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Funde in Bad Wörishofen

25.04.2015

Ein Stück Stadtgeschichte mitten im Wald

Einer der gezeigten Brunnen ist aufwändig überdacht.
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Einer der gezeigten Brunnen ist aufwändig überdacht.
Bild: Franz Issing

Verschönerungsverein restauriert drei Hausbrunnen in der alten Siedlung Hinterhartenthal. Zu sehen an der Allee der Jahresbäume

Bei der Rekonstruktion der drei „Fundstücke“ fanden auch etwa 600 Handschlagziegel Verwendung, die im Originalmaß gefertigt und besonders gebrannt wurden, damit sie Feuchtigkeit und Frost stand halten. Neben ehrenamtlicher Arbeit investierte der Verschönerungsverein mehr als 5000 Euro in das Brunnenprojekt. „Wir wollten die Erinnerung an die Höfe und ihre Bewohner dauerhaft wach halten“, begründete Vorsitzender Michael Scharpf sein Engagement und das seiner Mitstreiter. Mit den drei ehemaligen Hausbrunnen, die gestern der Öffentlichkeit übergeben wurden, ist der beliebte Rundweg im Wörishofer Stadtwald um eine geschichtliche Komponente reicher. Wo war das eigentlich, dieses Hinterhartenthal? Wie wurde es zu einem geschlossenen Waldgebiet? Michael Scharpf hat gründlich recherchiert und erzählte eine spannende, streckenweise recht abenteuerliche Geschichte von dem einstigen Höfen und ihrer Bewohner. Danach wurde die Gegend schon recht früh besiedelt. Funde von Steinwerkzeugen, Ende der 50er Jahre im Hartental ausgegraben belegen dies. Erstmals erwähnt ist die Siedlung in einem sogenannten „Urbar“ des Dominikanerinnenklosters St. Katharina in Augsburg. Darin ist von „Hettental und die neuen Höfe“ die Rede. Aus „Hettental“ wurde in einem weiteren „Urbar“von 1781 schließlich „Hattental“. Erst im 19. Jahrhundert unterschied man zwischen Vorder- und Hinterhartenthal. Mit Bestimmtheit, so Scharpf leitet sich der Ortsname nicht von „Hart am Tal“ ab, wie man anno 1900 glaubte.

Bei so viel Historie lag es nahe auch gleich den Baum des Jahres, einen Feldahorn zu pflanzen. „Hallo neuer Baum, welch ein Traum“, begrüßten die Kneipp-Wichtel aus der Gartenstadt den „Zuwachs“ an der Alle der Jahresbäume. Mit vielen fachkundigen Helfern griffen die Kleinen zu Gießkanne und Spaten. Dass viele Kinder nur noch in einer virteuellen Welt leben und zum Wald und den darin lebenden Tieren keinen Bezug mehr haben, wurde von Ex-Staatsminister Josef Miller, dem Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Bayern sehr bedauert. Seine Erholungsfunktion dem Nachwuchs wieder näher zu bringen, sagte er sei Gebot der Stunde. „Schließlich, so Miller würden die Menschen nur das schätzen was sie kennen und das würden sie auch schützen.

Was es mit dem Feldahorn „dessen Früchte haben Kinder früher immer als Nasenzwicker ins Gesicht geklebt“– so alles auf sich hat, wußte der Mindelheimer Forstdirektor Rainer Nützel. Für ihn ist der Jahresbaum „ein Musterbeispiel für aktiven Naturschutz im Wald“. Nicht anders sah die auch der Ottobeurer Forstbetriebsleiter Hermann Walter. „Gerne unterstützen wir die Erweiterung der Allee der Jahresbäume“. Der 1999 eröffnete und bei Einheimischen und Kurgästen gleichermaßen beliebte Kneipp-Waldweg sei wieder um ein „grünes Schmuckstück“ reicher“, freute sich Bürgermeister Paul Gruschka.

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