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Türkheim

30.07.2020

Ein „Manager“ für Türkheims Senioren

Zahlreiche Zuhörer, darunter auch Pfarrer Martin Skalitzky, hatten sich zur Marktratssitzung eingefunden. Mit dem Thema Seniorenarbeit und Kraftwerkbau gab es auch zwei diskutierte Themen.
Bild: Wilhelm Unfried

Plus Auch wenn bald ein hauptamtlicher Quartiersmanager sich um die Bedürfnisse der älteren Türkheimer kümmern soll – der langjährige Seniorenbeauftragte Johannes Hassmann soll der Seniorenarbeit erhalten bleiben.

Einen weitgehenden Beschluss fasste der Marktrat in seiner jüngsten Sitzung. Der Markt solle sich bemühen, im Förderprogramm „Sela“ (Selbstbestimmtes Leben im Alter) des Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales aufgenommen zu werden. Dabei geht es um die Anschubfinanzierung eines Quartiermanagements, das sich insbesondere um die Bedürfnisse älterer Menschen beschäftigt.

Der "Quartiersmanager" soll sich um die Türkheimer Senioren kümmern

In der Praxis bedeutet dies, dass im Rathaus eine Stelle geschaffen wird, die sich um die Seniorenarbeit im Ort hauptamtlich kümmern wird. Gefördert wird diese Stelle für vier Jahre, sollten die Räte vom Wirken des Quartiermanagers überzeugt sein, so hat die Kommune die Kosten dann alleine zu tragen.

„Die Menschen werden immer älter“, stellte Hubert Plepla von der Koordinierungsstelle für ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept beim Landratsamt Unterallgäu fest. Und dies treffe auch auf Türkheim zu. Sei das Durchschnittsalter aller Türkheimer 2017 noch bei 44,7 Jahre gelegen, so werde dies bis zum Jahre 2037 auf 48,6 Jahre steigen. 55,5 Prozent der Bevölkerung seien dann älter als 65 Jahre.

Dies habe natürlich Folgen. Plepla fasste die gesellschaftspolitischen Probleme wie folgt zusammen: Junge Menschen werden in die Zentren abwandern, die Gesellschaft wird mit den bekannten Folgen wie Demenz älter. Wir brauchen einen Ausbau des Pflege- und Beratungsbereiches. Auf der anderen Seite wird es aber auch viele fitte Senioren geben, die sich in die Gesellschaft mit ihrem Wissen einbringen können.

Plepla betonte, dass Türkheim für die Veränderungen gut aufgestellt sei. Im Markt gebe es eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen, über die Pflege bis zur Nachbarschaftshilfe, und seit vielen Jahren einen äußerst agilen Seniorenbeauftragten. Dazu komme ein großes Angebot von Seiten der Kirche, Kultur und aus dem Sport. Der Seniorenbeauftragte Johannes Hassmann komme aber nun an seine (Alters-) Grenzen und möchte langsamer tun. „Wir brauchen im Rathaus eine hauptamtliche Anlaufstelle und Beratung in einer Person“, warb Plepla für sein Konzept.

Hubert Plepla

Er verwies auf die Erfolge in den umliegenden Orten, 14 Kommunen hätten sich schon gemeldet. Ziel sei es, alle Generationen in ein Boot zu holen. Dabei solle der Quartiersmanager auf keinen Fall das Ehrenamt ersetzen, sondern alles vernetzen. Und Pepla nannte einen riesigen Bereich, in dem man tätig sein könne: Projekte zur Nachbarschaftshilfe, Wohnberatung, Prävention und Demenzhilfe. Weiter regte er einen runden Tisch für die Seniorenarbeit an. Und wichtig sei auch, die politischen Entscheidungsträger wie den Marktrat auf dem Laufenden zu halten.

Die Wunschliste der Türkheimer Senioren ist lang

Plepla erinnerte weiter an eine Umfrage über die Stärken und Schwächen der Seniorenarbeit in Türkheim. Pepla nannte nur einige Wünsche wie Wohnen mit Grundversorgung, Tagespflege, die Verfügbarkeit von häuslichen Dienstleistungen oder schlicht und einfach ein Mittagstisch. Ein weiterer Schwerpunkt sei die Unterstützung von Mobilität im Alter.

Der Referent riet den Markträten, sich an dem Förderprogramm zu beteiligen. In den ersten vier Jahren habe der Markt bis zehn Prozent der Kosten zu tragen. Insgesamt könne es auf vier Jahr bis zu 80.000 Euro geben. Voraussetzung sei allerdings die Erarbeitung eines schlüssigen Seniorenkonzeptes.

Marktrat Josef Vogel war zu Beginn der Debatte von der Notwendigkeit der neuen Stelle noch nicht ganz überzeugt. Johannes Hassmann habe seine Sache sehr gut gemacht. Brauche man nun aber einen bezahlten Nachfolger? Und er bat, Hassmann reden zu lassen. Der Seniorenbeauftragte meinte, das Wichtigste sei ein Ansprechpartner im Rathaus. Es gebe Dinge, die man im Ehrenamt nicht lösen könne, dazu gehörten altersgerechte Wohnungen oder so einfache Dinge wie öffentliche Toiletten im Ortskern.

Lesen Sie dazu auch: Hans Hassmann macht weiter

Weiter brauche man aber auch einen neuen Seniorenbeauftragten, der mit neuen Ideen an die Arbeit gehe. Dies veranlasste Bürgermeister Christian Kähler zu der Bitte, dass Hassmann auch in Zukunft der Seniorenarbeit erhalten bleibe. Und der neue Quartiersmanager sitze nicht nur im Rathaus, er erhalte eine Stellenbeschreibung und müsse mitarbeiten.

Hans Hassmann

Von einer anderen Seite betrachtete zweiter Bürgermeister Franz Haugg das Problem. Die Seniorenarbeit sei dank Hans Hassmann bisher gut gelaufen. Das Gremium müsse sich die Frage stellen, ob man die neue Stelle auch schaffen würde, wenn es die Anschubfinanzierung nicht geben würde.

Denn es sei klar, die Stelle werde nach den vier Jahren nicht mehr abgeschafft. Rätin Michaela Vaitl-Scherer sah schon in die weitere Zukunft und meinte, nicht nur die Seniorenarbeit gelte es zu bündeln. Auch für die Jugend müsse was getan werden und sprach ein Repair-Café an.

Schließlich sprach sich das Gremium einstimmig dafür aus, sich bei dem Förderprogramm „Sela“ anzumelden und bei Aufnahme ins Programm die Stelle des Quartiermanagers zu schaffen.

Lesen Sie dazu auch: Seniorenarbeit soll belohnt werden

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