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Zaisertshofen

30.08.2018

Ein Pfarrer aus Kampala für Zaisertshofen

In Kampala, der Hauptstadt von Uganda, ist die Bildung von Slums ein großes Problem. Pfarrer Yiga versucht, mit seinen Projekten die Missstände zu bekämpfen.
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In Kampala, der Hauptstadt von Uganda, ist die Bildung von Slums ein großes Problem. Pfarrer Yiga versucht, mit seinen Projekten die Missstände zu bekämpfen.
Bild: Lippmann

Pfarrer Gerald Yiga aus Uganda vertritt seinen Kollegen Richard Dick im Unterallgäu. Hilfsprojekte in Afrika liegen ihm besonders am Herzen.

Wenn man in den Urlaub fährt, muss ein anderer Mitarbeiter die Arbeit übernehmen. Während die meisten Leute auf einen direkten Kollegen zurückgreifen, holt sich Pfarrer Richard Dick Hilfe aus Afrika. Für vier Wochen übernimmt Pfarrer Gerald Yiga aus Uganda seine Aufgaben in der Pfarreiengemeinschaft Mattsies.

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Yiga ist zum neunten Mal als Vertretung in Deutschland. Sein Interesse an diesem Land sei schon immer groß gewesen, erzählt er. Besonders spannend fand er es, über die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu lesen. „Es ist unglaublich, wie die Menschen dieses zerstörte Land wieder aufgebaut haben, das wollte ich unbedingt mit eigenen Augen sehen“, sagt Yiga.

Seine Predigten in Zaisertshofen und Mattsies liest er von einem Zettel ab

Aufgewachsen ist er in Uganda in einer katholischen Familie. Zwei seiner Onkel sind ebenfalls Priester und der Glaube hat bei ihm schon immer eine zentrale Rolle gespielt. Seine Eltern finanzierten ihm das Theologiestudium, das er später in Belgien abgeschlossen hat.

Ein Pfarrer aus Kampala für Zaisertshofen

Da die Amtssprache in Uganda Englisch ist, sei er an der Universität in Belgien gut zurechtgekommen. Hier wurde meistens Englisch gesprochen. Deutsch hat er sich Anfang der 90er Jahre mithilfe von Büchern und Kassetten selbst beigebracht. Seine Predigten in Zaisertshofen oder Mattsies liest er von einem Zettel ab. Das funktioniere sehr gut und die Leute würden auch alles verstehen, erzählt der Pfarrer.

Der Kontakt zur Pfarreiengemeinschaft wurde über die Diözese Augsburg hergestellt. Dort hatte sich Yiga als Vertretung beworben. Danach hatte er mit verschiedenen Pfarrern Kontakt, bis er letztendlich im Unterallgäu gelandet ist. Untergebracht ist er in einem Haus der Familien Schmidt und Ruf in Zaisertshofen.

In Kampala versucht er, Prostituierten ein anderes Leben zu ermöglichen

Wenn er im Sommer in den Ort kommt, liegt ihm eine Sache besonders am Herzen: die Spenden für seine sozialen Projekte in Uganda. Yiga ist in der Hauptstadt Kampala tätig. Dort versucht er, junge Mädchen, die als Prostituierte arbeiten müssen, aus den Slums zu holen. Viele sind Waisen und haben auch sonst keine Verwandten, die sie aufnehmen könnten. Im vergangenen Jahr haben sich 24 hilfesuchende Mädchen bei ihm gemeldet. „Ein großes Problem ist bei uns die Krankheit HIV“, sagt der Pfarrer. Viele junge Frauen sind damit infiziert, obwohl es laut Yiga nicht an der Beratung mangelt. Die Informationen seinen zwar da, aber aufgrund ihrer Armut bleibe den Mädchen trotzdem nichts anderes übrig, als sich selbst zu verkaufen. Dadurch steige das Risiko, sich mit HIV anzustecken.

Durch Pfarrer Yigas Arbeit werden die Mädchen gemeinsam in einem Haus untergebracht. Dort lernen sie praktische Fertigkeiten wie Nähen oder Kochen und erhalten zudem eine Schulausbildung. Der Pfarrer hat ein bestimmtes Ziel: „Wir wollen den Mädchen nützliche Dinge beibringen, damit sie selbstständig leben können.“ Stolz erzählt Yiga, dass es eines der Mädchen sogar an die Universität geschafft hat und im Abschlusssemester Mikrofinanzen studiert. Ob sie danach in das Haus zurückkehre und Pfarrer Yiga unterstütze, sei noch unklar. Ein anderes Mädchen macht eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. „Einige sind sehr dankbar für die Unterstützung, aber manche schaffen es auch nicht und kehren doch wieder zurück in die Slums“, erzählt Yiga.

Die Pfarreiengemeinschaft Mattsies unterstützt die Projekte

In einem weiteren Projekt arbeitet er an dem Bau einer Schule. Bis jetzt ist zwar nur das Erdgeschoss fertig, unterrichtet wird aber trotzdem schon. Allerdings fehle das Geld, um weiterzubauen. Auch gäbe es genug potenzielle Lehrkräfte, aber keine Mittel, um diese entsprechend zu bezahlen. Der Pfarrer unterrichtet deshalb teilweise selbst: Religion, aber auch Englisch, Schreiben, Rechnen und Lesen.

Finanzielle Unterstützung erhielt Yiga bis Ende des vergangenen Jahres von der Diakon-Don-Stiftung aus Amerika. Als der Gründer, Diakon Don Leach, allerdings Ende 2017 starb, wurden die Mittel knapp. Deshalb ist Yiga jetzt auf private Spenden angewiesen.

Die Kollekte in der Pfarrgemeinschaft Mattsies gehen zu diesem Zweck während seines Aufenthalts an den Pfarrer. Außerdem erhält er einige Spenden von Gemeindemitgliedern. Dafür sei er sehr dankbar, sagt Yiga.

Vortrag Pfarrer Yiga spricht am Donnerstag, 30. August, um 20 Uhr im Bürgersaal in Tussenhausen über seine Projekte in Afrika.

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