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Türkheim

26.07.2020

Ein deutliches Nein zum geplanten Wertach-Wasserkraftwerk

So idyllisch lieben die Türkheimer „ihre“ Wertach am sogenannten Walterwehr – und so idyllisch soll es auch bleiben. Zumindest wenn es nach dem Willen des Gemeinderates geht, der sich jetzt mit großer Mehrheit für einen Planungsstopp des an dieser Stelle geplanten Wasserkraftwerkes ausgesprochen hat.
Bild: Wilhelm Unfried

Plus Nur zwei Gemeinderäte stimmen gegen die „Willensbekundung“ für einen Planungsstopp. Das Problem: Der Markt hat auf das Genehmigungsverfahren keinen Einfluss.

Fast einstimmig nahm der Marktrat in seiner jüngsten Sitzung einen Antrag von Dritter Bürgermeisterin Gudrun Kissinger-Schneider (Grüne) in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Bund Naturschutz und Marktrat Stefan Gaschler ( CSU) als Vorsitzender des Fischereivereines Türkheim an.

In der Erklärung wird gefordert, die Planungen zum Ausbau des bestehenden Kraftwerkbetriebes am Walterwehr zu stoppen (Hier erfahren Sie mehr: Geht das Wasserkraftwerk im Gemeinderat unter?). Die Antragsteller sehen keine Wirtschaftlichkeit in dem Projekt, da die Anlage nur an 120 Tagen und davon nur die Hälfte mit Volllast gefahren werden könne. Auf der anderen Seite müssten die Türkheimer auf ein beliebtes Naherholungsgebiet verzichten und gefährdete Fischarten seinen in ihrem Bestand gefährdet.

Wie schon mehrfach berichtet, möchte die Bayerische Landeskraftwerke GmbH den Kraftwerksbetrieb am Walterwehr in Türkheim erheblich ausbauen. In ihrer Willensbekundung geben die Antragsteller zwar zu, dass der Marktrat diesbezüglich kein Mitspracherecht habe, der Markt könne aber dennoch kundtun, ob er hinter diesem Projekt stehe oder es ablehne.

Das sind die Argumente gegen den Ausbau des Wertach-Wasserkraftwerks

Vor dem Marktrat vertieften Kissinger-Schneider und Gaschler ihre Argumente gegen einen Ausbau:

  • Die Bevölkerung stehe dem Projekt skeptisch gegenüber. 1300 Unterschriften gegen den Ausbau seien schon zusammen getragen.
  • Die Bevölkerung möchte dieses Naherholungsgebiet zur Erholung nutzen. Ein Zugang zur Wertach sei derzeit nur an dieser Stelle möglich.
  • Eine neue Turbine könne den Schaden am Fischbesatz nur mindern, aber nicht verhindern.
  • Nach den momentanen Planungen seien die kiesigen Laichgründe gefährdeter Fischarten, wie die Barbe, unterhalb des Wehres nicht mehr gewährleistet. Weiter würden die Winterunterstände für viele Fischarten gefährdet. Die geplante Ausleitung würde die Kiesbank durchschneiden. Die Folgen wären eine Verschlechterung des ökologischen Gewässerzustandes und eine Beeinträchtigung von Fauna und Flora.
  • Einen breiten Raum widmet die Resolution der Wirtschaftlichkeit des Projektes. Die Anlage könne überhaupt nur an 120 und davon nur 60 Tagen im Jahr in Volllast gefahren werden. Der Klimawandel werde diese Bilanz noch verschlechtern, dies stelle die Sinnhaftigkeit des Projektes infrage. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sei bis heute nicht vorgelegt.
  • Weiter verweisen die Antragsteller darauf, dass im Unterallgäuer Streckenabschnitt der Wertach 16 Kraftwerke betrieben werden. Somit seien die Kapazitäten des Flusses voll ausgenutzt. Die Menge des erzeugten Stromes stehe in keinem Verhältnis zu den Investitionskosten in Höhe von fünf Millionen Euro.
  • Kissinger-Schneider und Gaschler machen deutlich, dass für die Umsetzung der europäischen Gewässerrahmenrichtlinien das Wasserwirtschaftsamt (Kempten) zuständig sei, und nicht die Investoren. Abschließend forderten die beiden den Marktrat auf, einen „trockenen Wehrkörper“ und Zustände, wie sie sich am Irsinger Wehr entwickelt hätten, zu verhindern. Eine Mindestwassermenge, die ständig über das Wehr laufe, könne nicht garantiert werden.

Die Vorträge lösten natürlich eine heftige Diskussion aus, wobei schon bald sichtbar wurde, dass die Mehrheit der Räte für die Resolution stimmen würde. Jens Gaiser (CSU) verwies zwar auf die Wichtigkeit der Wasserkraft bei der Energiewende, „es sei aber keine gute Idee, dort an dieser Stelle ein Kraftwerk zu errichten“. 90 Prozent der Stromerzeugung aus Wasserkraft in Bayern würden die 200 größten Kraftwerke erzeugen und immerhin gebe es 4000 Wasserkraftwerke.

Der Markt hat kein Mitspracherecht beim Walterwehr

Anders sah dies Fraktionskollegin Anne Huber. Ihr seien die Argumente zu subjektiv. Etwas fatalistisch sah Myriam Erhardt (Wählervereinigung) die Sache: „Wir haben kein Mitspracherecht, selbst wenn wir uns dagegen stellen“, so ihre Meinung.

Zweiter Bürgermeister Franz Haugg (Freie Wähler) fragte, wie es nach der Annahme der Resolution weiter gehen werde. Er sah in der Prüfung der Wirtschaftlichkeit einen Hebel zur Verhinderung des Kraftwerkausbaues. Und er empfahl den Parteien, sich an ihre Abgeordneten zu hängen und davon zu überzeugen, dass das Projekt nicht notwendig sei. Die Freien Wähler hätten bereits diesen Weg eingeschlagen. Peter Ostler (Wählervereinigung) erinnerte daran, dass die Gemeinde früher ein Grundstück an das Wasserwirtschaftsamt verkauft habe.

Mit dem Verkauf habe man den Weg für den Ausbau geebnet. Er regte an, das Grundstück zurückzukaufen. Als dann Bürgermeister Christian Kähler die Stimmen zählte, kam es zu einem klaren Votum, gegen die zwei Stimmen von Anne Huber und jens Gaiser (beide CSU) stellten sich die Markträte hinter die Resolution.

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