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Bad Wörishofen

18.07.2019

Ein Juwel zieht die Blicke auf sich

Architekt Egon Georg Kunz (rechts) zeigt Priorin Franziska Brenner (von links), Josef Miller von der Landesstiftung und dem früheren Wirtschaftsminister Franz Pschierer die Details der aufwendigen Sanierung der Bad Wörishofer Klosterkirche.
Bild: Markus Heinrich

Bad Wörishofens Klosterkirche erstrahlt nach der Sanierung in neuem Glanz. Warum die Kirche als kleine Schwester der berühmte Wieskirche gilt.

Die Kneippstadt hütet einen Schatz, daran besteht für den Vorsitzenden der Landesstiftung keinen Zweifel. „Die Klosterkirche ist ein Juwel unter den Kirchen in Schwaben“, sagte der einstige Minister Josef Miller in Bad Wörishofen. Dieses Juwel erstrahlt nun wieder in neuem Glanz.

Mit enormen Aufwand wurde die Kirche in den vergangenen Monaten saniert. Rund 450.000 Euro hat das gekostet, etwa 39.000 Euro davon hat die Landesstiftung beigesteuert. Priorin Franziska Brenner erinnerte bei der Besichtigung des Ergebnisses daran, dass die Generalsanierung des Klosters ja erst 23 Jahre zurückliege. „Es hat uns sehr betroffen gemacht“, sagt Brenner zu der Nachricht, dass trotzdem schon wieder große Eingriffe nötig sind. „Das hätten wir nicht gedacht.“

Dass die Kirche nun umfassend saniert wurde, hält Josef Miller für äußerst wichtig. Das Gotteshaus stehe als Einzeldenkmal in der Haager Liste. „Da stehen nur die großen Denkmäler Europas drauf“, verdeutlichte er die Bedeutung.

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Im Jahr 2021, wenn Bad Wörishofen Kneipps 200. Geburtstag feiert, wird das Kloster 300 Jahre alt. Zum Jubiläum können die Besucher die prächtige Ausstattung der Kirche nun in ganzer Schönheit genießen. Die Klosterkirche wird auch als kleine Schwester der Wieskirche bezeichnet, die immerhin Weltkulturerbe ist. Das liegt daran, dass beide Kirchen von den Brüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann ausgestaltet wurden.

Der Architekt legte schon in Schloss Nymphenburg Hand an

Architekt Egon Georg Kunz hat die Sanierungsarbeiten geleitet. Kunz ist ein enorm erfahrener Denkmalexperte, der auch an Bauarbeiten in der Münchener Staatskanzlei, im Maximilianeum, im Kloster Thierhaupten oder im Schloss Nymphenburg beteiligt gewesen war.

Dachstuhl, Stuck und Deckenputz waren zu sichern und zu renovieren. „Es war ein Glücksfall, dass wir so ein Team zusammenbekommen haben“, lobt Kunz. „Xaver Mahler beispielsweise ist einer der besten Stuckateure unserer Zeit“, verdeutlicht er.

Die Aufgabe war nicht leicht. Im Dachstuhl mussten zum Beispiel angefaulte Holzteile ausgewechselt werden. Dazu war ein modernes Sicherheitskonzept notwendig. An der Kirchendecke selbst zeigten sich Hohlstellen und kleinere Stuck- und Putzablösungen.

Dass bislang keine Teile in den Kirchenraum gefallen sind, teilte das Kloster schon bei der Bekanntgabe der Schäden im Herbst 2017 mit. Die Kirche wurde sicherheitshalber sofort gesperrt, für gut 50 Tage. Als die Kirche im Advent 2017 wieder betreten werden durfte, war von der barocken Pracht kaum noch etwas zu sehen. Die Vorarbeiten zur Sanierung hatten begonnen.

Die Restauratoren machten eine Entdeckung

In Bayern würden heute bis auf wenige Ausnahmen keine neuen Kirchen mehr gebaut, sagte Josef Miller. Im Vorjahr waren zwei neue Kirchen. „Es ist deshalb unsere Pflicht und Schuldigkeit, unsere bestehenden Kirchen zu erhalten“, betonte er. Das sieht auch der ehemalige Wirtschaftsminister Franz Pschierer so, der ebenfalls zum offiziellen Abschluss der Arbeiten ins Kloster gekommen war. „Kneipp ist von überregionaler Bedeutung, die Klosterkirche ist von überregionaler Bedeutung“, sagte er. „Es ist wichtig, dass Kneipps Wirkstätte für die Zukunft vorgehalten wird.“

Kneipp kam 1855 als Beichtvater ins Kloster der Dominikanerinnen und führte von dort aus seine Wasser-Therapie zu weltweiter Bekanntheit. 1897 starb Kneipp im Kloster, eine Gedenktafel an der Außenmauer zeigt an, wo sein Sterbezimmer lag.

Von der Leistung der Restauratoren zeigte sich Architekt Kunz restlos begeistert. Dass man solche Kunstwerke so es geht schützen muss, machte er ebenfalls deutlich. „Man kann heute nicht mehr sagen, man heizt die Kirchen nicht mehr; es wäre aber das Beste“, sagte er. „Die Raffinesse des Stucks im gesamten Kloster ist toll.“

Besucher der Kirche sind beeindruckt von der farbenfrohen Gestaltung der Stuckdecken oder den barocken 3D-Gestaltungen, die etwa Putten zeigen, die augenscheinlich ihr Fresko „verlassen“ und in den Raum ragen. Zur Stabilisierung der Stuckdecken kam auch Hanf zu Einsatz, wie Kunz sagt. „Man kann es gar nicht ermessen, was da dahintersteckt“, lobte Miller. Die Restauratoren machten zudem eine Entdeckung. Im Altargebilde in der Schwesternkirche fanden sie die Jahreszahl 1722. „Vermutlich das Jahr der Fertigstellung der Arbeit“, vermutet Kunz. Kirchenbesucher können sich nun wieder ungehindert an den Arbeiten der Zimmermann-Brüder in der Kirche des Vorarlberger Baumeisters Franz Beer erfreuen.

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