unterallgäu drei Plätze. Ein eigenes Haus sei dafür nicht darstellbar, sagte der Vorsitzende des St. Elisabeth Hospizvereins Nuscheler.

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