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Mindelheim

23.12.2018

Ein ganz besonderes Geschenk der Maristenschüler

Ida Weigele, Luzia Maurus und Johanna Sardelic (von rechts) waren unter den wachsamen Augen von Ludwig Seefelder für die Schaschlikpfanne und den Paprikasalat zuständig – und wissen jetzt, dass man Pfeffer besser sparsam dosieren sollte.
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Ida Weigele, Luzia Maurus und Johanna Sardelic (von rechts) waren unter den wachsamen Augen von Ludwig Seefelder für die Schaschlikpfanne und den Paprikasalat zuständig – und wissen jetzt, dass man Pfeffer besser sparsam dosieren sollte.

Gut 30 Schüler des Maristenkollegs legen sich mit ihren Lehrern für Bedürftige aus der Region ins Zeug und bereiten ihnen einen außergewöhnlichen Abend.

Maristenkolleg Mindelheim, 15.30 Uhr: Schon seit Wochen laufen die Vorbereitungen, jetzt wird es langsam ernst. In nicht einmal mehr drei Stunden sollen rund 75 Bedürftige an den Tischen Platz nehmen, die bereits in der Pausenhalle stehen, festlich geschmückt mit Tischdecken, Tannenzweigen, roten Servietten und tönernem Weihnachtsschmuck aus dem Werkunterricht. Wie berichtet wollen die Schüler den Blick auf die Armut im eigenen Umfeld richten, mit Betroffenen ins Gespräch kommen – und ihnen mit der Einladung zum Weihnachtsessen vor allem einen schönen Abend schenken. (Lesen Sie dazu auch: Schüler des Maristenkollegs planen einen besonderen Abend)

Geplant ist ein Drei-Gänge-Menü: Salate und Häppchen für das Vorspeisenbuffet sowie eine große Auswahl an Nachtischen haben die rund 30 beteiligten Schüler von Zuhause mitgebracht. Das Hauptgericht – Schaschlikpfanne mit Nudeln – wird unter der Anleitung von Koch Ludwig Seefelder in der Schulküche frisch zubereitet. Dort ist Schnippeln angesagt: Die Lehrer Ursula Stelzer und Christian Diepold sowie dessen Frau Andrea werden in den nächsten Stunden 15 Kilo Putenfleisch in Stücke schneiden. Die Schülerinnen Johanna Sardelic und Helena Hacker stehen vor einem Berg Paprika – und Luzia Maurus, Ida Weigele und Lehrerin Birgit Weber vor der wahrscheinlich größten Herausforderung: fünf Kilo Zwiebeln.

Die Salatsoße müssen die Schülerinnen des Mindelheimer Maristenkollegs noch einmal machen

„Die schaffen wie die Wilden“, lobt Ludwig Seefelder seine Küchenkräfte, zu denen ab 16.30 Uhr auch Frater Michael gehört. Da sind Zwiebeln, Champignons und Fleisch bereits angebraten und schmurgeln in riesigen Töpfen vor sich hin. Probleme bereitet ausrechnet das, was am leichtesten erscheint: Das Nudelwasser will nicht kochen. Also fix fünf kleine Töpfe auf die Herde gestellt und schon ist das Problem gelöst. Keine Rettung gibt es dagegen für das, was eigentlich das Salatdressing hätte werden sollen. „Was ist das für eine schwarze Brühe?“, fragt Ludwig Seefelder in die Runde, greift zum Probierlöffel und dann ein wenig fassungslos zum eben noch vollen Pfefferglas, das sich verdächtig geleert hat. Hätte er das Dressing nicht bereits probiert, wäre spätestens jetzt klar: „Das muss weg, das ist völlig ungenießbar.“ Zum Glück gilt das nicht für die Schaschlikpfanne, die bereits verführerisch duftet.

Ein ganz besonderes Geschenk der Maristenschüler

Inzwischen ist es kurz vor sechs und die Anspannung greifbar. Der Punsch für den Empfang ist heiß, die Kerzen auf den Tischen sind angezündet, die Musiker – Philipp Schneider, Werner Myslik, Andreas Meidert, Sebastian Deeg, Veronika Hörmann und Tamara Demmler –, die auch den Abend begleiten werden, stehen samt Klavier im Foyer. Und endlich kommen auch die Gäste. Allerdings längst nicht alle, die sich angemeldet haben. Nach kurzer Verwirrung – was sollen nun die Schüler tun, die für die leer gebliebenen Tische zuständig gewesen wären? – haben diese dafür aber Verständnis: „Das ist für die Leute ja auch eine Art Outing“, sagt Sarah Hörberg. „Das erfordert schon auch Mut, herzukommen.“

Eine Frau sagt, sie fühle sich hier im Maristenkolleg wie im Nobelhotel

Zu denen, die ihn hatten, gehört Sonja Hannes aus Markt Wald. Seit fünf Jahren ist sie alleinerziehend und etwa genauso lange Kundin der Mindelheimer Tafel. „Das ist der Hammer, ich kann’s noch gar nicht glauben“, sagt sie, als die Musiker zu spielen beginnen und nach der Begrüßung der Schülersprecher Miriam Bernhard und Nepomuk Lorenz sowie Realschul-Rektorin Maria Schmölz die Türen zur Pausenhalle geöffnet werden. Wie im Nobelhotel fühle sie sich und auch ihre Söhne Lars und Sven, zehn und elf Jahre alt, sind begeistert. Erst von der Auswahl am Buffet und später vom Bastelprogramm, das die Schüler in einem Klassenzimmer anbieten. Das gefällt auch Lama Al Hamed so gut, dass sie am liebsten dableiben würden, als ihre Eltern mit ihr und den drei Geschwistern schließlich nach Hause aufbrechen wollen. Nicht einmal die Marmelade, die es zum krönenden Abschluss als Geschenk für jeden Gast gibt, kann sie trösten.

Michael Zeuch und Wolfgang Kern, die aus der Obdachlosenunterkunft der Stadt hergekommen sind, genießen den Abend ebenfalls sichtlich. „Das ist wunderbar, fantastisch“, schwärmt Michael Zeuch – und auch die Schüler sowie Hubertus Stelzer vom Schulpastoralteam und Betreuungslehrerin Claudia Cavallaro-Schröder sind glücklich: „Der Aufwand war groß, aber er hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt sie. „Es war ein schöner Abend mit vielen tollen Gesprächen und Begegnungen.“ Ein Abend, den die Schüler im nächsten Jahr gerne wiederholen würden. „Wir haben erlebt, wie Menschen zu Menschen finden“, fasst Mindelheims Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Wawra das Gefühl des Abends zusammen. „Wir sind gar nicht so unterschiedlich, wie viele manchmal glauben“, sagt er. „So kann Weihnachten werden.“

Was die berichtende Redakteurin Sandra Baumberger über den Abend denkt, erfahren Sie hier: Der Geist von Weihnachten

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