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Aktionstag

20.06.2012

Ein Zeichen gegen rechte Gewalt

Journalist Robert Andreasch machte beim Aktionstag gegen Rechts Station im Jugendcafé Frox in Mindelheim und klärte die Zuhörer auf.
Bild: abar

Journalist Robert Andreasch informiert im Mindelheimer Jugendcafé Frox über Rechtsextremismus

Mindelheim So viele Jugendliche hatte Christian Steinle gar nicht im Frox erwartet: Mit einem Aktionstag gegen Rechts wollte er das Thema bei anderen jungen Menschen ins Gedächtnis rufen. Mehr als 90 Personen hatten per Facebook ihr Kommen zugesagt, am Ende waren immerhin knapp 50 Jugendliche und Erwachsene im Mindelheimer Jugendcafé versammelt. Im Rahmen des Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) beim Kreisjugendring Unterallgäu hat Steinle die Veranstaltung unter dem Motto „Bunt statt Braun“ organisiert. Szenekenner Robert Andreasch hielt zunächst einen Vortrag über Rechtsextremismus in Süddeutschland, im Anschluss folgte ein Konzert mit „New Tenants“ und „Bloody Pressack“.

Ein Schwerpunkt von Andreaschs Arbeit als Journalist ist die rechte Szene in Süddeutschland. Mit vielen Fotos und Beispielen zeichnete er ein ausführliches Bild des Rechtsextremismus und ging dabei vor allem auf die Rolle Bayerns ein.

Die Szene lasse sich heute nicht mehr so klar definieren wie noch vor einigen Jahren. Der Trend gehe weg vom Skinhead mit Glatze und Springerstiefeln. Angehörige von Subkulturen vereinten rechtes Gedankengut in sich, ohne dass sie dies ganz offen zeigen würden. „Die Nazi-Szene hat sich vervielfältigt und ausdifferenziert“, sagt Andreasch, der viele Nazi-Aufmärsche in Deutschland und im Ausland journalistisch begleitet. Mittlerweile seien nationalsozialistische Gedanken auch unter Hip-Hoppern und Skatern immer mehr verbreitet.

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Im Unterallgäu gebe es zwar keine solch aktive und offene Nazi-Szene wie in ostdeutschen Bundesländern, doch gerade hier werden rechte Ideologien oft verharmlost, so Andreasch. Ein Grund sei auch, dass die rechte Szene oft relativ unorganisiert auftrete. Dennoch: „Es gibt einen großen Anteil an Jugendlichen, die sich zwar von Neonazis distanzieren, dafür aber ein extrem rückwärts gewandtes Gedankengut in sich tragen“, meint Andreasch. Das äußere sich oft in Sexismus oder Feindseligkeit gegenüber Schwulen und Lesben. Die Gefahr hierbei sei, dass viele, auch die Behörden, die rechte Szene zunehmend verharmlosen würden.

In Mindelheim ist die sogenannte „Allgäu-Schwäbische Kameradschaft“ ASK angesiedelt. Aus dieser Gruppe gründet sich auch die Rockband „Faustrecht“. Im Raum Memmmingen ist die Skinhead-Kameradschaft „Voice of Anger“ aktiv. Rechtsradikale Organisationen bauen bewusst ein Image der Harmlosigkeit auf, sagte Andreasch: „Die extreme Rechte möchte zur Gesellschaft dazugehören.“ Mit Prospekten für Familienfreundlichkeit werben sie, auch Frauen gehören zur Zielgruppe. Aber auch als Rebellen, als Kämpfer gegen den Mainstream der Gesellschaft, stilisieren sich radikale Gruppen gerne, um gerade auf Jugendliche attraktiv zu wirken.

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