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Politik

16.08.2017

Ein Plädoyer fürs Vorausdenken

An Visionen der 90er Jahre und was daraus geworden ist, erinnert Hans Mayer, der früher CSU-Fraktionschef im Kreistag war.
Bild: jsto

Der frühere CSU-Fraktionschef im Kreistag, Hans Mayer, erinnert an die Arbeitskreise im Unterallgäu aus den 90er Jahren. Viele Ideen wurden umgesetzt.

Es gibt Menschen, die sprudeln immer vor Ideen. Sie führen gerne Satzfragmente dieser Art im Munde: „Man müsste mal...“, „Man könnte doch...“ Wer das hört, darf gewiss sein: Hier wird nichts geschehen. Alles bleibt, wie es ist. Um wirklich etwas voranzubringen, „braucht es Vision und Strategie“. Diese Erkenntnis hat der langjährige CSU-Fraktionsvorsitzende im Kreistag, Hans Mayer aus Dirlewang, von einem Vortrag mitgebracht, den ein Computerexperte vor vielen Jahren auf der Allgäuer Festwoche gehalten hat. Nur mit Vision und Strategie lassen sich Dinge zum Besseren wenden.

Als in der Mindelheimer Zeitung vor ein paar Tagen in einem Debattenbeitrag zu lesen war, dass die hiesige Kommunalpolitik zwar gut im Alltagsgeschäft sei, aber keine Visionen mehr wage, stimmte Mayer spontan zu. Mayer, heute 76 Jahre alt, erinnerte ans Jahr 1992. Damals war die Frage aufgeworfen worden, was mit alter bäuerlicher Bausubstanz auf den Dörfern geschieht, wenn die Höfe aufgegeben werden. Das Thema ist heute noch genauso aktuell wie damals.

Die Idee war, ein Bauernhofprogramm zu entwickeln, um auf diese Weise dieses kulturelle Erbe besser erhalten zu können. Für Pfarrhöfe gab es so etwas ja schon.

Ein Plädoyer fürs Vorausdenken

Das war der Anfang für ein grundsätzliches Nachdenken über den Landkreis. Professor Lothar Zettler war von Anfang an enger Begleiter dieses Prozesses, der über drei Jahre ging, wie sich Mayer erinnert. In zehn Arbeitskreisen dachten Kreisräte, Bürgermeister und interessierte Bürger darüber nach, wie sich das Unterallgäu weiterentwickeln sollte.

Das Unterallgäu-Programm sollte eine Richtung vorgeben

Allen war klar, dass die Ergebnisse nicht eins zu eins umgesetzt werden müssen und schon gar nicht innerhalb kürzester Zeit. Aber mit diesem „Unterallgäu-Programm“ sollte eine Richtschnur für das Handeln der nächsten Jahre und Jahrzehnte erarbeitet werden.

Es gab auch Kritiker, die nicht davon überzeugt waren, dass das der richtige Weg ist. Zu teuer, bringt doch eh nichts – das waren noch die harmloseren Kommentare, wie sich Mayer erinnert. Es ging in den Arbeitskreisen um Wirtschaft, um Straßenbau, um Energieversorgung, um Vereine. „Es wurden praktisch alle Politikfelder abgedeckt“, sagt Mayer heute.

Und was hat es gebracht? Zum Beispiel die „Unterallgäu Aktiv GmbH“. Auf Basis der Ergebnisse aus den Arbeitskreisen war einer Mehrheit im Kreistag einsichtig, dass eine solche Einrichtung sinnvoll ist. Millionen Euro an EU-Fördermitteln, sogenannte „Leader+“-Mittel, konnte diese Gesellschaft seit ihrer Gründung bereits in den Landkreis lotsen.

Ein Werkzeugkasten, um das Ortsbild zu pflegen

Auch dass es heute Klimaschutzmanager beim Landkreis und in der Stadt Mindelheim gibt, war damals bereits vorgedacht worden. Dass die Dorfkerne aufgewertet werden sollten, wurde erkannt. Hier fehlt es bislang aber noch an einem wirkungsvollen Instrument ähnlich der Städtebauförderung bei Städten. Auch der Werkzeugkasten für die Ortsbildpflege, die Innenentwicklung der Dörfer ist in einem der Arbeitskreise entwickelt worden. Heuer im Februar wurde das Werk im Kreistag vorgestellt. Eine Erkenntnis sei damals gewesen, dass Gemeinden Bebauungspläne für ihre innerörtlichen Zonen aufstellen. In Westerheim zum Beispiel sollte in einem aufgelassenen Bauernhof ein Wohnhaus für 24 Parteien gebaut werden. Den Charakter des Dorfes hätte das spürbar verändert, sagt Mayer.

Die Herausforderungen heute ist für Mayer die soziale Situation im Dorf. Früher gab es in jedem Dorf ein Armenhaus. Diese Häuser seien alle aufgelöst worden. Mayer glaubt aber, dass die Gemeinden hier wieder aktiv werden sollten – für junge Familien und Ältere, die wenig haben.

Der zweite Bereich, der Antworten erfordert, sind der Umweltschutz und die Landwirtschaft. „Wir leben in einem Hochleistungslandkreis“, sagt Mayer. Die Milchviehbetriebe würden immer größer, die Natur leide. Landwirte müssten stärker dafür belohnt werden, wenn sie die Natur schützen. Dafür braucht es Visionen, sagt Hans Mayer.

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