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Dirlewang

01.11.2018

Ein Hightech-Grab, das leuchten kann - und mehr

Steinmetz Gerhard Schröder und Manfred Guggenmos präsentieren stolz das Grab, das sie gemeinsam geschaffen haben. Es ist per Solarstrom beleuchtet und sorgt selbst für die Bewässerung.
Bild: Issing

Manfred Guggenmos ist im Unterallgäu bekannt als Tüftler. Nun hat er eine letzte Ruhestätte geschaffen, die voller Technik ist.

Schön bepflanzte und ordentlich gepflegte Gräber sind Bestandteil christlichen Brauchtums. Wie kein anderer Ort spiegeln Friedhöfe ein Stück Kulturgeschichte wider. Die weiter zu schreiben und zu erhalten ist erklärtes Ziel von Manfred Guggenmos, den man im Unterallgäu vor allem als „Guggi“ kennt. Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten der Grabpflege kam dem Elektromeister aus Warmisried auf dem Rücken seines Pferdes die Erleuchtung. „Beim Reiten hab ich die besten Ideen“, sagt er und verrät, was ihm in Sachen Elektrifizierung und automatischer Bewässerung eines Grabes so alles eingefallen ist.

Das Grab in Dirlewang wird mit Solarstrom beleuchtet

So entwarf der als Tüftler bekannte Handwerker für das Doppelgrab seiner vor zwei beziehungsweise drei Jahren verstorbenen Eltern auf dem Gottesacker von Dirlewang das, wie er sagte, „erste mit Solarstrom beleuchtbare Grab“. Für die Hardware und die Gestaltung der letzten Ruhestätte holte er sich die Türkheimer Steinmetze Gerhard und Pius Schröder mit ins Boot. „Wir haben uns gefunden und auf Anhieb glänzend verstanden“, macht er deutlich.

Bis zur Fertigstellung des High-Tech-Kunstwerks ging ein ganzes Jahr ins Land. Doch pünktlich zum Fest Allerheiligen verbreitet das zweiteilige Kreuz-Denkmal aus Bayerwald-Granit auf dem Friedhof in Dirlewang ab Einbruch der Dunkelheit ein warmes Licht. Eine Leuchtschrift auf dem Grabstein erinnert Besucher an Jesu Wort: „Ich bin das Licht, ich leucht euch für“. Gespeist wird die Beleuchtung von zwei unsichtbaren Modulen auf der Oberseite des Grabmals. „Die Sonne scheint für Lebende und Tote und schickt keine Rechnung“, scherzt der Guggi. Solarstrom hilft auch, die Bilder seiner Eltern Rosina und Leo zu beleuchten. (Lesen Sie auch: Die Energiewelt von morgen )

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Überhaupt steckt in dem von Eichenholz eingefassten Grab jede Menge Technik. So ist auch die Bewässerung computergesteuert. Kompressoren leiten das Wasser mithilfe eines Schlauches zu den Pflanzen und sorgen zu jeder Jahreszeit für genügend Nässe. Und das funktioniert so: Ein Sensor misst die Feuchtigkeit der Erde und dosiert in den Nächten die nötige Wassermenge. So kann auch an heißen Sommertagen das Gießen ausfallen.

Das Grab in Dirlewang soll Hoffnung geben und die Angst vor dem Tod vertreiben

Ein absoluter Hingucker ist das Bronzekreuz zwischen den beiden Grabsteinen. Mit der linken Hand zieht Christus Mutter und Vater von Manfred Guggenmos in den Himmel. Die Arbeit des Bad Wörishofer Künstlers Heinrich Wolf sorgt sicher für viel Gesprächsstoff. „Das Grab meiner Eltern soll den Lebenden Hoffnung geben und die Angst vor dem Tod vertreiben“, macht der Kunsthandwerker deutlich.

Wie das funktioniert, wusste schon der Dichter Antoine de Saint Exupéry, den Guggenmos auf einer Tafel am Grab mit einem nachdenklichen Zitat zu Wort kommen lässt: „Hast du Angst vor dem Tod, fragte der kleine Prinz die Rose. Darauf antwortete sie: Aber nein, ich habe doch gelebt, ich habe geblüht und meine Kräfte eingesetzt, so oft ich konnte. Und Liebe tausendfach verschenkt, kehrt wieder zurück zu dem, der sie gegeben. So will ich warten auf das neue Leben und ohne Angst verblühen.“

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