Newsticker

Spahn: Bisher wurden rund 300 Corona-Infektionen über die App gemeldet
  1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Ein Naturschutzgebiet dank der Bauern

Pfaffenhausen

11.06.2019

Ein Naturschutzgebiet dank der Bauern

Eine Infotafel erklärt, was für ein vielfältiger Lebensraum das Pfaffenhausener Moos ist. Das 40 Hektar große Naturschutzgebiet wird von Landwirten gepflegt.
Bild: Stoll

Nur weil sich Landwirte für das Pfaffenhauser Moos einsetzen, kann das Naturjuwel mit seinen seltenen Tier- und Pflanzenarten geschützt werden.

Das Bienenvolksbegehren hat viele Bauern im Unterallgäu tief in ihrer Ehre getroffen. Bei ihnen verfestigte sich der Eindruck: Nur die Landwirte werden für den Artenrückgang verantwortlich gemacht, und alle anderen waschen ihre Hände in Unschuld. Dass Bauern aber selbst größtes Interesse an einer intakten Natur haben, spielte in der Debatte kaum oder gar keine Rolle.

Das Naturschutzgebiet Pfaffenhauser Moos ist so ein Beispiel, das es ohne den Einsatz von Landwirten so wohl nicht gäbe. 40 Hektar Feuchtmoor werden hier von drei bis vier Landwirten fachmännisch gepflegt. Einer von ihnen ist Josef Eisenmann aus Kammlach. Vor 20 Jahren hat er seinen Betrieb bereits auf ökologischen Landbau umgestellt. 5000 Legehennen hält er und verkauft ausschließlich Bio-Eier. Die Arbeit für das Pfaffenhauser Moos ist ihm Herzensangelegenheit genauso wie zweites wirtschaftliches Standbein. 15 Euro zahlt der Landschaftspflegeverband pro Stunde, den Jens Franke managt. In ihm sind 44 der 52 Gemeinden des Landkreises Mitglied. Wichtigste Aufgabe: Naturschutzflächen zu erhalten. 30 bis 35 Landwirte helfen hier regelmäßig mit. Ohne ihren großen Einsatz, sagt Franke, wäre dieser Naturschutz nicht möglich.

Die Feuchtwiesen bei Pfaffenhausen werden nicht oft gemäht

Ein- bis zweimal im Jahr müssen die Feuchtwiesen in diesem schützenswerten Naturraum gemäht werden, der dem Landkreis Unterallgäu gehört. Das geschieht zum ersten Mal relativ spät ab Juli. Damit haben Brutvögel die Chance, Nachwuchs großzuziehen. Zwei bis drei der wiesenbrütenden Kiebitzpaare hat Franke heuer schon gesichtet. Aber vor allem auch seltene Gräser wie das vom Aussterben bedrohte zierliche Wollgras oder der Wiesenknöterich können so Samen ausbilden. Das Gras wird schonend mit Messern gemäht und nicht durch ein Kreiselmähwerk halb zerschreddert. Es wird auch kaum gewendet und bleibt so lange liegen, bis es trocken ist, sagt Eisenmann.

Ein Naturschutzgebiet dank der Bauern

Weil die Wiesen sehr feucht sind, brauchen die Traktoren Gitterräder, also eine Spezialbereifung, damit sie nicht versinken. Eisenmann besitzt sogar einen eigenen Mähtruck mit Zwillingsreifen auf beiden Achsen, um die Wiesen möglichst schonend zu bearbeiten.

200 verschiedene Pflanzenarten leben auf dem Moor, sagt Franke. Das sind deutlich mehr als auf einer landwirtschaftlich intensiv genutzten Wiese. Allerdings hat sich die Tierart Blauhelme, eine Libellenart, nicht gehalten. Der Biber hat die Beschaffenheit des Moores im Erlenwäldchen so verändert, dass diese Libelle hier nicht mehr lebt.

Seltene Kiebitze sind im Moos bei Pfaffenhausen zu sehen

Kiebitze brüten zunehmend auch auf Ackerflächen. Da zeigten sich die allermeisten Bauern sehr aufgeschlossen, dem seltenen Kiebitz zu helfen, sagt Jens Franke. Schon mit einer verspäteten Aussaat nach dem 21. Mai sei oft geholfen. „Jeder, den ich frage, macht mit.“ Und wer auf seinen Flächen ein Wiesenbrüternest ausmacht und es besonders schützt, bekommt obendrein 50 Euro als Prämie.

Das gemähte Gras muss aus dem Niedermoor nördlich von Pfaffenhausen entfernt werden. Der Grund: Die Beschaffenheit der Magerböden würde sich im Laufe der Zeit verändern, wenn die Nährstoffe nicht entfernt würden. Das Heu geht dann meist an Pferdehalter. Die sind froh über die gute Qualität des Heus, das sogar Insekten von den Pferden abhalten soll.

Die Bauern, die hier im Moos mithelfen, tun das aus Idealismus. Ein junger Landwirt aus Pfaffenhausen will künftig auch mitmachen. Er hat zwar daheim auf seinem Hof genug zu tun. Das Pfaffenhauser Moos ist ihm aber schon seit Kindheitstagen ans Herz gewachsen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren