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24.06.2011

Ein Haus ohne Kompromisse

Von außen schlicht und unauffällig, entfaltet das Haus im Inneren seine bemerkenswerten Qualitäten. Am Wochenende kann es im Rahmen der „Architektouren“ besichtigt werden.
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Von außen schlicht und unauffällig, entfaltet das Haus im Inneren seine bemerkenswerten Qualitäten. Am Wochenende kann es im Rahmen der „Architektouren“ besichtigt werden.
Bild: Fotos(2): Frieder

Außen strenge Gestaltung, innen hohe Wohnqualität: Oberste Baubehörde erteilte dem Haus von Klaus Ehrhard den Ritterschlag. Im Rahmen der „Architektouren“ ist es öffentlich zugänglich

Dirlewang Das Neubaugebiet im Süden von Dirlewang: Hier eine Gaube, dort ein Erker. Gartenzäune. Breite Dachüberstände. Giebeldächer über den Garagen.

Ein Haus in Randlage fällt auf. Es wirkt durch seine klare, fast strenge Gestaltung und das Fehlen jeglichen geschmäcklerischen Zierrats. Ein kompakter Kubus, der ein wenig wirkt wie dem Holzbaukasten eines Kindes entnommen. Eine ruhige Dachfläche, die direkt an den Außenmauern endet, die Fenster hohe Rechtecke ohne Sprossen, die angebaute Garage flach.

Zähes Ringen mit dem Landratsamt war erfolgreich

Ein Haus ohne Kompromisse

Gebaut und entworfen hat der Architekt Klaus Ehrhard das Haus für sich und seine Familie. Im Dorf wird es nach einem Jahr noch immer zweifelnd beäugt, und mit der Genehmigungsbehörde focht Ehrhard manchen Kampf aus, weil er sich von den Vorgaben des Bebauungsplans nicht einengen lassen wollte.

Dabei wollte der Architekt ursprünglich ein völlig anderes Haus auf das Grundstück bauen. Ein langes, schmales Holzhaus, komplett offen mit flexiblen, versetzbaren Innenwänden. Die Pläne waren fix und fertig, als ihm bedeutet wurde: „Das kriegen Sie nie genehmigt.“

Er war verärgert, frustriert. Aber den Plan ändern, ihn verwässern, faule Kompromisse machen? Dazu konnte er sich nicht entschließen. Schließlich wuchs aus der Enttäuschung die neue Idee. Heute sagt Ehrhard: „Wahrscheinlich war es ganz gut so. Der erste Entwurf wäre aus der Umgebung raus gefallen.“

Sein neues Haus, in dem er, nach einem Dreivierteljahr Bauzeit, mit Frau und zwei kleinen Söhnen seit einem Jahr wohnt, hat mittlerweile höchste Anerkennung in Fachkreisen erfahren. Die Bayerische Architektenkammer nahm es in ihre „Architektouren 2011“ auf. Und die Oberste Baubehörde hat es auf ihrer Homepage als Vorbild für energieeffizientes Bauen veröffentlicht – gewissermaßen der Ritterschlag für den Planer.

Schlicht von außen, entfaltet sich der Reiz des Gebäudes im Inneren. Die Fenster fangen die umgebende Landschaft ein, wirken wie Rahmen für die Bilder von Wiese und Wald.

Ehrhard hat nichts dem Zufall überlassen. Er ist für jedes noch so kleine Detail an diesem Gebäude allein verantwortlich, von den schwellenfreien Fußböden aus schwarzem Schiefer bis zu den in die Flurwand eingelassenen Tageslichtleuchten, den reinweißen Wänden, den tiefen Fensterbrettern, dem durchgängig klaren Design und der offenen, von nur wenigen Türen unterbrochenen Raumaufteilung.

Stil, Funktionalität und eine großzügige Raumatmosphäre

Der Architekt ließ sich von den Grundsätzen leiten „Weniger ist mehr – Qualität ist wichtiger als Quantität“. Das Ergebnis überzeugt durch kompromisslosen Stil, Funktionalität und eine überaus freundliche, großzügige Raumatmosphäre. Es ist kein billiges, aber ein durchaus bezahlbares Haus entstanden. Auf Keller, Dachboden oder Anbau wurde verzichtet, Stauraum ist dennoch – insbesondere in der geräumigen Garage – ausreichend vorhanden.

Die Gebäudeausrichtung sowie die Anordnung und Größe der Glasflächen ermöglichen eine optimale passive Nutzung der Sonnenenergie im Winter und in der Übergangszeit. Besonders überzeugt hat die Oberste Baubehörde die umweltschonende Energieversorgung.

Das Haus ist hochwärmegedämmt. Für die Grundversorgung an Wärme und Warmwasser sorgt eine Wärmepumpe. Die Fußbodenheizung im Erdgeschoss und ein Flächenheizsystem in den Dachschrägen des Obergeschosses verteilen die Wärme im Haus, ergänzt durch eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Der Kachelofen im Zentrum des Hauses ist das Tüpfchen auf dem „i“.

Ehrhard ist stolz auf die Anerkennung der Berufskollegen und sieht sich bestätigt. „Im Unterallgäu leben wir in einer architektonischen Diaspora“, findet er. „Die Bebauungspläne erreichen oft genau das Gegenteil von dem, was sie wollen: Sie verhindern gute Lösungen und begünstigen eine Pseudo-Qualität. Was soll daran gut sein, dass man sich am Mittelmaß orientiert?! Ich wollte zeigen, dass es auch anders geht.“

Besichtigung: Öffentlich zugänglich für alle Interessenten ist das Haus in Dirlewang am Immenberg 27 am 25. und 26. Juni von 14 bis 18 Uhr.

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