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Jubiläum in Mussenhausen

15.11.2017

Ein außergewöhnliches Heim wird 100 Jahre alt

Im Laufe der Jahre hat sich das Marienheim in Mussenhausen auch optisch stark verändert: So sieht das Pflegeheim heute aus ...
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Im Laufe der Jahre hat sich das Marienheim in Mussenhausen auch optisch stark verändert: So sieht das Pflegeheim heute aus ...
Bild: Marienheim

Das Marienheim in Mussenhausen feiert Geburtstag. Bischof Zdarsa und zahlreiche Gäste würdigen die Arbeit der „Schwestern vom Heiligen Kreuz“

Viele Unterallgäuer, nämlich rund 6200, ernten regelmäßig fragende Blicke, wenn sie außerhalb des Landkreises nach ihrem Geburtsort gefragt werden. „Mussenhausen? Wo ist denn das?“, hören sie häufig und können die Verwunderung ihres Gegenübers noch beträchtlich steigern, wenn sie erklären, dass es sich dabei um einen Ortsteil von Markt Rettenbach mit derzeit rund 250 Einwohnern handelt. Dort soll es einmal eine Geburtsstation gegeben haben? Ja, allerdings. Und außerdem ein Senioren- und Pflegeheim, eine Haushaltungsschule, eine Art Kinderhort und einen sehr frühen Vorläufer heutiger Jugendcafés, kurz: das Marienheim.

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Dessen Anfänge liegen inzwischen 100 Jahre zurück: „Es hat ganz klein angefangen – mit einem Saal für die Jugend und einem Raum für die Schwestern“, erinnerte Pfarrer Guido Beck bei einer Feierstunde an die ersten Tage des Marienheims. Der Saal jedoch ist seit 1958 Geschichte – und das ursprüngliche Marienheim seit einigen Jahren ebenfalls: Nach mehreren Erweiterungen wurde es zwischen 2005 und 2009 durch einen Neubau ersetzt. Heute ist das Marienheim eine Einrichtung für vollstationäre Pflege, Kurzzeit- sowie Tagespflege, getragen von der Stiftung Heilig Kreuz in Altötting.

Die Festlichkeiten zum Jubiläum eröffneten die „Schwestern vom Heiligen Kreuz“ nach einem Festzug mit einem Gottesdienst. Zu Gast war Bischof Konrad Zdarsa, der an die Ursprünge der Kirche und die Nächstenliebe erinnerte und dazu aufforderte, sich stets um diese zu bemühen.

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Einander Güte und Milde schenken, diese Botschaft stellte auch Heimleiterin Clarissa Thannbichler bei der Lesung ins Zentrum. Bischof Zdarsa erkannte im Wirken der Ordensgemeinschaft im Marienheim Mussenhausen und in der Betreuung Pflegebedürftiger das Grundmuster des gelebten Glaubens. Gekommen waren auch Priester und Geistliche, die in der Vergangenheit im Marienheim und in der Wallfahrtskirche „Maria vom Berge Karmel“ gewirkt hatten, außerdem die Dekane für die Bezirke Mindelheim und Memmingen, Andreas Straub und Ludwig Waldmüller, sowie der Ottobeurer Abt Johannes Schaber.

Ein Heim, das dem Landkreis gutgetan hat

Als extrem bedeutsam stellte Geschäftsführer Konrad Pape das gute Miteinander im Dorf heraus: Viele Ehrenamtliche engagierten sich für das Heim und auch die Mitarbeiter kommen nach seinen Worten aus der Nähe. Pape erinnerte an den Bau des neuen Marienheims. Diese Investition sei für den Orden ein großer Schritt gewesen.

Den „Schwestern vom Heiligen Kreuz“ dankte Markt Rettenbachs Bürgermeister Alfons Weber für ihre „karitative Nächstenliebe von der ersten Stunde an“. Selbst in schweren Zeiten habe der Orden Mussenhausen die Treue gehalten. Die Gesellschaft werde daran gemessen, wie sie mit kranken, schwachen und alten Menschen umgehe, unterstrich Weber: „Hier im Marienheim finden sie Geborgenheit, Schutz und Sicherheit.“

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke hob hervor, wie bedeutsam es sei, „Gesundheitsstandorte in der Region zu haben“. Hinzu komme, dass Pflege für ein Altern in Würde eine zentrale Rolle spiele. Auch der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather äußerte seinen Dank: „Die hundert Jahre Marienheim haben dem Landkreis gutgetan.“

Aus kleinsten Anfängen ist für die Provinzoberin der „Schwestern vom Heiligen Kreuz“, Schwester Chiara Hoheneder, „ein großartiges Werk der Nächstenliebe“ entstanden: „Wir feiern eine Geschichte, in der es um die Würde der Menschen geht.“ Sie gab einen Einblick in diese Geschichte: 1922, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, bewerkstelligten die Schwestern einen Erweiterungsbau und richteten eine Haushaltungsschule ein. Als ihnen die Erziehungsarbeit 1940 verboten wurde, nahmen sie zwölf teils pflegebedürftige Umsiedlerinnen aus Südtirol auf: der Beginn der stationären Pflegeeinrichtung.

Zehn Jahre später wurde dann im Erdgeschoss die Entbindungsstation eingerichtet, die 34 Jahre lang untrennbar mit dem Namen des Mindelheimer Gynäkologen und Chirurgen Dr. Hermann Kratzer verbunden war. Waren anfangs drei Schwestern vor Ort tätig, so wirkten später zeitweise bis zu 26 Schwestern im Marienheim, aktuell sind es zwölf.

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